Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/58/
der französischen Regierung im Zahre 1878 eine Weltausstel 
lung in Paris zu halten mit folgendem Artikel: 
„DaS Dekret, welches auf den 1. Mai 1878 die Eröff 
nung einer Weltausstellung in Paris ankündet, ist unbestreitbar 
ein Akt ausgezeichneter Politik. Nie hat die Regierung, fei eS 
dem Lande selbst, sei eS dem Auslände gegenüber, die großen 
Interessen, die ihr anvertraut find, besser gefördert. Sie er- 
theilt dadurch dem Ausland, wie ungläubig es auch sein mag, 
die Versicherung, daß sie entschieden gewillt ist den europäischen 
Frieden zu ehren. Ein Volk, welches Umwälzungen befürchtet, 
gibt nicht allen Nationen der Welt ein solches Stelldichein. 
Wir fühlen heute die schmerzlichen Schläge, von welchen wir 
betroffen wurden, nicht weniger tief als gestern; aber wir 
wollen unsere frühere Stellung durch den Frieden und nicht 
durch den Krieg wieder zu erringen trachten. Vom Stand- 
punkt der inneren Politik aber zeigen wir, daß wir ebensowe- 
nig auf die Revolution als auf den Krieg zählen. Ein Un- 
ternehmen wie das, welches im Entstehen begriffen ist, hält je- 
den Gedanken, daß das Volk, welches sich damit beschäftigt, 
eine innere Störung befürchtet oder bei seinen Nachbarn einer 
Umwälzung entgegensieht, fern. Eine solche an alle Völker ge- 
richtete Einladung sich an dem ruhmvollen Wettstreit der Ge- 
werbe und Künste zu betheiligen, ist ein Beweis, daß man in 
Frankreich an die Zukunft glaubt und Vertrauen hegt in die 
friedlichen Gesinnungen denen alle europäischen Regierungen 
Ausdruck verliehen haben. Was man vor dem Beschluß vom 
25. Febr. 1875 nicht einmal hätte versuchen dürfen, kann heut 
unternommen werden ohne die geringste Ueberraschung zu er- 
regen. Allen monarchischen Jntriguen entronnen, von jedem 
Kompromiß mit der Vergangenheit befreit, der gefährlichen Ein- 
Mischung der auf die Retterrollen verpichten Prätendenten cnt* 
ledigt, athmet endlich das republikanische Frankreich frei von 
der Sorge für die Zukunft. Des morgigen TageS sicher, sich 
stützend auf den unanfechtbaren Willen der Nation, von keinem 
Hintergedanken gegen irgend eine Macht beseelt, mit dem Be> 
wußtsein, daß sie yichtS gethan hat um Mißtrauen einzuflößen, 
vertrauend und daS vollste Vertrauen verdienend, tritt die 
französische Republik mit edler Haltung die Aera der Wie- 
dergeburt und deS Fortschritts an, die für sie begonnen hat 
Diese große friedliche Kundgebung wird der Welt vollends 
zeigen was wir nach so unsäglichem Mißgeschick, nachdem 
Trümmer zwei Drittheile unseres Landesgebietes bedeckt hatten, 
zu leisten im Stande gewesen sind. Sie wird der Triumph 
der Arbeit und der Ordnung sein, von unseren Anstrengungen 
zeugen und sie würdig krönen :c 
In diesem Sinne faßt auch die deutsche Presse den Em* 
schluß der französischen Regierung auf. Die Kölner Zeitung 
sagt sogar: seit dem Friedensschlüsse sei keine Nachricht gekom- 
wen, die für Deutschland und die ganze Welt willkommener 
wäre als die von der 1878er Ausstellung. Dieselbe bemerkt: 
„Wir leben zwar nicht mehr unter der holden Täuschung, 
mit welcher 1851 die Weltausstellung in London eröffnet wurde, 
als besäßen wir an einer solchen Weltausstellung ein Unter- 
pfand des ewigen Friedens. Auch sonst haben sich nicht alle 
Erwartungen erfüllt, die sich an solche Ausstellungen knüpften; 
aber sie sind dennoch so belehrend und unterbaltend, daß sich 
die Idee deS Prinzen Albert nicht bloS in Europa behauptet, 
sondern bereits nach Amerika verpflanzt hat. Unter den ge- 
gsnwärtigen Umstanden, hat ein Beschluß der französischen Regie- 
rung aber noch eine ganz besondere Bedeutung. Unmittelbar 
nach dem Krieg und nach einem Friedensschlüsse, den die Fran- 
zosen für sehr hart ansahen, herrschte begreiflicherweise in 
Frankreich große Erbitterung und ein Rachegeschrei, das für 
die Erhaltung des Friedens nichts gutes zu bedeuten schien. 
Manche zweifelten daran, daß die Franzosen die Frist für die 
Abbezahlung der Kriegsentschädigung von fünf Milliarden in- 
nehalten würden; da sie doch einmal entschlossen wären das 
KriegSglück noch einmal zu versuchen, so würden sie wahrschein- 
lich die letzten Milliarden, statt sie nach Deutschland zu schicken, 
lieber auf die Erneuerung deS Krieges verwenden. Ja es ist 
kaum ein Jahr her, baß der Eifer unserer Nachdaren, ihre 
Armee weit über den bisherigen Stand zu vergrößern, ernste 
Besorgnisse erregte ob sie nicht in kurzer Frist den Krieg wieder 
aufzunehmen entschlossen wären, wobei sich denn natürlicher- 
weise die Frage aufdrängte, ob wir so lange warten sollten, 
bis die Franzosen mit ihren KriegSrüstungen fertig wären, und 
ob wir nicht besser thun würden selbst unsere Zeit zu wählen. 
Die französische Regierung erklärte damals in den stärksten 
Ausdrücken, daß sie keine kriegerischen Absichten hege und die 
gegenseitige Aufregung hal sich seitdem gelegt. ThaNm bedeu- 
ten indeß immer mehr als Worte und so beweist die franzö 
sische Regierung ihre Aufrichtigkeit am besten durch den jetzt 
gefaßten Beschluß eine Weltausstellung vorzubereiten. Denn 
ein solcher Beschluß wäre gar nicht möglich, wenn wirklich die 
Franzosen noch immer die unselige Idee eines Rachekrieges mit 
dem ersten Eifer in sich nährten. Unselig nennen wir diese 
Idee schon deßhalb weil, den Sieg der Franzosen vorausgesetzt, 
vie Deutschen ihrerseits auf Rache sinnen würden und fo kein 
Ende des Blutvergießens abzusehen wäre. Schon im Laufe deS 
JahreS sind hin und wider Anzeichen zu Tage getreten, daß in 
Frankreich eine etwas versöhnlichere Stimmung Platz greife, 
und wir haben ein jedes solches Anzeichen mit Freuden begrüßt. 
Wir können jene Ankündigung einer Weltausstellung nur 
mit der wärmsten Anerkennung begrüßen, und sind dabei ganz 
frei von Neid, daß es nicht Berlin ist, welches die Ebre erhält 
Sitz der nächsten Weltausstellung zu sein. EineStheilS befin 
den sich Handel und Gewerde, die in Frankreich seit dem Frie- 
den ausgeblüht sind, bei uns augenblicklich in einer ungünstigen 
und gedrückten Lage. Die in so kostbarer Weise eingerichtete 
Weltausstellung in Wien 1873 fiel zusammen mit dem Aus- 
bruch deS Krachs, mit dem Rückschlag auf eine seit dem Frie- 
den mit Frankreich überreizte Geschäftstätigkeit und von einer 
Besserung ist bis jetzt erst wenig zu spüren. Wo Handel und 
Gewerbe noch so darniederliegen, würde eS kaum gerechtfertigt 
erscheinen die großen Kosten für eine Weltausstellung aufzu- 
wenden. Dazu kommt, daß Berlin bis jetzt noch wenig im 
Stand ist mit London, Paris und Wien als Sitz einer Welt- 
auSjtelluug zu wetteifern. Berlin wird Weltstadt ist eS aber 
noch nicht. Alles ist dort erst im Werden und Wachsen, und 
die Presse unserer Hauptstadt hat sich fast einmüthig gegen 
einen solchen Plan ausgesprochen. Die Einberufung einer 
Weltausstellung nach Paris und schon im Jahre 1878 wird 
dagegen bei uns mit ungetheiltem Beifall aufgenommen. Die 
Erbitterung und Wuth, die sich 1870 bei dem plötzlichen un- 
gerechtfertigten Ueberfall durch Frankreich der deutschen Nation 
bemächtigte, war im wesentlichen schon durch die glücklichen 
Erfolge des Krieges besänftigt und ein eigentlicher National- 
haß herrscht bei uns gar nicht. Wir erkennen die großen Ver- 
dienste, welche sich die französische Nation um die Bildung der 
Welt erworden hat bereitwillig an. Wir schätzen alleS, waS 
sie an Künsten und Wissenschaften hervorgebracht, ja, sind nur 
zu geneigt, was die Franzosen im Roman und Drama schaf- 
fen, zu bewundern und nachzuahmen. Ja wir erkennen die Über 
legenheit der Franzosen in manchen ErwerbSzweigen an und 
namentlich die Erfahrungen, welche die elsäßischen Indu 
striellen beim Wechsel der Herrschaft machten, haben eS bei dem 
Deutschen zum Bewußtsein und zur Anerkennung gebracht, 
daß die Franzosen im Handel und Wandel zum Theil pünkt- 
licher und reeller sind als die Deutschen :c." 
Aus Bosnien wird vom 1. April geschrieben, daß die 
Insurgenten gerade an demselben Tage, an welchem sie in der 
Herzegowina einen Waffenstillstand von 15 Tagen geschlossen 
Haben, ^ in Bosnien unter Golub Babitsch bei Unnatz einen 
Sieg über die Türken erfochten. Man darf freilich bei den
        

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