Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/55/
noch einige Zeit in Geduld aushalten. — An den von einigen 
ungarischen Blättern in den letzten Tagen verbreiteten Nach- 
-richten über die Entscheidung Serbiens für den Krieg und-die 
dem entsprechenden Maßnahmen, sowie über den vollständigen 
Erfolg der österreichisch-ungarischen Diplomatie bei der Dam- 
psung dieser kriegerischen Strömung ist kein Wort wahr. Die 
Entscheidung war weder für noch gegen den Krieg erfolgt, die 
Kriegslust in den Bürgerkreisen ist nach wie vor dieselbe; sie 
ist vielmehr in Folge gewisser Einwirkungen um etliche Grad 
gestiegen und die diplomatischen Agenten kommen den ihnen 
-auferlegten Aufgaben wie gewöhnlich nach ohne jedoch bezüg- 
lich der Entscheidung Serbiens etwas verbürgtes erlangt zu 
haben. ES scheint, daß diese Gerüchte bloS zu dem Zweck er- 
funden worden sind, um daS Publikum zu deruhigen und daS- 
selbe zu überzeugen, daß die österreichisch-ungarische Diplomatie 
die nöthige Stärke besitzt, um jede Gefahr, welche von Serbien 
drodt zu beseitigen. Es ist aber Thatsache, daß in den leiten- 
den Kreisen Serbiens die von außen kommenden Rathschläge 
die entscheidend wirken können, sondern man folgt stets dem 
Rath deS nationalen Interesses. Und wenn eS dann und 
wann scheint, daß die maßgebenden Kreise die fremden Rath- 
schlüge befolgen, so ist das eben nur Schein; denn auch in 
diesem Fall liegt nur das Interesse deS eigenen Staats im 
Hintergrund von dem man sich zu dieser oder jener Haltung 
bestimmen läßt. 
Verschiedenes. 
* London, 27. März. Ueber die merkwürdigen Schick- 
sale j,d Erlebnisse der schwergeprüften Mannschaft und Pas- 
sagiere deS AuSwandererschiffes „Strathmore" liegen nunmehr 
ausführlichere Berichte vor. Im April vergangenen ZahreS 
^segelte daS schottische Schiff (Rhedern in Dundee gehörig) von 
London nach Otago auf Neu-Seeland ab, wo man seiner An- 
fünft vergeblich entgegensah. Monat um Monat verging, und 
die 88 Personen, welche der „Strathmore" an Bord hatte, 
wurden längst als tobt von den Ihrigen betrauert. DaS 
Schiff sollte eine Pulverladung geführt haben, und auf offe- 
ner See in die Luft geflogen sein; so wurde vielfach ange- 
nommen. Da traf in den ersten Tagen deS März die uner- 
wanete Nachricht ein, daß 20 Personen, die sich auf dem un 
tergegangenen Schiff befunden hatten, zu Galle (auf Ceylon) 
ar 3 Land gesetzt worden seien, und 30 andere — ob die Zahl 
genau ist, läßt sich noch nicht mit Bestimmtheit angeben — 
wU'den dieser Tage von dem Schiffe „ChilderS" nach Rangun 
gebricht. Die Armen haben eine lange Leidensgeschichte zu 
e^ih! n. Am 1. Juli fuhr der „Strathmore" bei dichtem 
Nedel auf die sogenannten Felsen der zwölf Apostel bei den 
CeozsS-Inseln, im Süden deS Indischen Oceans, und ging zu 
Der Capitän und ein Theil der Mannschaft und 
P^i>Alere ertranken, die übrigen 'retteten sich in den Booten 
aus cv\t der unbewohnten Inseln. An der steilen Küste konn- 
ten Boote nicht in Sicherheit gebracht werden, und wur- 
der in der ersten Nacht von ^den Wellen fortgerissen, und so 
war b n Geretteten die letzte Aussicht genommen, das öde Ei- 
lai^ Wieder zu verlassen, wenn nicht ein vorüberfahrendes 
SMf.auf sie aufmerksam würde und sie zu erlösen käme. 
(wen Monate brachten sie in der Einsamkeit zu. Glück- 
li^^ise sprudelte eine frische Quelle auf der unfruchtbaren 
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