Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/52/
Krieg will, da sie denselben geradezu zweimal (in Kragujevatz 
und in Belgrad) votirt hat, indem sie die Anleihe und daS 
KriegSbudget bewilligte, und hiefür noch eine ständige Kom- 
misston von 17 Skupschtina-Mitgliedern erwählte, welche an 
der Seite der Regierung alle Kriegöangelegenhe ten und alle 
Vorbereitungen kontroliren und die Regierung in allen schwie- 
«gen Fragen unterstützen soll. Hier ist nicht die Ueberzeugung 
von der Notwendigkeit der Aktion, sondern offen geäußerte 
KriegSlust der Maßstab für den Ernst des VolkSwillenS. Käme 
eS lediglich auf den Willen der Skupschtina und des VoikeS 
an, so wären die Türken längst nicht mehr die Bedrücker der 
Christen in Bosnien, in der Herzegowina und Alt-Serbien. 
Allein wie die Dinge liegen, rechnet man im türkischen Lager 
nach demselben Caleul nach dem die Mächte rechnen, und daß 
dieser einige nicht unbedeutende Hindernisse bietet, die der Aktion 
entgegenstehen, ist für niemanden ein Geheimniß. Die Besei 
tigung dieser Hindernisse, unter welchen in erster Linie der 
Wille des Fürsten Milan IV. die Hauptrolle spielt, ist jedoch 
nicht unmöglich. Der Fürst muß, wenn er einen Rückblick 
auf die letzten acht Monate seiner Regierung wirst, nur be- 
dauern, daß er sich vom Krieg abhalten ließ, denn während 
dieser Zeit haben sich in Serbien viele Faktoren gebildet, die 
seine Stellung selbst unerquicklich machen. Heut ist die Lage 
Serbiens analog mit jener in der eS sich im vorigen Herbst 
befunden hat; heut jedoch kann sich der Fürst der Einsicht 
nicht verschließen, daß die diplomatische Intervention der 
Mächte, an der auch er teilgenommen, jene praktischen Er 
folge für die Christen und für den Frieden, wie man sie er- 
wartet, insofern nicht gehabt alS die Christen jetzt noch unzu- 
friedener sind als früher; die Wiederherstellung des Friedens 
erscheint mehr denn je fraglich. Eine derartige Situation läßt 
keine Zeit zu Erwägungen übrig. Die Ereignisse drängen 
vorwärts; von dem Fürsten und von dem Volke SMiens 
erwarten die Insurgenten die rettende That. Schön MDine 
Verständigung mit Montenegro angebahnt. UntertzaWßHen 
mit Griechenland wurden gepflogen, so daß man von AMn 
beiden Seiten her auf Schutz und Trutz gegen dieHDrte 
hofft. Man erwartet, daß man bis zum griechischen HR Ge- 
orgi-Tag in allem zum Kriege wenigstens so weit vorbereitet 
fem werde, wie eS die Türken selbst sind. Montenegro steht 
mit seinen 30 Bataillonen schlagfertig da, Griechenland macht 
große Anstrengungen und Serbiens Kriegsminister arbeitet 
Tag und Nacht an der Schlagfertigkeit der Armee. Hessara 
bien liefert die nöthige Zahl der Pferde, und daS nöthige Ge- 
schirr für 700 Züge ist bereits angekauft. Die Unterhandlun- 
gen wegen Ankaufs einer großen Anzahl von Gewehren sind 
im Zug, und in militärischen Kreisen besteht die Ansicht, daß 
der vorhandene Vorrath an Hinterladern nach dem System 
Peabody und Green für den bevorstehenden Feldzug hinreiche. 
ES find nämlich 150.000 Hinterlader und 400 000 Vorder- 
läder sammt der erforderlichen Munition vorräthig. Die aus 
17. Mitgliedern bestehende permanente Kommission überwacht 
eifersüchtig die geringsten Ausgaben und dringt hauptsachlich 
darauf, daß Serbiens auswärtige Politik mit den an las 
Land gestellten Ansprüchen und dem Willen des Volkes im 
Einklang steht. WaS bisher für den Krieg geschah und auS- 
gegeben wurde, könnte aber keine Regierung vor der Volks« 
Versammlung rechtfertigen ohne die Hauptbedingung hiefür, den 
Krieg selbst, erreicht zu haben. ES ginge nicht nur dem 
jetzigen verantwortlichen Ministerium, daS diese Vorbereitungen 
vornimmt, recht übel — auch der Fürst selbst würde im Volk 
seine Stütze verlieren, wenn alles das, waS man jetzt für den 
Krieg thut nichts anderes als eitel Komödie wäre. Die Völ 
ker an der untern Donau sind in der Entscheidung von Dp- 
nastiefragen sehr energisch; das weiß der Fürst, und dürfte es 
in diesem hochwichtigen Moment beherzigen." 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Gchädler. 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Veschäfis-Empfehlung. 
Unterzeichneter empfiehlt sich dem P. T. Publikum vow 
Feldkirch und Umgebung zur Anfertigung von allen 
Tapezier- und Möbelarbeiten, 
sowie auch Wagen und Geschirren aller Art. 
Ferner sind englische Chaisengeschirre, sowie auch 
Fuhrknmmet von allen Größen zu den billigsten Preisen zu 
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Federmatratzen von 16 bis 22 fl. sind stets vorräthig. 
Sattler und Tapezierer in Feldkirch. 
Gänzlicher 
AUSVERKAUF. 
Wegen Zurücklegung des Geschäftes eröffne ich vom 
5. November an Behufs vollständiger Räumung meines 
Tuch- und SchnittwaarenlagerS einen 
Ausverkauf zu herabgefetzten Preiße«. 
Indem ich dieses hiemit zur allgemeinen Kenntniß bringe, 
beehre ich mich, an das P. T. hochgeehrte Publikum in Stadt 
und Land die ergebene Einladung zu recht zahlreichem Zuspruch 
zu richten, mit dem Bemerken, daß eS sich hiebei nicht u« 
einen gewöhnlichen Ausverkauf einzelner ungangbarer oder 
schadhaft gewordener Artikel, sondern vielmehr um gänzliche 
Räumung eines kurrenten Waarenlagers handelt. 
Feldkirch, am 1. November 1875. 
Paul Deisböok. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt m Bregenz vom 24. März. 
Der halbe Metzen 
Korn . . . 
. . 3 
40 
3 
1 15 
3 
05 
Roggen . . 
. . 2 
80 
2 
| 60 
2 
50 

« 9 
70 
2 
50 
2 
30 
Türken . . 
. . 1 2 
80 
2 
50 
2 
20 
Hafer . . . 
. . 1 1 
70 
1 1 
60 
1 
50 
Thermometerstand nach Reanmnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
März 
22 
+ 3 % 
+ 4% 
+ 3 I fast bedeckt 

23 
+ 1% 
+ 4 
+ 3 
trüb; Nwd. 

24 
0 
+ 6% 
+ 5 
halb hell 
n 
25 
+ 
+ 11 
+ 
trüb 
H * 
26 
+ 3% 
+ 
+ 4% 
ir ! ^'8* 
tt 
27 
+ 
+11 Vi 
+10 
fast hell; Föhnwd. 
» 
28. 
+ 11 
+ 14 
+12 
fast bed.; Föhnft 
Telegrafischer Kursbericht von Wie«. 
28. März ^uder 101.75 
20-Frankenstücke ....... 936 
Druck von Heinrich Grass in Feltirch.
        

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