Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/39/
Heben zu können, weil Montenegro von seinen eigenen zur 
Stunde nur sehr spärlichen KriegSvorräthen nichts zu entbehren 
vermag. Selbst die vom Jnsurgentenführer Sotschitze persön 
lich vorgebrachten Argumente, daß die Insurrektion ohne Hilfe 
Montenegros stch nicht lange mehr halten, geschweige denn 
das Land von den Türken befreien köttne, hatte seitens des 
ersten Ministers und Vetters des Fürsten Nikita nur die Er- 
Wiederung zur Folge: daß Montenegro nichts thun könne, 
weil die politische Situation ihm einstweilen noch die Hände 
binde. Die Deputation kehrte unverrichteter Sache und mit 
bitteren Gefühlen in die Herzegowina zurück. 
Spanien. Der „Temps" erhält von der spanischen. 
Gränze einige Einzelheiten über die Ankunft deS Prätendenten 
auf französischem Boden. Am Montag um 6 Uhr AbendS 
fuhr Don Carlos in offenem Wagen, den Unterpräfecten des 
Bezirks an seiner Seite, in Maul6on ein, wohin ihm schon 
viele seiner Anhänger vorauSgeflohen waren. Mit seinem Ge> 
neralstab, der ihm auf dem Fuße folgte, nahm Don Carlos 
auf der Unterpräfectur daS Diner. Der Prafect, Hr. de Na- 
daillac, hatte sich zur Begrüßung des Prinzen eingestellt und 
reiSte am andern Morgen um 11 Uhr mit ihm nach Pau ab. 
Zuvor nahm Don Carlos von seinem Stabe, in welchem man 
wenigstens fünfzehn Generale bemerkte, Abschied. Nach dem 
üblichen Handkuß richtete er an seine Waffengefährten mit be- 
wegter Stimme eine Ansprache, deren Sinn ungefähr folgen- 
der war: „DaS Glück hat unS verrathen; aber wir sind noch 
jung genug, um auf bessere Tage hoffen zu dürfen. Auf 
Wiedersehen in Madrid!" Ein dreifaches Hurrah und „Viva 
el Rey" nahm diese Ansprache auf, und der Prätendent fuhr 
von dannen. Die „Union" veröffentlicht zwei von Pau, den 
1. März, datirte Manifeste des Prätendenten, von denen das 
eine „An die Spanier", das andere „An meine Armee" ge- 
richtet ist; das erste ist „Euer König CarloS", das andere 
„Euer König und General CarloS" unterzeichnet. In dem 
Aufruf an die Spanier erklärt der Prätendent: er habe in 
dem Wunsche dem Blutvergießen Einhalt zu thun und der 
Uebermacht weichend, den Degen in die Scheide gesteckt und 
den Pfad der Verbannung betreten; aber auf einen entehren- 
den „Convenio" habe er nicht eingehen wollen, und er sei 
nach wie vor überzeugt, daß die Gewalt seiner Feinde als das 
Werk der Revolution nie in Spanien Wurzeln schlagen, werde. 
Seinen Soldaten ruft er die mit ihnen erföchtenen Siege von 
Montejurra, Somorrostro, Abarzuza, Urnieta und Lacar ins 
Gedächtniß und spricht ihnen Much und Hoffnung jfm; die 
Zukunft ein; er werde eS sich immer zum Ruhm anrechnen, 
an der Spitze dieser echten Spanier für Thron und Altar ge- 
rungen zu haben. Auf französisches Gebiet sind etwa 15,000 
Carlisten übergetreten', von denen nur ein kleiner Theil inter- 
nirt wurde; die meisten werden nach Spanien zurückkehren, 
da ihnen sofortige volle Amnestie versprochen ist. 
Bereinigte Staaten von Nordamerika. Ueber den 
Rücktritt des amerikanischen Kriegsministers Belknap geht der 
„TimeS" folgender telegraphischer Bericht zu: Der Ausschuß 
deS Repräsentantenhauses zur Controiirung der Ausgaben des 
Kriegsministeriums berief bei einer Untersuchung einen Herrn 
Marsh auS New-Uork als Zeugen. Er erschien am Mittwoch 
und sagte aus, daß er der Frau de6 Kriegsministers als Er- 
kenntlichkeit für seine Ausstellung als Lieferant und Händler zu 
Fort Sill und an mehreren andern Militärgrenzposten 10,000 
Doll. ausbezahlt und sich verbindlich gemacht habe, ihr jährlich 
6000 Doll. zu zahlen. Dies habe er seitdem (seit 6 Jahren) 
gethan. Genera! Belknap wurde sofort von dieser Bloßstellung 
in Kenntniß gesetzt; aber ehe er noch vor dem Ausschuß er- 
scheinen konnte, besuchte seine Frau die Mitglieder desselben u. 
gestand die Wahrheit der Angabe zu. Sie nahm alle Schuld 
auf sich und sagte: der KriegSminister wisse nichts davon. Ge- 
neral Belknap gab später zu, daß die Anklage auf Wahrheit 
beruhe, und sprach den Wunsch auS, alle Verantwortlichkeit 
allein zu tragen. Bei einer außerordentlichen CabinetSversamm- 
lung reichte Hr. Belknap seine Entlassung ein, und der Präsi- 
den? nahm den Bericht deö Ausschusses entgegen. Nach ein- 
stimmigem Beschlüsse deS Repräsentantenhauses wird General 
Beltnap in Anklagestand versetzt werden. 
Ueber die Bestechungsgeschichte, die den Rücktritt des ame- 
ri! z ischen KriegsministerS Belknap veranlaßt« und seine Ver- 
ftyr ^g in den Anklagestand zur Folge haben wird, geht der 
„ Ä nes" folgender weitere ausführliche Bericht zu: Der Skan 
dal wurde, wie bereits gemeldet, durch die Aussagen deS Caleb 
P. Marsh aus New Aork enthüllt. Im Jahre 1870 lebte die 
zr- e te jrau BelknapS, die noch in demselben Jahre starb, und 
bmn Schwester, die jetzige Gemahlin des ExkrlegSministerS, da- 
m iiS Frau Bower, eine Zeitlang in dem Hause des Marsh. 
Später machte ihm Frau Belknap den Vorschlag: er solle sich 
um die erledigte Stelle eines Händlers u. Lieferanten fü? daS 
Fort Sill bewerben. Das Recht diese Stelle zu besetzen steht 
dem Kriegsminister zu. Da aber der bisherige Lieseranz, John 
EvanS, ein bedeutendes Capital in dem Fort angelegt hatte, 
das theilweise in Gebäuden, theilweise in Vorräthen steckte, so 
war er bei Ablauf seiner Zeit gerne bereit für die Beibehaltung 
der einträglichen Stelle ein Opfer zu bringen. Er verständigte 
stch mit Marsh dahin, diesem eine jährliche EntschädigungS- 
summe von 12,000 Doll. in Quartalraten vorauszubezahlen 
und dafür auch fernerhin Lieferant zu verbleiben. Die 12,000 
Doll. cheilte Marsh mit dem KriegSminister, und er gibt an, 
im Ganzen "lwa 40,000 Doll. von EvanS erhalten und da- 
von die Hälfte an den Kriegsminister übermittelt zu haben. 
Dieses treiben blieb nicht vollständig geheim. Ein früherer 
Osficier, der darum wußte, und der dem Kriegsminister wegen 
seiner Entlassung auS der Armee feind war, machte zuerst Mit- 
theilungeu an demokratische Congreßmitglieder. So kam die 
Sache vor den Ausschuß, der die Verwaltung des KriegSmini- 
steriums wegen fortwährender Zunahme der Ausgaben zu un 
tersuchen hatte. Marsh erhielt eine Vorladung. Er hatte 
schon seine Koffer gepackt um abzureisen, aber der KriegSmini- 
ster sah dadurch seinen Ruf vernichtet und nöthigte ihn zum 
Bleiben. Marsh blieb auch, aber er ließ sich nicht bewegen 
dem Untersuchungsausschuß tie Wahrheit vorzuenthalten. Bel- 
knap soll dem Präsidenten gegenüber geäußert haben: „Ich 
wollte, ich hätte mich umgebracht." worauf er zur Antwort er- 
hielt: „Das wollte ich auch." Der Präsident bedauert die 
Entlassung BelknapS so schnell angenommen zu haben, da durch 
seinen Rücktritt das Recht des Senats, ihn m Anklagestand 
zu versetzen zweifelhaft geworden ist. Die darauf bezügliche 
Forderung des Repräsentantenhauses wurde an einen Ausschuß 
des Senats verwiesen Seit der Ermordung Lincolns hat kein 
Ereigniß so großes Aufsehen in den Ver. Staaten gemacht als 
dieser Fall Die Presse bezeichnet denselben als eine Schmach 
für die ganze Nation. 
Verschiedenes. 
* Landwirtschaftliches. Der bekannte Pomolog Gut 
in Langenthal schreibt im „Oberaargauer": Welche Bedeutung 
an andern Orten der Obstbau hat, erkennt man aus den 
Preisen, welche letzten Herbst in Bozen, (der Stadt in Süd- 
tirol) bezahlt wurden. Von gewöhnlichen Aepfeln, die im 
Großen verkauft werden, galt der Zenmer 5 bis 7 Fr. und 
von den feinem Tafeläpfeln 12 bis 17 Fr. Von den fein- 
sten Sorten werden übrigens alle schönen und fehlerfreien beim 
Stück verkauft. Jeder Apfel wird einzeln in ein Seidenpapier 
gewickelt und zu je 400 oder 500 Stück in Kisten verpackt. 
Halbkisten erhalten 200 oder 250 Stück. Für solche Aepsel 
bezahlte man das Hundert: Weißer Rosmarin 30 bis 37 Fr., 
Weißer Winter-Cavill 37 bis 40 Fr., Köstlicher 25 Fr, 
Böhmer und Edelrothe 15 bis 17 Fr., BorSdorfer, Tafelapfel,
        

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