Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/37/
Liechtensteinische 
Vierter Jahrgang« 
Vaduz, Freitag 
Nr. 10. 
>en 10. März 1876. 
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werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Vaterländisches. 
Vaduz,7. März. (Räucherungen bei Frühjahrs frö- 
st en.) Unsere Nachbarn in Vorarlberg haben die FrühjahrSfröste 
vom J. <878 und 1874, die bekanntlich auch bei uns enormen 
Schaden angerichtet haben,' noch nicht vergessen. Nach einer 
Mittheilung der „Feldk Ztg " haben die Landwirthe des Vor- 
derlandeS und von Feldkirch und Umgebung schon im vergan 
genen Jahre über Anregung deS Herrn Professors Dr. Nach- 
baur Vereinbarungen getroffen, um bei herannahender Reifge- 
fahr sich durch Anzünden von Rauchfeuern gegen Frostschäden 
zu schützen. ES »rat jedoch kein FrühlingSfrost ein. Der 
Sache wird auch sürderhin die volle Aufmerksamkeit zugewen 
det und der Obmannstellvertreter deS LandwirthschaftSvereinS 
Hr. v. Tschavoll nahm (ich derselben lebhaft an, indem er eine 
Raucherordnung entworfen hat, laut welcher die Gemeinden, 
resp. die auf Grund deS FeldschutzgefttzeS gewählten Reben« 
Kommissionen das Räuchern leiten und durchführen; diese 
Rauchordnung, welche bereits von den Gemeindevertret- 
ungen von Altenstadt, TifiS und FeldkirH angenommen wurde, 
lautet wie folgt: 
„8 l. Das Rauchmachen bei Reifgefahr wird als eine 
Gemeindeanstalt erklärt. Die unmittelbare Leitung liegt in je- 
der Gemeinde der Gemeindevorstehung ob, zu deren Unterftüz- 
zung der Gemeindeauöfchuß die jeweilen nach 8 12 deS Ge 
setzes vom 28 März 1375 für das Land Vorarlberg gewählten 
KommifsionS-Mitglieder zu bestellen hat. 
8 2 Die Gemeindevorstehung hat zum Rauchmachen ei- 
gene, vorschußweise auS der Gemeindekassa zu entlohnende Per- 
sonen aufzustellen. 
8 3. Die RäucherungSkosten haben die Besitzer der Wein- 
gärten, wozu auch Nutznießer und Pächter zu zählen sind, 
nach Verhältniß deS Besitzes und den Bestimmungen der Ge- 
meindeOrdnung zu tragen und müssen dieselben im Spätherbfte 
gemeinsam mit den Kosten der Traubenhut an die Gemeinde- 
kasse abgeführt werden. 
8 4. Die zur Leitung der Anstalt berufene Gemeinde- 
Vorstehung bestimmt die Plätze und Orte, wann die Rauchfeuer 
anzuzünden und zu unterhalten find, wobei Bedacht zu nehmen 
ist, daß jede Feuergefahr für Gebäude oder Wälder vermie- 
den werde. 
DaS Materiale zum Rauchmachen, welches aus Stoffen 
zu bestehen hat, welche andauernd starken Rauch zu erzeugen 
geeignet sind, als Reiser, Sägspäne und andere Holzabfälle 
vermischt mit Theer, ist nicht erst bei drohender Reifgefahr, 
sondern schon früher auf den bezeichneten Plätzen und zwar 
wenigstens für zwei Nächte vorzubereiten. 
8 5. Jede Gemeindevorstehung Hat einen verläßlichen 
Mann als Reifwächter zu bestellen, welcher bei drohender 
Reifgefahr das im Freien aufgehängte Thermometer bis nach 
Mitternacht zu beobachten hat. 
Wenn bis Mitternacht bei Windstille und wolkenlosem 
Himmel daS Thermometer bis auf 5 Grad ober 0 Null ge 
sunken ist, dann ist später daS Sinken desselben bis nahe auf 
den Gefrierpunkt (0), mithin Reif zu befürchten. 
In diesem Falle hat der Reifwächter schon um Mitter- 
nacht daS Zeichen zum Rauchmachen durch einige Pöllerschüffe 
zu geben. 
Auf dieses Zeichen müssen durch die zur Räucherung be« 
stellten Personen sogleich die Rauchfeuer überall angezündet 
und bis wenigstens eine Stunde nach Sonnenaufgang unter- 
halten werden, wobei stets auf die Erzeugung von möglichst 
viel Rauch getrachtet werden muß. 
§ 6. Die Gemeindevorstehung hat Sorge zu tragen, daß 
das Anzünden und Unterhalten der Rauchfeuer durch den Reif- 
Wächter strenge überwacht wird. 
Indem man diese Rauchordnung zur allgemeinen Kenntniß 
bringt, wird gleichzeitig bemerkt, daß auch die löblichen Ge- 
memde-Vertretungen von Altenstadt und Tisiö dieselbe ange- 
nommen haben, und die Durchführung derselben mithin eine 
gemeinsame sein wird." 
Wie wir schon öfters in unserem Blatte angedeutet haben, 
ist das „künstliche Rauchmachen" gegen eintretenden Reifen 
in vielen Weingegenden schon lange in gebräuchlicher An- 
wendung. 
Die Erfahrungen, welche über dieses Schutzmittel auö zu- 
verlässigen Quellen bekannt sind, melden übereinstim- 
mend, daß in Fällen wo 
t. daS Räuchern rechtzeitig und in geordneter, 
planmäßiger Weise durchgeführt wurde, 
2. die Temperatur nicht unter 2 Grad unter 0 gesunken ist 
wirkliche und nachweisbare Erfolge erzielt wor- 
den sind. 
Wenn schon die Erfahrungen, welche wir hier zu Land, 
namentlich in Vaduz durch den ersten RäucherungSversuch im 
Frühjahr 1874 gemacht haben, den gehegten Erwartungen 
nicht ganz entsprochen haben', so war eS eben ein erster Ver- 
such ohne Plan und ohne Zeitbestimmung, der jedenfalls noch 
nicht dazu berechtigt, die Erfahrungen anderer Gegenden über 
den Haufen zu werfen. 
Angesichts der enormen Verluste, die wir schon durch Früh- 
jahrsfröste erlitten haben, halten wir ukS deshalb für verpflich- 
tet, die Aufmerksamkeit unserer Landwirthe nochmals auf die- 
seS bis jetzt als best erkartnteS Hilfsmittel zu richten und die- 
selben zu ermuntern, dem Beispiele unserer Vorarlberger Nach- 
barn nachzufolgen. Bei der schon vorgerückten Jahreszeit 
dürste aber ein rasches Handeln am Platze sein.
        

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