Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/29/
Liechtensteinische 
Vierter Jahrgang. 
Vaduz, Freitag 
Nr. 8. 
den 25. Februar 187k. 
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Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
67. Die Fürsten von Liechtenstein. 
(Fortsetzung.) 
Während die geschilderten Streitigkeiten daS Land in Auf- 
regung hielten, war 1721 die Rede davon, der Fürst beab- 
sichtige das Land wieder durch Kauf abzutreten und der Abt 
von PsafferS trachte darnach, die Herrschaften zu erwerben. 
Später 1 728 hieß eS, der Fürst wolle ein Kapital von 200,000 
fl. aufnehmen und Vaduz und.Schellenberg als Unterpfand 
geben. Sowohl der Fürstbischof von Chur als dex Abt von 
'St. Gallen hofften auf diese,Weise daS Land zn erhalten, al- 
lein der Plan" wurde nicht ausgeführt. DaS Land blieb beim 
Fürstenhause und verlebte mit ihm von nun an friedliche, und 
ruhige Zeiten. 
Um diese Zeit verließen die Edlen v. Ramschwag Guten- 
berg. Karl Ferdinand v. R. war der letzte, welcher daS 
Schloß bewohnte. Er starb 1716 Bon seinen Söhnen trat 
Franz Christoph in österreichische Dienste und das von ihm 
fortgepflanzte Geschlecht blüht dort noch fort. Gutenberg 
sollte nun verkauft werden und die Fürsten von Liechtenstein 
traten in Unterhandlung mit Oesterreich. Man konnte sich 
jedoch nicht einigen und so blieb daS Schloß im Besitze des 
Kaisers bis eS mit den dazu gehörigen Gütern an die Ge- 
meinde BalzerS verkauft wurde. Bei diesem Anlasse ging auch 
daS mit dem Besitze deS Schlosses verbundene PatronatSrecht 
an die Gemeinde über. Bekanntlich kam in neuerer Zeit Gu- 
tenberg in den Besitz deS Landesfürsten. 
Fürst Johann Karl starb bald nach erlangter Volljährigkeit 
in derBlüthe seiner Jahre (1743). Die Regierung ging nun 
auf Josef Wenzel über, der, wie früher erzählt, die Herrschaf- 
ten an Anton Florian abgetreten hatte. Joseph Wenzel hatte 
sich in den Kriegen, welche Oesterreich damals führte, beson 
ders hervorgethan und hat sich als Schöpfer des Artilleriewe- 
senS einen hervorragenden Namen in der österreichischen Kriegs 
geschichte erworben. Auch wichtige Gesandtschaften hatte er zu 
übernehmen, wie an König Friedrich II. von Preußen und an 
den Hof von Frankreich. Später wurde er Generaldirektor 
deS österr. Geschützwesens und Generalfeldmarschall der Armee. 
Maria Theresia ließ sein Brustbild in Erz gegossen im Zeug- 
hause in Wien aufstellen und eine Inschrift bei demselben an- 
bringen, welche seine Leistungen, seine Aufopferung und Hin- 
gebung für daS Vaterland der Nachwelt überlieferte. Fürst 
Joseph Wenzel endete seine ruhmvolle Laufbahn den 10. Febr. 
1772. Da er keine männliche Nachkommen hinterließ, siel die 
Regierung deS Fürstenthums seinem Bruder Franz Joseph zu. 
Dieser starb 1782 und sein Sohn Alois Joseph trat die Re 
gierung an, welcher ein Freund der Wissenschaften war und 
viele prachtvolle Bauten auf seinen österr. Besitzungen auS- 
führte. 
Mehr als ein halbes Jahrhundert hindurch weiß uns 
die Geschichte wenig über unser Land zu erzählen. ES ist das 
ein Zeichen, daß diese Zeit eine friedliche und glückliche war, 
denn die Geschichte hat meistens nur den Lärm der Streitig- 
keiten, nicht aber die mehr verborgenen Früchte stillen, eintrüch- 
tigen Zusammenwirkens zu schildern. Unser Land hatte in dieser 
Zeit einige Männer, welche sich auch im Auslände einen Na- 
men erworben. Johann Ulrich Hopp von BalzerS, Doktor der 
Theologie, war bischöfl. Kanzler in Chur, später Professor der 
Theojogie in Kempten und Kanonikus tn Freising. Norbert 
Kaufmann, ebenfalls voit BalzerS, war Abt vok Wt. Luzi in 
Chur (1744—1754). Franz Laver Gaßner von Triefen, wid- 
mete sich dem Studium der Medizin , wurde Doktor der Arz- 
neikunde und war „ein Mann von großer Vortrefflichkeit." 
Er starb zu Philippsburg 1751. Christian Wenoweser von 
Schaan wurde Doktor der Theologie, war Direktor deS königl. 
Waisenhauses zu Wien und eine Zeit lang Hofkaplan deS 
Fürsten Joseph Wenzel. Später kehrte er in seine Heimach 
zurück und starb als Pfarrer von Triefen. Ebenfalls um 
diese Zeit lebte auf Schönenbühl in^der Gemeinde Eschen Ja- 
kob Helbert, ein schlichter Landmann, der sich um daS, was in 
seiner Heimath und anderSwo begegnete, gar sehr bekümmerte 
und eö zu Papier brachte, woraus eine Chronik entstand, die 
besonders in Bezug auf die Wetterangaben, die guten und 
schlimmen Zeiten und die Neuerungen, welche der Kaiser Jo 
seph II bezüglich der Religion in der Nachbarschaft vornahm, 
nicht ohne Interesse ist. Auf letztere ist Helbert sehr schlimm 
zu sprechen. 
Baduz, den 22. Febr. DaS Resultat der in der jüng- 
sten Zeit im ganzen Lande stattgefundenen Gemeindewahlen ist 
folgendes: 
Borsteher: 
BalzerS: Georg Bogt. 
Triefen: Johann Bargätzi. 
Triefenberg: Jos. Gaßner. 
Vaduz: LouiS Rheinberger. 
Schaan: Jos. Tschetter. 
Eschen: Joh. Georg HaSler. 
Mauren: Math. Frick. 
Schellenberg: Meinrad Marxer. 
Gamprin: Joh Georg Näscher. 
Ruggel: Rudolf Oehri. 
Kassier: 
Jos. Brunhart. 
Laver Bargätzi. 
Franz Beck. 
Meinrad Ospelt. 
Rudolf Quaderer. 
Franz Jos. Risch. 
Alois Maier. 
Franz Jos. Kieber 
Joh. Georg HaSler. 
Andr. HaSler.
        

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