Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/27/
die Nachrichten, die aus Serbien kommen, richtig sind, so will 
man in Belgrad gegenüber Bosnien beiläufig dieselbe Stellung 
einnehmen wie in Cetinje gegenüber der Herzegowina. Fürst 
Milan soll von seinen StaatSstreichgedanken ganz zurückgekom- 
men sein und sich vor dem Willen der Nation, die eine Action 
fordert, gebeugt haben. Die Skupschtinä hat einen Permanen- 
ten Ausschuß nach sich gelassen. An den militärischen Aus- 
rüstungen wird in aller Eile gearbeitet. Manche glauben so- 
gar, daß Serbien schon im Monat März etwas für den Auf- 
stand in Bosnien thun wird. 
Eine andere Korrespondenz berichtet: ES ist kein gutes 
Zeichen für den Erfolg der österreichischen Reformvorschläge, 
daß gerade in demselben Momente wo dieselben in Konstant!- 
nopel übergeben wurden, die Türken sich einer eklatanten Grenz- 
Verletzung gegen Oesterreich schuldig gemacht haben. Die Tür- 
ken haben nämlich nicht nur das österreichische Dorf Dobretin 
in "Brand gesteckt, sondern in demselben auch unbarmherzig 
Weiber und Kinder niedergemacht. In Folge dessen ist in der 
kroatischen Militärgränze eine solche Aufregung unter der Be 
völkerung entstanden, daß man sich allenthalben bewaffnet hat 
um sich gegen die Türken zur Wehre zu stellen, falls sie auf 
einem anderen Punkt eindringen sollten. Nicht minder unan- 
genehm hat eö die slavische Bevölkerung Dalmatiens berührt, 
daß die Türken unlängst von ihren Schiffen, die sich in öfter- 
reichischem Gewässer befanden, also von österreichischem Gebiet 
aus, auf die Insurgenten schössen uno in die Schlacht eingrif« 
fen. Ohne Zweifel würden solche Verletzungen österreichischen 
Gebietes zu energischen Reklamationen österreichischerjeits füh 
ren, wenn nicht gerade in demselben Moment in Konstantino- 
pel von Seite Oesterreichs alleö angewendet würde um den 
Frieden zu erhalten. Wie man nun erfährt, wird österreichi- 
scherseitS wegen dieser Grenzverletzung wohl reklamm werden, 
aber diesen Reklamationen nicht jene Bedeutung gegeben, wie 
es sonst unter anderen Umständen der Fall gewesen wäre. 
Verschiedenes. 
* Bei gegenwärtig eintretender milderer Witterung wäre 
eS sehr am Platze, mit der Vertilgung der zahlreichen Rau- 
pennester auf unseren Obstbäumen zu beginnen. Soll aber 
diese Arbeit nicht nur halb gethan sein, so dürften die Nester 
und die etwa mit abgebrochenen Zweige nicht auf dem Boden 
liegen bleiben, sondern sollen verbrannt oder in Gülle geworfen 
und untergetaucht werden, sonst kommen die Raupen bei zu- 
nehmender .Wärme zum Auskriechen und finden ihren Weg 
wieder auf die Bäume. Der Feuertod list für sie das sicherste 
VertilgungSmittel. 
Landwirthschaftliches. (Der Mais als Futter für 
unsere HauSthiere.) Der MaiS ist ein gesundes und wahr- 
hafteS Kraftfutter, mit welchem unsere Fachgenossen in der 
Schweiz, in Oesterreich, Italien, Ungarn :c. ihre sämmtlichen 
HauSthiere füttern unb woraus auch die dortigen Frauen die 
wohlschmeckendsten Gerichte zu bereiten verstehen. Auch in 
Amerika ist sein Gebrauch zu denselben Zwecken allgemein ver- 
breitet. Der MaiS ist an und für sich die an EiweiSstoffen 
oder Blutbildnern ärmste, aber an Fett und Stärkemehl reichste 
Körnerfrucht, so daß das Verhältniß der erstem zu den letztern 
oder Respirationsstoffen wie 1:3 ist. In Folge dessen eignet 
er sich allein verfüttert weniges für junge, noch in vollen 
WachSthum befindliche und auch nicht für stark arbeitende 
Thiere, wohl aber für solche Thiere, die fett gemacht werden 
sollen. Setzt man jedoch stickstofjreiche Futterstoffe hinzu, wie 
z. B. Erbsen, Wicken, Bohnen oder auch Oelkuchen, Bier- 
treber und Malzkeime, so ist er auch für Jungvieh, Milchkühe 
und Arbeitsochsen, sowie auch für. Pferde im Gemisch mit 
Hafer ein beachtenSwerther Ersatz für die sonst gebräuchlichen 
Körnerfrüchte. Sein Preis darf jedoch kein zu hoher fein. 
Wenn 100 Pfund Hafer, den man am ehesten mit ihm ver 
gleichen kann, da derselbe fast eben so viel Fett enthält als 
der Mais, 4 Gulden kosten, so ist der Mais mit 4—5 Gul 
den nicht zu hoch bezahlt, denn 92 Pfund MaiS haben den- 
selben Nähreffekt wie 96 Pfund Hafer, vorausgesetzt, daß der 
letztere von normaler, guter Beschaffenheit ist. Der MaiS in 
Form von ganzen Körnern wird von unfern HauSthieren nicht 
vollständig verdaut: er muß entweder geschroten, oder doch ge- 
quellt und für Pferde noch mit Zusatz von Häcksel verabfolgt 
werden. Die Londoner OmnibuSpferde sollen zwei Drittel 
ihrer Ration in Mais und nur ein Drittel in Hafer bekom- 
men und sich dabei sehr wohl befinden. Für leichte, flotte 
Reit- und Wagenpferde aber soll man auf ein Drittel her- 
untergehen. 
Für Rindvieh ist der MaiS ein sehr guteS Kraftfutter; 
man gibt j'hn am besten geschroten und mit heißem Wasser 
angebrüht in Form einer Suppe, der man außerdem noch 
Kleie oder Malzkeime zusetzen kann, in welcher Form dieselbe 
für Milch- und Mastvieh ein sehr wirksames Futter ist. In 
der Zuckerfabrik in Stuttgart wurde ein vergleichender Versuch 
mit Mais und Dinkel (Spelz) bei Mastochsen gemacht, der 
sehr zu Gunsten des Mais ausfiel, indem derselbe eine Zu- 
nähme per Stück und Tag von 2> 16 Pfund bewirkte, wäh- 
rend beim Dinkel nur 1,24 Pfund Zuwachs beobachtet 
wurden. 
Für Schafe wird empfohlen, den MaiS 24 Stunden lang 
in Salzwasser einzuquellen und die so behandelten Körner 
dann mit zerkleinerten Rüben oder ähnlichen Futterstoffen im 
Gemenge zu reichen. Auch für Geflügel ist er gröblich zer- 
kleinert ein sehr beliebtes und wirksames Futter. 
* London, 11. Febr. (Unglücksfalle zur See.) Die 
Dampfer „Dunluce Castle" und „Fitzmaurice" (von Glasgow) 
fuhren unfern des Leuchtschiffes von Corton (Suffolk) an ei- 
nander, und der „Dunluce Castle" sank in Folge des Zusam 
menstoßes. Von der Mannschaft kam niemand zu Schaven. 
— Das Auswandererschiff „Loch Laggan", welches am 1. 
Oktober von Liverpool nach Melbourne abging, ist nicht an 
feinem Bestimmungsort angekommen und wahrscheinlich mit 
der ganzen Mannschaft (40 Köpfe) zu Grunde gegangen. 
Etwa 90 Passagiere die auf dem „Loch Laggan" befördert wer- 
den sollten, mußten glücklicherweise in Folge irgendeines Um- 
standeS die Fahrt nach Melbourne auf einem anderen Schiff 
antreten. — Das englische Kriegsschiff „Arab" ist an der Ost- 
küste von Afrika unfern Sansibar aufgefahren und nicht uner- 
heblich beschädigt worden. Nach vorläufiger Ausbesserung der 
Schäden trat der Arab die Fahrt nach Bombay an, um boxt 
gedockt zu werden. 
* Paris, 11. Febr. Zu dem Grubenunglück bei Saint- 
Menne wird telegrafisch gemeldet: Die Ausgrabungen in der 
Grube Jabin haben wieder begonnen. Alle umliegenden Berg- 
werke haben zu diesem Behufe HülfSmannschasten gestellt, da 
dieselben Arbeiter es nicht über 6 Stunden in dem Schacht 
aushalten. ^ Viele Leichname werden stückweise herausgeholt 
und in Säcken hinaufbefördert. Auf die nämliche Weise sind 
60 Pferdeäser auS dem Wege geschafft wsrden. Bis jetzt ha* 
man im ganzen 169 von den Verschütteten aufgefunden; den 
meisten waren die Kleider auf dem Leibe verbrannt und viele 
bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Nach den Grubenlichtern, die 
am Tage des Unglücks verabfolgt wurden, zu Mtheilen, beträgt 
die Zahl der Opfer 216; nach anderen Zählungen würden 
240 Bergleute verschwunden sein. Die Gallerten wo Feuer 
ausgebrochen ist, sind noch immer durch Lehmwände abgesperrt 
* Ein undankbares Geschäft. Ein französisches Blatt hat 
sich die Mühe gegeben, auszurechnen, daß die Weltgeschichte 
2540 Monarchen aufzuweisen habe, die über 64 Völker re- 
giert haben. Von diesen 3540 Monarchen würden 299 vom 
Throne verjagt, 64 dankten ab, 20 mordeten sich selbst, i t 
wurden wahnsinnig, 100 starben im Kriege, 123 wurden
        

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