Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/20/
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Ket, ist die Militärpflicht, in Folge welcher die qrmcn Arbeiter- 
familien ihres zum Militärdienst auSgebobenen ErnäKrerS be- 
raubt und in Armuth, Elend und Noch über alle Beschreibung 
gestürzt werden. 
Die Schweiz exportirte im I. 1874 nach den Ver. Staa 
ten Produkte zum Werthbetrage von 10^ Mill. Doll., dar- 
unter nahmen Uhren und Seidenfabrikate die erste Stelle ein. 
Die Uhrenfabrikate belaufen sich in der Schweiz jährlich auf 
17^ Mill. Doll.; in diesem Uhrengeschäfte sind 28,000 Per 
sonen beschäftigt: Der Arbeitslohn beträgt per Woche für Uhr- 
macher und Juweliere 5% bis 8 Doll., Schmiede 5 bis 6 
Doli., Sattler 3 bis 4 Doll., Bäcker 2% M 3 Doll, Schnei 
der und Schuhmacher 4 bis 5 Doll., Zimmerleute u. Maurer 
5 bis 6 Doll u. s. w. Die HauSrente beträgt wöchentlich für 
den Arbeiter 70 Cents und der Lebensunterhalt 2 bis 3 Doll 
In den Seiden Manufakturen erntet eine Familie von Mann, 
Frau und 4 Kindern als Weber wöchentlich 8 Doll. 70 Cts, 
und verbraucht an Lebensunterhalt 5 Doll., sowie 2 bis 3 
Doli an Rente, Heizung und Kleidung per Woche. Die 
Ackerbau-Arbeiter erhallen einen Tagelobn von 30 bis 45 
Cts. nebst Kost; in den Seidenbänder-Facloreien beträgt der 
Wochenlohn 2 bis 7 Doll. Die Kleidung eineS Arbeiters 
kostet jährlich 14V 2 Doll. Der Ackerbau ist wegen der ge- 
birgigen Gegend äußerst schwierig und wenig ergiebig, trotzdem 
daß große Sorgsalt auf die Cultur verwendet wird. Die 
Schweiz ist die Hauptstatte der internationalen Arbeiter-Afso- 
ciation, welche durch Arbeitsbweaux, Clubs und Arbeiterban- 
ken bedeutende Resultate zum Besten der Arbeiter erzielt hat. 
ES herrscht gesetzlich der UntemchlSzwang uno das Freifchul- 
system,-so daß alle Arbetterclaffen gut geschult sinv; außerdem 
gibt eS zahlreiche Industrieschulen, in denen freier Untemcht 
in den technischen Gewerbszweigen ertheilt wird. Die Folge 
davon ist, daß Bibliotheken in mehreren Orten für Arbeiter 
eingerichtet sind, z B. in Genf 43 Bibliotheken mit 39,000 
Bänden, in Luzern 41 Bibliotheken; nützliche Vortrage wer- 
den in den ArbeiterclubS gehalten; es henscht unter den Ar 
beiterclassen Mäßigkeit, Ordnung und Bildung trieb. Nur das 
weibliche Arbeitergeschlecht steht noch auf einer degradirten 
Stufe, indem diesem die schwierigen, gemeinsten und niedrigsten 
Handarbeiten in HauS und Feld zugewiesen sind. 
Belgien exportirte im Jahre 1873 nach den Ver. Staaten 
Produkte zum Werthe von 5*/ 2 Mill Doll, worunter GlaS- 
waaren den Haupttheil bilden. Die Löhne sind im allgemeinen 
äußerst niedrig, und zwar niedriger als in den vorgenannten 
Staaten. Schuhmacher, Schnetder, Maurer, Zimmerleute, 
Schmiedes Ackerbauarbe»ter u. s. w ernten jährlich mit Frau 
und Kindern 128 bis 400 Doll., welche Summe dürftig die 
Kosten des gesammten Lebensunterhalts decken muß. In Brüs- 
sel ist daS Einkommen einer Familie von 6 Kindern auf 238 
Dollars jährlich berechnet, welche Summe kaum hinreicht die 
nothwendigsten Ausgaben zu decken. Der Acker- und Garten- 
bau steht auf einer hohen Stufe; ebenso sind die Eisengieße- 
reien u. Glasfabriken von der größten Bedeutung; die Löhne 
in diesen Eisen- und Glasfabriken steigen von 90 Cents bis 
zu Doll. per Tag. Die Preise für Lebensmittel und für 
Rente sind gering. Die Kost ist meistentheils Suppe u. Brod. 
Lelder qber herrscht unter den Arbeitern die Gewohnheit deS 
unmäßigen Rum-Trinkens vor, der dort sehr billig ist. Mit 
diesem Laster gehen Unwissenheit, Aberglaube, Mangel an 
Schulen Hand in Hand; der Arbeiter steht geistig auf einer 
tiefen Stufe; der Grund mag in der Herrschaft der katholi- 
schen Kirche wohl hauptsächlich zu finden sein Die zahlrei- 
chen Rübenzuckerfabriken haben sich als eine große Wohlthat 
für die Hebung deS Ackerbaues und für gesteigerte Löhne der 
Keldarbeiter erwiesen. An allgemeinen Wohlthätigkeitsanstalten 
für Arbeiter ist ein großer Mangel. 
(Schluß folgt.) 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Gchädle^ 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Gänzlicher 
AUSVERKAUF 1 . 
Wegen Zurücklegung deS Geschäftes eröffne ich vom 
5. November an Behufs vollständiger Räumung meines 
Tuch- u«»d SchnittwaarenlagerS einen 
Ausverkauf zu herabgesetzten Preisen. 
Indem ich dieses hiemit zur allgemeinen Kenntniß bringe, 
beehre ich mich, an das ?. 7. hochgeehrte Publikum in Stadt 
und Land die ergebene Einladung zu recht zahlreichem Zuspruch 
zu richten, mit dem Bemerken, daß eS sich hiebei nicht um 
einen gewöhnlichen Ausverkauf einzelner ungangbarer oder 
schadhaft gewordener Artikel, sondern vielmehr um gänzliche 
Räumung eineS kurrenten Waarenlagers handelt. 
Feldkirch, am 1. November 1875. 
Paul Deisbötk. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 28. Jänner. 
Der halbe Metzen 
j hefte 
mittlere 
geringe 

fl. 
fr. 1 
UJ 
'fr-'! 
fl. 
kr. 
Korn 
3 
40 
3 
15 
3 
05 
J Roggen .... 
2 
80 
2 
60 
2 
50 
J Gerste 
1 2 
70 
2 
50 
2 
30 
| Türken . . . . 
2 
80 
2 
50 
2 
20 
! Hafer 
i 
70 
1 
60 
1 
50 
Thermometerstand «ach Reaumur in Bad«z. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung 
Jänner 26 
— -3V 4 
- 1% 
— 2V 2 
trüb; Nebel 
. 27. 
- 6 
- 1 
- 2% 
halb hell 
. 28. 
— 4 
- iVt 
- 2% 
trüb; Nebel 
. 29 
- 4 V 4 
- 2% 
- 2> 
» M 
. 30. 
— 4'/ 2 
™ 2'/ 4 
— 3 
W „ 
. 31. 
~ 5V 4 
- 2% 
— 3% 
H „ 
Februar 1. 
- 5 
- 2'/2 
— 4 
u ir 
Telegrafischer Kursbericht von Wie«. 
1. Febr. Silbers . . . 10420 
20-Frankenstücke 9.18 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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