Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/2/
dem Interesse deS Landes nur gedient werden kann. Ueber 
die Vorgänge im Ausland wird die .L. Wochenzeitung" wie 
bisher in Kürze die wichtigeren Borkommnisse mittheilen. 
Der Zweck und Charakter des Blattes wird auch künf 
tighin mit Recht eine rege Theilnahme erwarten lassen. 
Vaduz, 4. Jänner 1876 
Die Redaktion. 
Vaterländisches. 
(m) Bilder auS der vaterländische« Geschichte. 
63. Die Fürsten von Liechtenstein. 
(Fortsetzung.) 
Kurz nach der Huldigung in Vaduz starb Fürst I. A. 
AndreaS d. 16. Juni 1712. Er hinterließ keine LeibeSerben 
und die Herrschaften Vaduz und Schellenberg kamen daher 
durch testamentarische Verfügung an den Fürsten Joseph Wen« 
zel, der einer liechtensteinischen Seitenlinie angehörte, während 
die übrigen MajoratSstiftungen Fürst Anton Florian erbte 
Joseph Wenzel war noch minderjährig und eS wurde daher 
eine vormundschaftliche Regierung eingesetzt. Dieselbe führte 
ein ziemlich scharfes Regiment, so daß die Landschaften sich 
freuten, als 1718 Joseph Wenzel durch kaiserliches Reskript 
volljährig erklärt wurde. Landammänner und Gerichtsleute 
wurden für den neuen Herrn in Eid und Pflicht genommen 
Derselbe fand jedoch in Uebereinstimmung mit den übrige!» 
Gliedern der fürstlichen Familie, daß es für den Glanz und 
daS Ansehen des HauseS zuträglicher sei, wenn die beiden Herr- 
schaften und damit Sitz und Stimme auf den Kreis- und 
Reichstagen mit der MajoratSlinie verbunden würden. Jo- 
seph Wenzel trat daher die Herrschasten an Anton Florian ge- 
gen die Herrschaft Rumburg ab und Kaiser Karl VI. bestätigte 
den Tausch. Am 5 September 1718 wurde dem neuen Herrn 
unter großer Feierlichkeit gehuldigt. Für diesen Akt war von 
Seite deS Fürsten Joseph Wenzel, Landvogt Joseph Grenzing 
v Straßberg und von Seite Anton Florians der fürstl. Hof- 
rath Stephan Christoph Harprecht bevollmächtigt worden. In 
der Kapelle St Florian in Vaduz wurde vorerst feierlicher 
Gottesdienst gehalten. Ein Kapuziner von MelS hielt die 
Predigt und Abt Milo von St. Luzi das Hochamt. Nach 
Beendigung desselben bewegte stch der Zug nach dem Schlösse, 
w» stch bereits Gäste aus Graubünden, Werdenberg und ^eld- 
kirch eingefunden hatten. Voran zog die Schloßfahne, darauf 
die Landfahnen von Vaduz und Schellenberg mit klin 
gendem Spiel. Der Milizmannschaft schloß sich das Volk an 
Bor dem Schloße auf der Quadretjch, wo eine Tribüne er- 
richtet war machte man Halt. DaS Geschütz aus dem Schloße 
salutirte. Inzwischen hatten stch die beiden fürstlichen Bevoll» 
^nächtigten, die Landammänner und Gerichtsleute inp großen 
Saale deS Schlosses versammelt. Da übergaben die Haupt- 
leute die bisherigen Fahnen und erhielten dafür andere mit 
dem Wappen und den Farben der neuen Herrschaft. AlS ste 
mit klingendem Spiel zu ihrer Mannschaft zurückkehrten, wur- 
den ste mit einer Salve aus dem kleinen Gewehr empfangen 
und daS grobe Geschütz auS dem Schlosse erwiederte Nach« 
dem im Schlosse die feierliche Uebergabe des Archivs, der 
Schlüssel u. f. w. stattgefunden, bewegte stch aus dem Schlosse 
der Zug auf den Platz, wo das Volk versammelt war: voran 
die beiden Landwaibel von Vaduz und Schellenberg in ihrer 
AmtStracht, die Landammänner und Gerichtsleute in ihren 
Mänteln, die Geistlichkeit, der Landvogt mit dem Landschreiber, 
der fürstl. Kommissär Harprecht und der kaiserliche Notar. 
Landvogt Grenzing v. Straßberg gab nun dem Volke Kennt- 
fliß von dem Tausche und verzichtete im Namen des Fürsten 
Joseph Wenzel auf die Herrschaftsrechte Sodann sprach er 
die Hoffnung auS, daß die Leute die neue Herrschaft gerne 
anerkennen würden, welche ihnen nicht nur ihre alten wohlbe- 
rechtigten Privilegien bestätigen, sondern diejenige Wohlfahrt 
herstellen werde, nach der sie so lange Zeit geseufzt. Darauf 
verlas Harprecht seine vom Fürsten Anton Florian erhaltene 
Vollmacht und sprach sodann: 
„Die Reichsherrschaften Vaduz und Schellenberg seien zu 
einem Primogeniturstammgut deS hochfürstlichen HauseS Liechten 
stein gemacht worden und würden vpli nun an nicht mehr von 
demselben getrennt werden. Der neue Landesherr werde die- 
selben nach äußerstem Vermögen schützen und schirmen, ste bei 
ihren alten, wohtherqebrachten guten Sitten, Gewohnheiten, 
Rechten und Gerechtigkeiten, Urbarien und anderen Freiheiten 
erhalten. Dagegen hätten ste ihm Treue und Gehorsam zu 
geloben und die Huldigung zu leisten." 
Altlandammann Hopp begnügte stch jedoch mit dieser Ver- 
stcherung nicht, sondern wollte auch Garantien, daß die einge- 
schlichenen Neuerungen, soweit sie den Rechten der Landschaften 
Eintrag thun, abgeschafft würden. 
Auf nochmalige Zusicherung HarprechtS, daß die erweisli 
chen und hergebrachten Rechte vom neuen Fürsten geschützt 
und beachtet werden sollen, wurde die Huldigung wirklich ge- 
leistet. Darauf wünschte Harprecht den Gerichten und Ge- 
meinden Olück zur neuen Landesherrschaft und alles Wohl 
ergehen : „daß sie unter dem Regiment des durchlauchtigen 
Hauses Liechtenstein unverrückt bis ans Ende der Welt erhal- 
len und wegen allen diesen Landschaften innerhalb 50 Jahren 
zugestoßenen Regimentsveränderungen und derentwegen erlitte« 
nen Drangsalen reichlich mögen getröstet werden." Nach die- 
ser Rede bewegte sich der Zug in das Schloß zurück, wo für 
die Beamten, die fremden Gäste, die Geistlichkeit, die Land- 
ammänner, Gerichtsleute und Landesoffiziere eine Mahlzeit be- 
reit war. 
Ausland. 
Deutfchlaud. l(Die Resultate der neuesten 
Volkszählung), welche am 1. Dezember vorgenommen 
wurde, liegen zwar erst teilweise vor, jedoch gestatten ste 
in Bezug aus die Bewegung der Bevölkerung einen sichern 
Schluß und geben zu interessanten vergleichungen mit den 
Ergebnissen der Volkszählung feit den ersten Jahrzehnten deS 
Jahrhunderts, seit der Beendigung der Freiheitskriege, Veran- 
lassung. 
DaS Deutsche Reich zählt jetzt nach den amtlichen Mit- 
theilungen deS deutschen ReichS-An^eigerS 32 Städte von 
über 50,000 Einwohnern mit einer Gesanumbevölke- 
rung von 4,400,000 Einwohnern in runder Summe; da- 
von fallen auf !3 Städte über i 00,000 Einwohner (Berlin 
mit Umgebung eine Million, Hamburg-Altona 350,000 Ern< 
wohner. Breslau 240,000, Dresden l96,000, München 
190,000, Elberfeld-Barmen 160,000, Köln 131,000, Han- 
nover 129,000, Leipzig 126,000, Magdeburg 120,000, 
Königsberg 119.000, Stuttgart 107.000 und Frankfurt a. 
M. 103,000 Einwohner, zusammen drei Millionen); auf die 
übrigen 19 Städte über 50,000 Einwohner, als Danzig, Stet- 
tin, Bremen, Straßburg, Nürnberg, Aachen, Düsseldorf, 
Crefeld, Chemnitz, Halle, Kassel, Braunschweig, Pos>n, 
Mülhausen, Metz, Mainz, Augsburg, Essen, Dortmund: 
1,400,000 Einwohner. Die Oesammtsumme der Bevölkerung 
der 32 Städte üder 50,000 Einwohner beträgt somit mehr 
als den zehnten Theil der Gesammtbevölkerung deS Reiches. 
Geht man 60 Jahre zurück, wo Deutschland nur eine Stadt 
mit etwa 200.000 Einwohnern (Berlin), eine mit 80,000 und 
zwei mit 50,000 (Breslau und Königsberg) hatte, so erhält 
man noch nicht einmal die Ziffer von 500,000, so daß da« 
malS die Hauptstadt Frankreichs mit einer Million eine grö- 
ß-re Bevölkerung aufzuweisen hatte, als diejenige deutscher 
Städte über 50,000 Einwohner zusammengenommen. Heute 
.kommt die Bevölkerung der letzteren derjenigen der französischen 
Städte über 50,000 Einwohner ziemlich gleich. Frankreich
        

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