Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/185/
Liechtensteinische 
Vierter Jahrgang. 
Vaduz, Freitag 
Nr. 47. 
den 24. November 1876 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fi. famm 
Postversendung und Zustellung in'S HauS. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig S fi. 50 kr., halbjährig l fl. «s kr.; für da 
übrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig i fl. 10 kr. ohne Postverfendung. — Man abonnirt für das Zn- und Ausland bei de 
Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — EinrückungSgebühr für die zgefpaltene Zeile v kr. —Briefe und Gelde 
«erden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Irländisches. 
Vaduz, hgiftfti abgehaltene Earganser 
imm«r einer der größten in weiter 
Umgegend, war trotz der wjvwlichen Witterung stark mit Vieh 
besetzt; eS mögen gegen 2500 Stück aufgestellt gewesen lein. 
Der Kauf ging in allerlei Waare, geringerer und besserer 
Qualität, sehr lebhast, wobei sich besonders die welschen Händ- 
ler beteiligten, die sich gewöhnlich nicht wählerisch zeigen und 
immer gerne gesehen werden. Die Preise standen entschieden 
höher als an den vorangegangenen hiesigen und andern Märk» 
ten des Bezirks; sie befriedigten Manche sogar besser, als die- 
jenigen deS BorjahrS und können als gute Mittelpreise bezeich- 
net werden. Wenn diese Preise noch einige Zeit sich halten, so 
haben sich die Viehbesiüer nicht zu beklagen (Tagbl.) 
Triefen, 22. Nov. (Eingesendet) In Anbetracht, daß in 
unserm Ländchen schon seit vielen Iahren an der Verschöne- 
rung und Verbesserung deS ViehstandeS gearbeitet wird und 
für diesen Zweck von jeder Gemeinde schon viel geopfert wurde, 
kommt eS unS hier in Triefen eigenthümlich vor, daß in un- 
serer Gemeinde Zuchtstiere stehen, die von keiner Kommission 
angenommen sind. Dieselben sind für den ZüchtungSzweck so 
wenig geeignet, daß wir für unfern Biehstand Schaden hatten, 
wenn sie auch angenommen würden. 
Feldlirch, 20 Nov. (Wahl des Gemeinde-Vor- 
standeS) In öffentlicher Sitzung des Gemeinde-Ausschusses 
wurde heute unter dem Vorsitze des Alterspräsidenten Herrn 
Karl Ganahl die Wahl veS Bürgermeisters lind der 4 Ma- 
gistratSräthe vorgenommen. Zum Bürgermeister wurde mit 23 
von 24 Stimmen gewählt der bisherige Bürgermeister Herr 
v. Tschavoll. Für daS ihm entgegengebrachte Vertrauen dan- 
kend, erklärte er unter Beifall, der Versammlung die Wahl an- 
zunehmen, und betonte, daß er so weit eS in seinen Kräften 
stehe, daS Jntensse seiner Vaterstadt wahren und fördern werde, 
dazu bedürfe er aber der kräftigen Unterstützung der Gemeinde- 
Vertretung, auf die er sicher rechne; dann könne man hoff- 
nungsvoll der nächsten AmtSperiode entgegen gehen. 
Als MagistratSrathe wurden gewählt die Herren: Josef 
Waibl mit 23 Stimn.en, Dr. Beck mit 22, Johann Längle 
mit 21 und Johann Rederer mit 20; da Herr Längle auS 
gesetzlichen Gründen die Annahme der Wahl ablehnte, so wurde 
eine Neuwahl vorgenommen, bei welcher Herr Leopold v. Für- 
tenbach aus der Urne hervorging. Herr v. Furtenbach wollte 
ebenfalls ablehnen, doch wurden seine AblehnungSgründe von 
der Versammlung fast mit Einhelligkeit verworfen, er erscheint 
also zum Magistratsrath erwählt. Sofort nach vollzogener 
Wahl wurde dem neugewählten Gemeindevorstande vom Herrn 
Bezirkshauptmann Neuner das feierliche Gelöbniß abgenommen. 
(Feldk. Ztg.) 
Ausland. 
Deutschland. An die jüngsten Worte deS russischen Kai- 
ferS: „Wünschen wir dem Oberstkommandirenden den besten 
Erfolg" anknüpfend, wahrt die „Kölnische Zeitung" den deut- 
schen Standpunkt in passender '^'eise. Dieselbe schreibt: 
„Wer kriegerische Erfolge wünscht, muß auch den Krieg 
wünschen, und so ist eS gewiß eine eigenthümliche Weise, auf 
welche der Kaiser von Rußland seine vielgerühmte Friedensliebe 
kundgegeben hat. Nehmen wir hinzu, daß der Kaiser in MoS- 
kau schon erklärt hat: er werde, wenn er auch seinen Ge- 
sandten an der Conferenz teilnehmen lasse, doch nötigenfalls 
selbständig vorgehen, um sich von der Türkei die nöthigen Ga- 
rantien für die Verbesserung der Lage der Christen zu verschaf- 
fen, so bildet daS alles ein Verfahren, wie eS feit den Zeiten 
Napoleons I. in Europa nicht vorgekommen ist. Man könnte 
glauben, seine Prophezeiung von der kosakischen Zukunft Eu- 
ropaS sei schon in Erfüllung gegangen. Rußland kehrt zurück 
zu der Forderung einer Besetzung türkischer Provinzen, die eS 
schon vor einem Jahr unterderhand betrieb, so daß die vielbe 
sprochenen bulgarischen Gräuel unmöglich zur AuSrede für feine 
längst vorher gefaßten Pläne dienen können. Oesterreich h^t 
die Aufforderung zu einer gemeinschaftlichen Occupatio» wie- 
Verholt zurückgewiesen, und England den Gedanken ebenfalls 
als vertragswidrig abgelehnt, während die Türkei ihn mit Ent- 
rüstung alS gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung zurück- 
weiöt. Aber Rußland geht über solche Widersprüche einfach 
hinweg, und das gewaltige „Dem sei also!" deS russischen 
Selbstherrschers soll schon für ganz Europa gelten. Und wir? 
Ist renn überhaupt von uns noch die Rede? Was für solche stolze 
Worte haben wir ehedem gemacht von dem Einfluß den das 
geeinigte Deutschland ausüben sollte! Noch ehe es ein Deutsches 
Reich gab, hörten wir auS dem Munde Friedrich Wilhelms 
IV. daß Oesterreich und Preußen, mit einander verbündet, statt 
genug waren den Frieden der Welt unblutig zu erzwingen. 
Und unser vortrefflicher Moltke erklärte: DaS Deutsche Reich 
sei machtig genug nicht bloß den Frieden für sich selbst zu be- 
wahren, sondern ihn auch der übrigen Welt aufzuerlegen. Wir 
wissen freilich nicht waS Deutschland im stillen thut um den 
Frieden der Welt zu erhalten; aber eS scheint nicht daß seine 
Bemühungen bis jetzt von guten Erfolgen begleitet gewesen 
sind. Man versichert unS zwar noch jetzt: daS Drei-Kaifer- 
Bündniß bestehe unerschüttert fort, die Konferenz werde zu 
Stande kommen und sei nicht aussichtslos. Wenn Rußland 
zum Krieg rüste, so wolle eS der Türkei nur Ernst zeigen um 
sie zur Nachgiebigkeit zu bewegen. Auch der engl sche erste 
Minister soll nur deshalb eine kriegerische Sprache geführt und 
von einem zweiten und dritten Feldzug gesprochen haben zu 
dem England (und Rußland nicht!) die Mittel besitze um Eng-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.