Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/176/
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sollen täglich einen Vorrath von 30,000 Fässern zu Tage för- 
dern und die Eisenbahnen an der großen Ergiebigkeit derselben 
sehr umfangreichen Antheil genommen haben, indem ste sich 
den Transport in exorbitanter Weise bezahlen ließen. Die 
praktische Durchführbarkeit deS Planes ist festgestellt durch die 
Werke, welche auf einer Strecke von 250 Meilen schon seit 
einiger Zeit in Tätigkeit resp. im Gebrauch find. Baltimore 
ist die erste Stadt mit welcher dieses neue Verkehrsmittel in 
Verbindung gebracht und in der es eröffnet ist. DaS Oel wirb 
unter einem Druck von 900 Pfd. pro Quadrat-Zoll durch den 
Röhren- Eanal geführt, und in Zwischenräumen von je 15 
Meilen sind Pumpwerke von 100 Pferdekraft angebracht, die 
das L»el in Fluß bringen nnd weiter leiten. In Baltimore 
wird derOelfluß aus dem Röhrenwerk in ungeheure Reservoirs 
geleitet, die wiederum mit den RemigungS- oder Raffinerie- 
EtabliffementS in Verbindung stehen. Der ganze Eanal nebst 
Zubehör wird, wie man ausgerechnet hat 1 */ 4 Million Dollars 
kosten. Sobald er 
man nicht zweifelt, 
ich genügend bewährt haben wird, woran 
ollen auch Linien nach Philadelphia, New- 
Kork und anderen Plätzen eingerichtet werden. 
* Ein Feind des Kohlweißlings. Gegenwärtig findet man 
überall in der Nähe der Gärten und Gemüseländer an Pfüh- 
len, Wänden, Decken, Mauern u. s. f. kleine Häufchen schwe- 
felgelber Püppchen, hart anzufühlen, meist mit einem weißlichen 
Flaum umsponnen und jedes einzelne von der Größe eines 
WaldameiseneieS. Gar mancher Landwirth und manche Gemüse- 
bäuerin vertilgt dieselben so schnell ste kann; denn ste sagen, daß 
stch dieselben meist da befinden, wo die Raupe deS Kohlweiß- 
lingS (Pelouse genannt), nachdem ste stch großgefreffen und das 
Kohlfeld übel zugerichtet, zur Berpuppung stch dingeflüchtet 
hat und thun dies in der Meinung, es seien solches deren 
Eier. 
Dem ist aber nicht also! In diesen schwefelgelben Tönt!« 
chen schlummert ein heftiger Feind deS Kohlweißlings, die 
EchlupsweSpe (Microgaster gloraeratus). Diese Schlupfwespe 
fliegt gerade in derselben Zeit, in welcher die Kohlweißlings, 
raupe den größten Schaden angerichtet, sticht dieselben an und 
legt in ihren Körper 20 bis 50 winzige Tierchen, die stch 
schnell zu weißen Maden entwickeln. Kaum angestochen, flieht 
die Raupe eiligst an Wänden, Pfählen tc. hinauf, als wollte 
ste fich verpuppen; denn in ihrem Innern regen fich fressend 
die kleinen Maden der Schlupfwespe, bohren fich hervor und 
verpuppen fich anklebend unter der bald davon absterbenden 
Raupe in obgenannten schwefelgelben Tönnchen. 
Schont daher dieselben; denn wohl 50"/o der diesen Som- 
mer vorhandenen Pelousen waren von der SchlupfweSpe an- 
gestochen und haben dabei vor der Berpuppung ihr Leben eingebüßt, 
so daß die SchlupfweSpe für'S nächste Jahr Millionen deS 
schädlichen Kohlweißlings vertilgt hat. 
Wir erblicken somit in der SchlupfweSpe, die in diesen gel- 
ben Tönnchen überwintert, um im nächste« Frühling die Zagd 
aufS Reue fortzusetzen, ein so nützliches Insekt, daß ohne die- 
selben der Kohlbau unmöglich wäre. Roch einmal, schont die- 
selben I F. A. 
* Rew-Nork, 27. Sept. Ueber die Sprengung des 
Felsenriffs im sog. Höllenthor, d. h. in der schmalen Durch- 
sahrt welche das Oftufer des Rew-Norker Hafens mit dem 
Long Island Sund verbindet, liegen jetzt ausführliche Berichte 
vor. Die Explosion der betreffenden Mine ging am Sonntag 
24. September zur vollen Befriedigung deS mit diesem Unter- 
nehmen beauftragten Ingenieurs von statten. Je lebhafter die 
Rew-Norker Journale die Gefahren schilderten die eine so ge- 
waltige Dynamit-Explofion für die Rachbarschast haben mußte, 
desto mehr war man überrascht durch dieselbe nichts beschädigt 
zu sehen alS das zu beseitigende Riff. Schon vor 20 Jahren 
machte man fich daran die Felsenstücke welche jene Durchfahrt 
zu einer so gefährlichen machten zu sprengen. Die starke Strö- 
mung vereitelte aber das Beginnen, bis General Newton im 
Jahre 1863 das jetzt vollendete SprengungSwerk anbahnte. 
ES wurden unter dem Riff Tunnel gegraben in der Form der 
Speichen eines Rades, und diese Tunnel wurden durch Gal- 
lerien oder Quertunnel mit einander verbunden. Diese Tunnel 
umfaßten etwa 7600 Fuß ünd wurden durch 172 Felsensäuleu 
getragen. In letztere und die Tunnelwände waren zahlreiche 
Löcher gebohrt, um die Dynamitladung aufzunehmen, und daS 
Ganze wurde durch Elektrizität gleichzeitig zur Explosion ge- 
bracht. Als Sprengmaterial wurden verwendet 28.90t Pfund 
Dynamit 9061% Pfund Felsenfprengmaterial 14,244 Pfund 
Sprengpulver und ein Aggregat von 52.206% Pfund Ritro- 
Glyzerin-Präparate. 100.000 Kuß Telegrafendrath wurden ver- 
braucht um das Sprengmaterial mit einander in Verbindung 
zu setzen, weitere 120,000 Fuß um die Batterien d?r Mine 
von entsprechender Entfernung aus in Brand zu setzen. ES 
waren 12 Batterien mit etwa 960 Zellen, die daS Spreng- 
Material enthielten. Einige Kanonenschüsse machten auf daS 
bevorstehende Ereigniß aufmerksam. Dieses selbst nahm nicht 
mehr alS 3—4 Sekunden in Anspruch. Die Trümmer waren 
bald hinweggespült, doch dauerte eS einige Zeit bis der Ber- 
kehr wieder seinen gewöhnlichen Lauf nahm. WaS nun 
noch erübrigt, ist die Beseitigung der gesprengten FelSstücke und 
die entsprechende Vertiefung deS Bettes der Durchfahrt. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler. 
Komchreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 27. Okt. 
Der halbe Metzen 
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Morgens 
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Mittags 
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Telegrafischer Kursbericht po* Wie«. 
2. November Silber 104.50 
20-Frankenstücke . lt.. . . 9.95 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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