Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/172/
172 
, Verschiedenes. 
■* Amerika. New-Nork. Die Verteuerung deS Petro^ 
leumS hat in den letzten Tagen noch nie dagewesene Dimen- 
sionen erreicht. In raschem Sprunge, unter den fieberhaftesten 
Erscheinungen, sind die Petroleumpreise von 13 auf 26 CtS., 
per Gallone gestiegen und in demselben Verhältnisse hat sich 
die Hausse der europäischen Plätze bemächtigt, mußte aber hier 
einen noch schärferen Ausdruck finden, da die alten Bestände 
stark zusammengerückt find und die schwimmenden Ladungen 
eine beträchtliche Abnahme aufweisen. Seit vier Jahren schon 
{jährt eS unter den Produzenten der Oelregionen Pennsylva- 
nienS, die wegen der ungewöhnlich herabgedrückten Preise deS 
Petroleums auf Mittel bedacht waren und solche angewendet 
haben, um die Produktion, die eben endloS groß zu werden 
drohte, einzudämmen und den Preisen eine günstigere Position 
zu verschaffen. Wiederholt wurden Cartell-Verträge geschlossen, 
die Quellen durch einen Monat unauSgebeutet stießen zu lassen; 
man beschloß weiter, neue Bohrungen gänzlich zu unterlassen, 
und endlich kam man auf dte Idee, daS gewonnene Produkt 
in riesigen Reservoirs aufzubewahren, um eS dem Konsum 
zeitweilig zu entziehen. Alle diese Versuche scheiterten. Dieß- 
mal ist die Verschwörung gelungen, und die Petroleumprodu, 
zenten haben nun die Erzeugung unter dem Drucke eineS hohen 
Strafgeldes in einer Weise reduzirt, daß in der That der Be- 
darf zweier Welttheile nicht mehr gedeckt erscheint. Für Europa 
ist dieser heiße Kampf zwischen Produzenten unv Spekulanten 
eine wahre Kalamität: die Preissteigerung wurde als eine vor- 
übergehende betrachtet, und so sind die Abschlüsse für die 
Herbstkampagne in viel bescheidenerer Weise als sonst vorgenom- 
men worden. Die lagernden Vorrathe auf den europäischen 
Stapelplätzen sind kaum halb so groß als im Vorjahre, und 
der Konsum wird die hohen Forderungen der Proouzenten be- 
Willigen müssen und wir dürfen uns auf eine noch weitere 
Steigerung dieses wichtigen Artikels gefaßt machen. (Alsvann 
aber folgt der unvermeidliche Rückschlag.) 
* MaiSschrot als Pferde futter. Es ist nicht 
anzurathen, die Pferde ausschließlich mit MaiSschrot zu füttern 
weil eS dieser Fütterung an der für ArbeitSthiere nöthigen 
Menge Eiweiß fehlt. Die hauptsächlichste Quelle für die MuS- 
kelkraft ist nämlich das Eiweiß, das im Körper zirkulirt und 
alle Gewebe durchtränkt und dem Muskelgewebe eine gewisse 
Spannkraft verleiht, die für die Arbeit verwendet wird. Ist 
dieser Kraftvorrath aber durch die Arbeit aufgezehrt, so muß 
er durch eiweißhaltige Nahrung und durch Ruhe wieder ersetzt 
werden, damit daS Muskelgewebe durch das zirtulirende Ei- 
weiß seine Spannkraft wieder erhalten kann. Arbeitende Thiere 
müssen daher eiweißhaltiges Futter erhalten, wenn sie nicht er- 
müden sotten. Schon bei einer Fütterung von % Hafer und 
% Mais wird für schwere Arbeit keine genügende Quantität 
Eiweiß gewährt, viel weniger bei einer Maisfütterung; ein 
Zusatz von Erbsen scheint dabei durchaus nothwendig zu sein. 
* Petroleumquellen. Nach der Versicherung des Dr. 
Meyn aus Uetersen in der Hamburger Naturforscher-Versamm 
lung birgt Deutschlands Boden ungehobene Schätze von Erdöl. 
Dasselbe kommt im Allerthal und an verschiedenen Stellen in 
der Lüneburger Haide vor. Dr. Meyn ging von der Behauptung 
aus, die Petroleumspuren seien hier größer als in Amerika. 
In Wiezel, im südlichen Theile deS AllerthaleS, findet man 
9—10 Gruben, wo Petroleum gewonnen wird. Professor Har- 
kort berechnet daS Quantum im Boden, daS dort aufgeschlossen 
wurde, auf 100 Millionen Zentner. Auch östlich von Burg- 
dorf beim Dorfe Hennigsen ist schon vor 300 Jahren ein ur- 
alter Betrieb auf Petroleum im Gange gewesen. „Wir kön> 
uen", sagt er, „aufwissenschaftliche Forschungen gestützt, Schlüsse 
darauf bauen, daß auch in der Nähe von Hamburg sich große 
Petroleumquellen befinden, die keineswegs hinter den amen- 
kanischen zurückstehen. Ich darf daher, schließt der Redner, die 
Herren vom Fache darauf aufmerksam machen, daß hier große 
Schätze zu heben liegen. ES ist, ich darf eS ohne Übertreibung 
behaupten, die Möglichkeit vorhanden, daß hier in dieser Rich- 
tung ebenso großartige Verhältnisse entstehen, als in Amerika. * 
* Die Mutter im Sprüchwort. Wir haben über' 
die Würde einer Mutter verschiedene Sprüchworter. Maw 
sagt: „Muttertreu wird täglich neu". „Ist die Mutter noch- 
so arm, gibt sie doch dem Kinde warm." „Wer der Mutter 
nicht folgen will, muß endlich dem GerichtSdiener folgen." 
„Besser einen reichen Vater verlieren, als eine arme Mutter." 
„Was der Mutter an's Herz geht, geht dem Vater, nur an'S 
Knie." Im Hindostanischen heißt eS: „Mutter mein, immer' 
mein, möge reich oder arm ich sein." Der Venetianer sagU 
„Mutter, Mutter! Wer sie hat, ruft sie, wer sie nicht hat,, 
vermißt sie." Der Russe sagt: „DaS Gebet der Mutter holt 
vom Meeresgrund herauf." Der Ezeche und Lette sagt: „Mut- 
terhand ist weich, auch wenn sie schlägt." Fast bei allen Böl- 
kern hat man daS Sprüchwort: „Eine Mutter kann eher sie 
ben Kinder ernähren, alö sieben Kinder eine Mutter." Das 
Leiden der Mutter bezeichnet der Italiener in dem Sprüch« 
wort: „Mutter will sagen: Märtyrerin!" Ueber den Verlust 
der Mutter sagt ein Sprüchworl der Russen: „Ohne die Mut- 
ter sind die Kinder verloren, wie die Biene ohne Weisel (Kö- 
nigin)," Wahrhaftig! die Mütter dürfen stolz sein auf die 
Ehrentitel, die ihnen diese Sprüch Wörter der Völker gewid- 
met haben. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schödler. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 20. Okt. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 

kr. | 
fl. 1 kr. 
1 fl 
kr. 

1 3 
40 1 
3 II 15 
3 
05 
Roggen .... 
1 2 
80 I 
2 | 60 
2 
50 
Gerste 
1 *> 
1 *** 
70 | 
2 1 50 
2 
30 
Türken .... 
2 
80 
2 50 
2 
20 
Hafer 
| 1 
70 | 
1 | 60 
1 
50 
Thermometerstand nach Reanmnr in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Okt. 18. 
+ 5 
+14 
+ 8 

t». 
+10 
+15 
+ 8-/2 
» 
„ 20. 
+ 6 
+ 7% 
+ 7 
Rebel 
21. 
+ 7 
+10 
+ 8 
W 
„ 22. 
+ 6 
+ 8-/2 
+ 6 3 / 4 
trüb 
„ 23. 
+ 6*/ 4 
+10 
+ 7 
n 
„ 24. 
+ 5 
+ 9 
+ 7 
1t 
Telegrafischer Kursbericht von Wien» 
25. Oktober Silber 106.20 
20-Frankenstücke 9 97 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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