Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/164/
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Aimmten Zeit vor beut Rathhause einzufinden fyabc, indem deS 
Königs Gnade ihnen eine besondere Wohlthat zugedacht habe. 
Man ermißt gleich, wie Alle und Jeder in eine stürmische 
Bewegung gerieth, und daS um so mehr, je weniger man 
wußte, was eS mit diesem Geschenke zu bedeuten habe. 
Die Herren vom Rath zeigten nunmehr der versammelten 
Menge die neue Frucht vor, die hier noch nie ein menschliches 
Auge erblickt hatte. Daneben wurde eine umständliche Anleitung 
verlesen, wie diese Kartoffeln gepflanzt und bewirtschaftet, des 
gleichen, wie ste gekocht und zubereitet werden sollten. Besser 
sttilich wäre eS gewesen, wenn man eine solche geschriebene 
ober gedruckte Anweisungl gleich mit vertheilt hätte. Denn eS 
achteten im Getümmel die wenigsten auf die Verlesung. Da> 
gegen nahmen die guten Leute , die hochgepriesenen Knollen ver- 
wundert in die Hände, rochen, schmeckten und leckten daran. 
Kopfschüttelnd bot ste ein Rachbar dem Andern ; man brach 
jk von einander und warf ste den anwesenden Hunden vor, 
die daran herumschnoberten und ste gleichsam verschmähten. 
Run war ihnen daS Urtheil gesprochen. „Die Dinger, hieß eS, 
ritchen nicht und schmecken nicht, und nicht einmal die Hunde 
«igen ste fressen. WaS wäre uns damit geholfen?" Am all- 
gemeinsten war der Glaube, daß ste zu Bäumen heranwachsen, 
von henen man zu seiner Zeit solche Früchte herabschüttle. 
Inzwischen wird deS Königs Wille vollzogen und seine 
EegenSgabe unter die anwesenden Gt.rtenejgenthümer nach 
Perhältniß ihrer Besitzungen vertheilt, jedoch so, daß auch die 
Mingeren etliche.Viertel bekamen. Kaum Einer aber hatte die 
WMe flnwtffittig zu chwm Anbau recht begriffen. Wer ste 
nicht geradezu in seiner getäuschten Erwartung auf den 
Kehrichthaufen warf, ging doch bei der Anpflanzung so ver« 
fchrt, als möglich zu Werke. Einige steckten ste hie und da ein« 
zM in die Erde, ohne sich weiterdarum zu kümmern. Andere 
glaubten, daS Ding noch klüger anzugreifen, wenn ste die Kar- 
toffeln auf einen Haufen schütteten und mit etwas Erde be- 
deckten. Da wuchsen ste nun in einen dichten Filz ineinander. 
DaS Jahr nachher erneuerte der König seine wohlthätige 
Spende durch eine ähnliche Ladung. Allein dieSmal verfuhr 
Man dabei höhern OrtS zweckmäßiger, indem zugleich ein Land« 
reiter mitgeschickt wurde, der deS KartoffelbaueS kundig und 
M HeMA bei der Anpflanzung behülflich war und ihre wei- 
M HWe besorgte." 
Hn Manchen Orten mußten die Regierungen sogar zu Zwangs- 
Maßregeln greifen, um den Anbau zu befördern und ließen durch 
HWWßr darauf vigiliren, daß die Bauern Kartoffeln pflanz- 
MMN suchten die Geistlichen in ihren Predigten die 
Leute zu belehren und anzueisern; überall ging eS nur lang- 
M der Verbreitung vorwärts. Und ehe diese nur recht 
jf |Ütte, trat auch schon die Krankheit, die in den 
WeUWWn Europa wieder so schwer heimsuchte, auf, zuerst 
im IM ,iW im Erzgebirge, dann 1770—1790 in Süd- 
deutschlaM Hannover it., 1830 in Westdeutschland. Als im 
Söhre 1770 bei der großen HungerSnoth in dem kartoffellosen 
öhmen 180'000 Menschen verhungerten, brachten sich die 
kartoffelbauenden Schlester glücklich durch. 
A ver Schweiz wurden schon 1730 nicht selten Kartoffeln 
gebaut; bei der großen Theueruyg von 177l retteten sie hier 
ebenfalls Tausende >vor dem Hungertode; in allgemeinen Ge- 
brauch aber kamen ste erst mit Beginn dieses Jahrhunderts 
und hauptsächlich seit der Theuerung 1817. Später nahm der 
Anbau fast allzusehr überhand und beansprucht gegenwärtig 
etwa den neunten Theil des gesammten Ackerbodens der Schweiz. 
Man schlägt die ZahreSernte auf sechs Millionen Malter an, 
also ungefähr 30 Malter per Juchart und 2% Malter per 
Kopf, und pflanzt ste in den südlichen Alpen sogar noch über 
5000' ü. M., freilich mit unstcherem Erfolge, an. 
Verantwortlicher Redakteur «. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
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Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 6. Okt. 
Der halbe Metzen 
beste 
| mittlere 
J geringe 

1 st 
kr. 
1 fl. 
kr. 
1 st- 
kr. 
Korn 
1 3 
40 
3 
1 15 
3 
05 
Roggen . . 
1 2 
80 
2 
60 
2 
50 
Gerste . . . . . 
1 2 
70 
2 
50 
2 
30 
Türken .... 
2 
80 
2 
50 
2 
20 
Hafer 
1 
70 
1 
60 
1 
50 
Thermometerstand nach Reaumur in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Okt. 4 
+ 9% 
+16% 
+14 
hell 
tf 5. 
+10 
+18 
+14 
V 
« 6. 
+12 
+16 
+ 14% 
tf 
„ 7. 
+11 
+15 
+13 y 2 
fast hell 
// 8» 
+ 9 
+16 
+ 12 
hell 
„ 9. 
+ 9 
+16 
+12 

„ 10. 
+ioy 2 
+15 
+12 
halb hell. 
Telegrafischer Kursbericht von Wien» 
11. Oktober Silber 102.30 
20-Frankenstücke 9.77% 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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