Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/161/
\ 
' p 
Liechtensteinische 
Vierter Jahrgang. 
Vaduz, Freitag 
Nr. 41. 
dm 13. Oktober 1876. 
Die liechtensteinische Wochenjeitnng erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl. sammt 
Postversendung und Zustellung in's Haus. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fi. 50 kr., halbjährig 1 fl. z& kr.; für das 
adrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl. 10 kr. ohne Postversendung.,— Man abonnirt für das Zn- und Ausland bei der 
Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — Emrückungsgebühr für die sgespaltene Zeile s kr. — Briefe und Gelder 
«erden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Ausland. 
Oesterreich. Der österreichische Reichsrath wird am 19. 
Oktober zusammentreten. — Einer der hervorragenden Wiener 
Reichstagsabgeordneten, der Vertreter der Leopoldstadt, Prof. 
Sueß, hat zur Rechenschaftslegung vor seinen Wählern ge« 
standen. Von besonderem Interesse ist das waS er über die 
Personalunion sagt, die einst Ungarn, um kleine zisleithanische 
Kinder zu schrecken, auf seine. Fahne geschrieben, um die jetzt 
mit wenig Witz und viel Behagen von einzelnen strebsamen 
diesseitigen Leuten proklamirt werden will. „Ich halte — daS 
waren seine Worte — die Personalunion für die Dauer 
unmöglich. So wie ein zersprungener Mühlstein, mit seinen 
beiden Hälften an einander gerieben, bei der erstei raschen 
Bewegung auseinander geschleudert wird, so wird auch beim 
Eintritt der Personalunion früher oder später bei der er- 
sten rascheren Bewegung der Räder der Weltgeschichte, jeder 
einzelne Staat zerschmettert werden." Nicht weniger interessant 
ist daS Urtheil des Redners über das gegenwärtige Ministe- 
rium: „DaS Ministerium hat wiederholt Fehler begangen, aber 
wir müssen zugestehen daß eS in der Ausgleichsfrage einen ho- 
hen Grad von Festigkeit an den Tag gelegt, daß eS in ein- 
zelnen Nebenfragen Erfolge erzielt und daß eS mit dem Zu- 
ftandebringen der Vertagung sein Wort eingelöst hat dem Par 
lament hinreichend Zeit für die Berathung der wichtigen Frage 
gönnen zu wollen." 
Deutschland. Wie man aus Mainz mittheilt, ist man 
dort mit Aussicht auf Erfolg bestrebt, das echte Grab des be- 
rühmten Erfinders der Buchdruckerkunst zu ermitteln. Bisher 
vermuthete man dasselbe i» der Franziskanerkirche zu Mainz. 
Run weist aber Dr. Bockenheims in einer jüngst in Mainz 
bei Diemer veröffentlichten Arbeit nach, daS Grab Gutenberg'S 
sei in der Dominikanerkirche zu suchen, wo zahlreiche Denksteine 
der Familie GenSsleisch, welcher Guttenberg bekanntlich ange- 
hörte, vorhanden und von Grabmälern der verwandten Fami- 
lien der Berwolf, Boderam, Gostenhofer, GelthuS und anderer 
Mainzer Geschlechter umgeben find. Nun ist die Dominikaner- 
kirche, deren ausgezeichnete Restauration im Jahre 1833 ein 
Werk des verstorbenen Bauraths Dr. F. £. Geier war, unlängst 
abgebrannt, und so hofft man denn bei den nach dieser Kata- 
strophe bevorstehenden Bauarbeiten in den Fundamenten der 
alten Kirche eine Reihe interessanter historischer Funde zu ma- 
chen. Möglich, daß dabei die Gebeine deS VaterS der Buch- 
drucker zum Vorschein kommen. 
Konstanz. Bei einem Gewitter letzten Donnerstag Abends 
schlug der Blitz auf daS Münster, so daß dasselbe im Augen- 
blick ganz vom Feuer umgeben war und das Innere mit 
Schwefelgeruch erfüllt wurde, der noch am folgenden Morgen 
wahrzunehmen war. Die gerade darin 'zu»einer kirchlichen 
Andacht Versammelten kamen mit dem Schrecken davon, da 
der Blitz seinen Weg endlich dem Blitzableiter entlang in die 
Erde fand. 
Schweiz. Bern. Die russische Attentäterin Dobro- 
wolska, welche im Laufe dieses Sommers zwei Ladungen Spa- 
tzenstaub auf den Fürsten Gortschakoff, den hiesigen russischen 
Gesandten, abgefeuert hat, und die kürzlich behufs näherer 
Untersuchung ihres geistigen ZustandeS aus dem hiesigen Unter- 
suchungSgefüngniß nach 'der Irrenanstalt Waldau gebracht 
worden war, hat neuerdings einen Akt begangen, welcher die 
anfängliche Annahme: sie leide an zeitlicher Geistesstörung zu 
rechtfertigen scheint. Am letzten Donnerstag Abend hat sie 
nämlich ihre Zelle in Brand zu stecken gesucht, als ihr Bett 
aber Feuer gefaßt hatte und der Rauch sie zu ersticken drohte, 
durch Klopfen an die Zellthür selbst rechtzeitig Hilfe herbeige- 
rufen. Man fand die Unglückliche völlig angekleidet, mit dem 
Hut auf dem Kopf und gepacktem Reisesack, kurz vollständig 
reisefertig. Offenbar hatte sie nicht an Selbstmord gedacht 
sondern in der durch daS Feuer entstandenen Verwirrung auf 
Flucht gehofft. In ihrem Sack waren zwei Scheeren verbor- 
gen und im Hut ihr Geld. Augenblicklich befindet sie sich 
wieder im UntersuchungSgefängniß zu Bern. Wie Ihre Leser 
sich erinnern werden, hat sie selbst ausgesagt: sie habe durch 
die Schüsse auf den Fürsten Gortschakoff nur die Aufmerksam- 
keit der russischen hohen Kreise aus sich lenken wollen, um auf 
diese Weise eine gerechte Vergeltung der an ihr und ihrer 
Familie ausgeübten Ungerechtigkeiten zu erzielen, da alle ihre 
Bemühungen dieß durch Bittschriften an höchster Stelle zu 
erreichen erfolglos geblieben seien. 
Frankreich. In Lorient, dem ersten Schiffsbauplatz Frank- 
reichs, steht jetzt der Stapellauf des „Revoutable" bevor — 
eineS Panzerschiffes, wie eS die Welt noch nie gesehen. Bei- 
nahe der ganze Bau ist auS Stahl. Das Gewicht jeder Pan- 
zerplatte betragt etwa 25,000 Kilogramm. Der Bug ist mit 
einem Sporn von Schmiedeisen versehen, der allein 3!,400 
Kilogramm wiegt. 
Rußland. Nach einer Berechnung deS im großen General- 
stab redigirten „Russ. Invaliden" beträgt die Zahl der in der 
serbischen Armee kämpfenden russischen Freiwilligen bereits 5000 
Mann. Von den in der letzten Dekade v. M. aus Rußland 
nach Serbien abgegangenen größeren Freiwilligen-TranSporten 
heben wir nach den Angaben der betreffenden Provinzial-Blät- 
ter folgende hervor : AuS NovotscherkaSk ein von einem ver- 
abschiedeten Kosakenartillerie-General geführter Trupp von 64 
völlig equipirten berittenen Kosaken auS dem Donlande, wel- 
cher durch Odessa ging und auf den Schiffen der privilegirten 
„Russischen Handels- und Schiffahrtgesellschaft" nach der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.