Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/150/
lange Arlberg-Tunnel im günstigen Falle statt in mehreren 
' Jahren in ungefähr 460 Tagen gebobrt würde. Wenn die 
Herstellung und Anlüge der Maschine und deren Betrieb noch 
so hoch angeschlagen werden: Zeit ist Geld! beim Arlbergtun- 
nelviel Geld — erspart. 
Schaan, 16. September. (Eingese ndet.) „Der freie 
Rhätier" meldet aus Frankreich: In Frankreich hat der Mi- 
nister der Landwirthschast an den Wäldern und Wegen Holz- 
tafeln aufstellen lassen, darauf mit starken Lettern geschrieben 
steht: 
„Der Igel nährt sich von Mäusen, Schnecken und Enger- 
lingen, überhaupt von Thieren, welche der Landwirthschast 
großen Schaden zufügen. Tödtet den Igel nicht!" 
„Der Maulwurf verzehrt unaufhörlich Engerlinge, Maul- 
tyurfßgrillen, Larven, Insekten aller Art; in seinem Magen 
hat man niemals Spuren von Pflanzen gefunden, er nützt 
wehr als er schadet. Tödtet den Maulwurf nicht!" 
„Der Maikäfer und der Engerling find die Todfeinde der 
Landwirthschast; der Maikäfer legt 60 bis 100 Eier, aus de- 
nen sich zunächst Engerlinge und dann wieder Maikäfer ent- 
wickeln. Tödtet den Maikäfer!" 
„Vögel. Die Infekten richten in jedem Departement jähr- 
lich einen Schaden von mehreren Millionen Franken an. Nur 
die Pögel können siegreich gegen sie ankämpfen, denn sie sind 
große Raupenfresser und daher wichtige Helfershelfer der Land- 
wirthe. Kinder nehmet keine Vogelnester aus!" 
„Die Kröte vernichtet stündlich 20 bis 30 Insekten Töd» 
tet die Kröte nicht!" 
Diese praktische Methode verdiente auch anderwärts Nach- 
ahmung 
Angesichts obige? Thatsachen, die jedem Landwirth nicht 
mehr ganz fremd oder neu fein dürften, ist eS wirklich zu be« 
wundern, wie eS einem Oekonomen in Schaan einfallen konnte, 
einer ausgefundenen Kröte wegen, einen gemeindeämtlichen 
Augenschein zu veranlassen und beim fürstl. Landgerichte einen 
Prozeß anzuheben. 
Feldkirch, 15. Sept. (Die hiesige Fachzeichen- 
schule) für Weiß- und Buntstickerei, Weberei. Zeugdruck und 
Ornamentenzeichnen nach Vorlagen (GypSabgüsse), die vom 
hohen k. k. Handelsministerium subventionirt wird, beginnt ihr 
viertes Schuljahr 1876/77 mit 2. Oktober d. I. Die Auf- 
nähme findet im ehemaligen Realschulgebäude (nächst dem Kir- 
chenplatze) vom 28 —30. September von 9—12 Uhr Vormit« 
tagS und von l—4 Uhr Nachmittags; für SonntagSschüler 
vom 1. Oktober an und den zwei folgenden Sonntagen i M. 
von 9—12 Uhr statt. Schüler, welche schon das vorige Jahr 
die Fachzeichenschule besuchten, haben sich bei dem Leiter der 
obgenannten Anstalt Herrn Josef Holfelder am 28.-29. d. 
M. vorzustellen. Der Eintritt in die Fachschule von Seite 
der Volksschule ist nur solchen gestattet, welche die vierte und 
fünfte Knabenklasse besuchen. Die Fachzeichenschüler haben kein 
Schulgeld zu entrichten und alle Werke der reichhaltigen Bib- 
liothek stehen ihnen zur Verfügung. Der Besuch der Fach- 
Zeichenschule ist ganz besonders solchen jungen Leuten zu em- 
pfehlen, welche nach absclvirter Volksschule sich irgend einem 
Handwerk zu widmen gedenken; denn nach dem heutigen 
Stande des Gewerbes ist die Kenntniß des Zeichnens für je- 
den Gewerbetreibenden nothwendig, will er nicht ein Stümper 
in seinem Fache bleiben. F. Z. 
Ausland. 
Vom türkisch-serbischen Kriegsschauplätze ist außer 
einigen unbedeutenden Scharmützeln Nichts von Belang zu 
Melden. Um so thätiger ist gegenwärtig die Diplomatie, um 
den Frieden oder doch wenigstens eine Waffenruhe herzustellen. 
Das letztere scheint den Diplomaten nach den neuesten Tele 
grammen gelungen zu sein, indem eine Einstellung der Feind* 
seligketten bis zum 25. September erreicht wurde. 
Türkei. Der Hatti humajum, durch welchen Sultan 
Abdul Hamid IL seine Thronbesteigung anzeigte, und zugleich 
die Grundsätze darlegte, nach welchen er seine Regierung zu 
führen beabsichtigt lautet wörtlich wie folgt: 
„Mein erlauchter Wessier Mehemed Ruschdi Pascha! Da 
durch die F igung und den Willen GotteS Mein erlauchter 
Bruder Sultan Murad Chan V. von der Würde deS Sulta 
nats und des ChalifatS abgesetzt ist, so habe ich in Gemäßheit 
deS oSmanischen Gesetzes den Thron Meiner erhabenen Väter 
bestiegen. In Anbetracht Ihrer erprobten und allbekannten Pflicht- 
treue und Ihrer Kenntniß der wichtigen StaatSgeschäfte be 
stätige und erneuere ich Sie als GroßvefKer und Präses deS 
MinisterrathS, sowie Ich alle übrigen Minister und Beamten 
in ihren Aemtern bestätige. Indem Ich daS feste Vertrauen 
hege daß Gott alle Meine Bemühungen und Bestrebungen er- 
leichtere und fördere, sind Meine Wünsche dahin gerichtet daß 
die Grundlagen der Macht unseres Reiches verstärkt und die 
Freiheit, daS Wohlergehen, die Ruhe und die Rechte unserer 
Unterthanen ohne Ausnahme gesichert werden, und ich erwarte 
und hoffe daß alle Minister und Beamten unseres Staates 
Mich bei diesen Bestrebungen unterstützen werden. ES ist jeder- 
mann bekannt daß im gegenwärtigen Augenblick unser Staats- 
wesen an Schwierigkeiten und Bedenklichkeiten jeder Art leidet; 
von welcher Seite aber man auch diese Lage betrachtet, wird 
sich ergeben daß die verschiedenen Ursachen derselben sich in ei- 
nem einzigen Punkte vereinigen, nämlich daß die verschiedenen 
Gesetze und Verordnungen, welche sich auf die Bestimmungen 
unseres heiligen Gesetzes (Scheri) gründen, weder richtig noch 
vollständig ausgeführt, und daß in der Leitung der Staats- 
geschäfte jedermann nach Willkür und Belieben handelte; die 
Unordnung in der Verwaltung der Civil- und Finanzangelegen- 
heiten hat seit einiger Zeit in einem solchen Grade zugenom- 
men, daß der Kredit unseres Finanzwesens im Publikum völ- 
lig zerstört ist, daß die Gerichte die Rechte der Unterthanen 
nicht zu gewährleisten vermochten, und daß die Industrie, der 
Handel und der Ackerbau unserer Staaten , die Quellen und 
Grundlagen der Lebensfähigkeit eines Staates, nicht gedeihen 
konnten; mit einem Wort, die Cultur unseres Landes, die per- 
sönliche Freiheit -unserer Unterthanen ohne Ausnahme, die öf- 
fentliche Ruhe und das allgemeine Wohl konnten, waS und 
wie man eS auch anfangen mochte, nicht Bestand haben, und 
waren allen Arten von Wechselfällen ausgesetzt, weil die Ge- 
setze und Verordnungen immer verändert und niemals conse* 
qnent ausgeführt wurden, und so also immer ihren Zweck ver- 
fehlten. Der erste Zweck aller zu ergreifenden Maßregeln muß 
der sein daß die Gesetze und Verordnungen daS allgemeine 
Wohl deS Staates sichern. ES ist daher nothwendig, daß so- 
wohl die bestehenden Gesetze alö die Gesetze welche in Zukunft 
den Bestimmungen unseres heiligen Gesetzes gemäß, zu erlassen 
find, ohne Ausnahme Wort für Wort und vollständig auSge- 
führt werden; und daß dafür, sowie für die Verwaltung der 
Staatseinnahmen und Ausgaben nach den Ansätzen deS Bud- 
getS, eine genügende Sicherheit und Bürgschaft gewährt werde, 
ist eS nothwendig daß ein Generalrath (Medschliß-i Umumi) 
orgauifirt werde, dessen Mitglieder aus Personen bestehen welche 
wegen ihrer Leistungen deS öffentlichen Vertrauens würdig sind, 
und dessen Einrichtung den Gebräuchen und Bedürfnissen un- 
sereS Reiches entspricht. Die Minister werden diesen Gegenstand 
gründlich erörtern und überlegen, und Mir daS Resultat ihrer 
Beschlüsse zur Genehmigung vorlegen. 
Zu den Ursachen welche die Ausführung der Gesetze be- 
dingen, gehört auch daß künftighin die dem öffentlichen Wohl 
so nachtheilige Verleihung von StaatSämtern an unfähige Per- 
sonen und die so häufig ohne allen gesetzmäßigen Grund vor- 
genommenen Beamtenwechsel beseitigt werden, und daß von jetzt
        

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