Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/146/
waren da also: ihr äußerster rechter Flügel war südlich und 
westlich über Schitkowatz hinausgelegt und zog sich nördlich 
von diese?» Dorfe bis Przilowitza, auch hatten die Serben 
Mrsol MW, nahe att der Straße auf dem linken Morawa- 
Ufer, soWe?HaS Dorf Belja auf ansteigendem Terrain. Süd- 
«Mich von Belja hatte der linke Flügel der Serben feine 
StellWgenWei Alezinatz in nordöstlicher Richtung. Der rechte 
türkische Flügel stand bis Tefchitza hinab, nahe an der Straße 
die an Mrsol und Gchitkowatz vorbeigeht, aber südlich 
von diesen Stellungen. Ihre Linien dehnten stch dann 
nordwestlich über Drenowatz und nahezu nördlich auf Stublina. 
Sie waren auf mäßigen Steigungen verschanzt und hatten auch 
einen Theil deS linken Flügels auf den Abhängen der hohen 
Berge um Iakofle. Der Kampf war Anfangs einige Stun- 
den lang fast nur Artilleriekampf aus 3 Batterien, die über 
Drenowatz vorgeschoben waren und denen Anfangs nur 2 ser- 
bische Batterien antworteten. Die Türken rückten nur langsam 
in nordöstlicher Richtung vor, indem die serbischen Batterien, 
welche in Belja und am weitesten nördlich in Snotna waren, 
ein wohlgenährtes regelmäßiges Feuer unterhielten. Der Kor- 
refpondent liefert nun eine Beschreibung des TerrainS oder der 
Thal-DestteS durch welche Abdul Kerim seine Infanterie durch- 
bringen mußte. Der Korrespondent schreibt darüber: „Unsere 
Stellung gestattete uns das ganze zwischen der Morawa und 
den westlichen Höhen befindliche wellige Land zu überblicken, 
und gleichzeitig die Truppen zu sehen, welche Alexinatz verlas- 
sen um aus Pontonbrücken die Morawa zu überschreiten. 
DieseS wellige Land besteht aus Hügeln und Senkungen. Ge 
rade in der Mitte befindet sich ein kleiner isolirt stehender 
Hügel mit einem kleinen Defile an jeder Seite. Dieser kleine 
Hügel spielt eine wichtige Rolle in dem heutigen Kampfe. 
Denn Abdul Kerim Pascha muß, um sein Ziel zu erreichen, 
seinen ganzen linken Flügel durch das dahinter liegende Thal; 
bringen und die beiden DefileS setzen ihn dem Feuer der ser- 
bischen Batterien auS. Deßhalb spielt die Artillerie anfangs 
eine so große Rolle. Die drei türkischen Batterien auf der 
Lintey find nicht im Stande die 2 serbischen zum Schweigen 
zu bringen welche nördlich der Defileen postirt stnd. ES ist 
jetzt 11 Uhr und bereits 2*/ 2 Stunden dauert das Feuer. 
Der Tag ist schön, die Lust klar und jedeS Wölkchen ist zu 
sehen, welches bei dem Abfeuern eineS Geschützes aufsteigt. Bis 
j^etzt hat noch keine Seite einen Bortheil errungen. Die Tür- 
ken haben mehr Kanonen, aber die Serben haben die bessere 
Stellung." Nach 11 Uhr verstärkten die Türken ihre Batte 
rien vor Drenowatz von 3 auf 6 und rückten etwa eine halbe 
Meile vor. „Ihr Feuer wird jetzt schrecklich, nicht allein ihre 
Batterien, sondern auch jedes Geschütz derselben steht gesondert, 
aber ihr Feuer geht merkwürdig koneentrisch aus die beiden ser- 
bischen Batterien, und die Schußweite ist so genau gewonnen, 
daß die serbischen Kanoniere getroffen werden. Zehn derselben 
wurden verwundet und aus dem Gefecht getragen seit die sechs 
türkischen Batterien eine halbe Stunde lang gespielt hatten. 
Aber an diesem Tage, wo so viele in der serbischen Infanterie 
eine so elende Feigheit gezeigt haben, muß man billig hervor- 
heben, daß die serbische Artillerie, regulären Truppen zugehörig, 
sich herrlich gehalten hat. Nichts konnte mmhiger sein als 
wie Offiziere und Mannschaft bei den Kanonen standen, ob- 
wohl ich noch Gelegenheit haben werde zu zeigen, daß wenig- 
stenS ein Theil der serbischen Artillerie im kritischsten Moment 
außer Aktion gebracht war. Dieselbe hätte vom größten Nutzen 
sein können, da die beiden genannten serbischen Batterien noth- 
wet dig der Uebermacht unterliegen mußten. Auf dem vorhin 
bezeichneten isolirten Hügel zwischen beiden DesileS befand sich 
ein dritte serbische Batterie, gegen welche zwei türkische Batte- 
rien ihre Anstrengungen richteten. 
Mit großer Gewandheit wechselte sie fortwährend ihre Stel- 
lung, und während zweier Stunden gelang eö ihr die tür 
tischen Kanonen in Respekt zu halten. Aber trotz alledem 
dringt der Feind langsam nordwärts und gegen Osten vor. 
Bisher hatte, er seine Infanterie zurückgehalten, aber 20 Mi- 
nuten vor 12 Uhr hörten wir das erste Kleingewehrfeuer.' ES 
kam aus einem kleinen Gehölz hinter den Hügeln. So weit 
war die türkische Infanterie vorgerückt. Noch durfte sie stch 
nicht am Eingang der Defileen blicken lassen, denn die ser- 
bischen Kanonen stehen zu nahe. Aber weit davon ist sie nicht, 
und wenn die tapfere serbische Batterie auf dem isolirten Hü- 
gel einmal zum Schweigen gebracht sein wird, entbrennt die 
Schlacht sofort. AuS Alezinatz stürmen Infanterie und Ea- 
vallerie über die Pontonbrücken um dem Angriff der türkischen 
Infanterie entgegenzutreten, und Tschernajeff, umgeben von 
seinem Stah, ist überall. Die serbische Infanterie steht in dem 
Thale nördlich deS kleinen Hügels, und in Zwischenräumen 
von etwa einer Viertelstunde sind schwache Gewehrfalven zwi- 
schen dem Donner der Kanonen von einigen Dutzend Bat- 
terien hörbar. Der wüthende Kampf hatte seinen Höhepunkt 
erreicht als um halb zwei Uhr dicke Rauchwolken und hohe 
Feuersäulen auS einem Thale rechts von uns zum Himmel 
emporstiegen. Die FeuerSbrunst ist riesig; noch heller und glän- 
zender als daS Sonnenlicht erscheint die feurige Lohe den Bli- 
cken, wie sie, umgränzt durch dichte Rauchmassen, zu unserer 
Seite emporlodert. DaS nördliche der beiden Suotnas steht in 
Flammen. Die türkischen Granaten der vorgerücktesten Bat- 
terien haben den Ort in Brand geschossen, und in wenigen 
Minuten ist derselbe vom Erdboden verschwunden. Schleunigst 
verlassen die serbischen Truppen den Flammenherd, ohne indeß 
den Kampf aufzugeben. Die Türken ihrerseits avanziren unter 
dem Schutz ihrer Artillerie ohne Unterlaß, jetzt in Schützen- 
linien, dann in Massen, hierauf im Schnellschritt. Doch die 
Serben haben noch nicht allen Much verloren. Noch hält ein 
Theil ihrer Infanterie Stand. Aber immer zaghafter wird die 
Vertheidigung, immer grööer die Zahl der „Drücker", die sich 
auS dem Feuer wegzuschleichen suchen. Schwächer und dünner 
werden die Glieder der serbischen Bataillone. Es ist jetzt 2 
Uhr vorüber. Die serbische Artillerie scheint einen Augenblick 
hindurch sogar wieder vorwärts zu kommen. Jene Batterie 
auf dem kleinen Hügel, welche bisher so Tüchtiges geleistet 
hat, ist den Türken näher auf den Leib gerückt und überschüttet 
die Stellungen deS Gegners mit Geschossen. Aber die Türken 
lassen sich dadurch keineswegs außer Fassung bringen. Das 
Knattern ihreS InfanteriefeuerS dringt in den Thälern mehr 
und mehr gegen Norden vor, die Salven der dort stehenden 
serbischen Bataillone werden schwächer; auch der Artilleriekampf 
scheint an Heftigkeit nachzulassen. Da steigt eine neue Flam- 
mensäule vom Schlachtfeld zum Himmel empor. DaS ^orf 
Proß Adrowatz, dicht bei Schitkowatz gelegen, ist jetzt ebenfalls 
in Brand gerathen. Suotna brennt noch, die klare Herbstluft 
ist angefüllt durch dichte dunkle Rauchmassen. Dazu ertönt 
unaufhörlich daS Brüllen der Geschütze, daS wilde Knattern 
deS KleingewehrS. Seit Stunden schon erreichen die türkischen 
Geschosse auch Schitkowatz, aber noch ist ver Ort verhältniß- 
mäßig unversehrt. Dagegen brennt das dicht dabei gelegene 
Przilowitza. Eine vollständige Panik ergreift angesichts deS un- 
aufhaltsamen Bordringens der Türken die serbischen Truppen, 
ganze Bataillone ergreifen die Flucht. Ein russischer Oberst, 
Commandeur von zwei Bataillonen, befiehlt, obgleich verwun- 
det, denselben vorzugehen. Aber doch thun wenigstens noch ein 
paar Regimenter Infanterie und die gesammte Artillerie ihre 
Schuldigkeit. Ueber zwei Stunden lang dauert es, ehe die Le- 
gionen der drei Paschas auch nur eine halbe (englische) Meile 
vorwärts kommen. Aber doch ist der Vortheil längs der gan- 
zen Kampflinie auf Seiten der Türken. Abdul Kerim Pascha 
hat seinen linken Flügel bis nach Gredetin, nördlich des bren- 
nenden Adrowatz, seinen rechten Flügel aber bis Belja vor- 
poussirt. Und es ist erst vier Uhr. Die Verlufte sind auf bei-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.