Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/143/
4. Sept vorausgingen, schreibt der „Pest. Lloyd:" „Nach 
'tum bekannten Telegramm unseres Specialcorrespondenten aus 
Middin vom 1. Sept. hielten die Serben am letzten des vorigen 
Monats von den Vorwerken von Alexinatz nur mehr die Po 
sitionen bei Prugovatz nordöstlich und bei Bujmir südöstlich 
der Festung nebst einigen kleineren Schanzen. Diese Positiv- 
nen scheinen indeß erst mit Beihilfe deS schweren BelagerungS- 
gefchützeS, welches so eben erwartet wird, zu nehmen zu sein. 
WaS aber am rechten Morawa'Ufer nicht sofort anging: der 
Stellung selbst hart an den Leib zu rücken, das war aller- 
dinHf voyl linken User auS möglich. Und nun einmal im 
Luge scheint sich daS türkische Oberkommando mit einer dort 
tiic&f ehen Nußgen Raschheit und Bestimmtheit der Entschlie, 
Hung daran gemacht zu haben den Angriff vom linken Ufer 
auS in'S Werk zu setzen. Zu diesem BeHufe wurden daS Gros 
der Armee Achmed Ejubs, alle nur irgend disponiblen Trup- 
pen aus ihren Positionen am rechten Ufer gezogen und mit 
Äli Said, dessen Hauptquartier in Mrsol am linken Morawa- 
Ufer, vereimgt; ja die Türken gaben sogar die im Gefecht am 
-30. August genommenen drei Berschanzungen wieder auf, um 
eine je größere Heermacht auf daS linke Ufer nachschieben zu 
sonnen. Diese Bewegung war es, welche in den letzten Ta- 
Hen die Serben glauben oder wenigstens aussprengen machte, 
Ejub sei vertrieben, geschlagen, umgangen, ausgerieben. Der 
wirkliche Erfolg der Bewegung und des energisch geführten 
Angriffes vom linken Ufer aber liegt bereits heute von ver- 
schiedenen Seiten über allen Zweifel bestätigt vor. Die Spe- 
eialcorrespondenten des „Remz. Hirlap" und der „N. Fr. Presse" 
telegraphiren übereinstimmend aus dem türkischen Heerlager 
vor Alexinatz vom 1. Sept.: „Heute Freitag Abends, erober- 
ttn die Türken die letzte serbische Schanze auf dem linken Ufer 
der Morawa. Nach elfstündigem Kampfe ergriffen die Serben 
endlich die Flucht." 
Die „Ag. Hav." ihrerseits meldet telegraphisch.' „Die tür- 
tische Armee rückte, 60,000 Mann stark, auf dem linken Mo- 
rawa-Ufer auf detz Straße über Teschitza, Schitkowatz und 
Adrowatz vor. Adrowatz liegt auf der Höhe von Altxinatz, 
'etwas unterhalb des Punktes wo man sich schlug. Die von 
den Türken eingeschlagene Route muß sie auf die Straße Pa- 
ratschin, hinter Deligrad führen." 
Der „Polit. Corresp." wird aus Belgrad, 2. Sept., be- 
richtet: „Gestern wüthete ein sehr heftiger Kampf auf dem lin- 
ken Morawa-Ufer. Tschernajeff eommandirte persönlich. Bei 
alter Tapferkeit der Serben wurde doch ihr rechter Flügel nach 
einem vierzehnstündigen Kampfe durch die türkische Uebermacht 
zum Weichen gebracht. Die Türken waren in diesem Kampfe 
60,000 Mann stark. ES waren Momente, in welchen die 
Serben in großem Vortheil und nahe daran waren als Sie 
gen auS dem Kampfe hervorzugehen. Unglückliche Zufälligkei 
ten kamen der türkischen Uebermacht zu Hülfe und entschieden 
zu ihren Gunsten. Hier glaubt man, Alexinatz sei in Gefahr. 
Deligrad ist mit 20 schweren Positionsgeschützen in den letzten 
Tagen armirt worden. Gewnil Protitsch soll daS Commando 
in Deligrad übernehmen. Bei 3000 Mann arbeiten Tag und 
Rächt an den Verschanzungen von Tschuprija, welches nach 
Deligrad allein noch im Stand ist den Feind aufzuhalten. 
Das Armeekommando hat gestern die Räumung der £tadt 
Alexinatz von Seiten der Einwohner angeordnet. Auch die 
Verwundeten werden nach Tschuprija transportirt. In den 
gestrigen Kämpfen sind abermals siebenzehn russische Offiziere 
gefallen. Der Zuzug an Offizieren die täglich eintreffen gleicht 
wohl die Verluste aus. Immerhin ist der Verbrauch rni Of 
fizieren in diesem Krieg ein ungeheurer, weil sich diese stets 
exponiren müssen. 
Nach Telegrammen der Wiener Blätter hat man in Bei« 
grad die Niederlage Tschernajeffs anfangs verschwiegen. Am 
2. habe in der Bevölkerung etwaö von dem serbischen Rückzüge 
verlautet, aber mit dem Zusatz: derselbe sei absichtlich erfolgt 
um die Türken vor daS Feuer der Alexinatzer Batterien zu 
locken. Die Türken seien dann vollständig geschlagen worden. 
Auf eine Anfrage an erster Stelle erhielt ein Wiener Corre- 
spondent die Antwort: „DaS KriegSglück wechselt; heute sind 
die Türken, morgen die Serben im Vortheil." Ein weiteres 
Belgrader Telegramm vom 3. d meldet: „Personen welche 
heute- von Alexinatz hieher zurückgekehrt find, wollen wissen, 
daß die Serben total geschlagen wurden; der Rückzug auf,Ale- 
xinatz müsse baldigst die Räumung dieses Platzes M Folge 
haben. DaS Gros der Armee sei bereits in Deligrad, wo auch 
Tschernajeff sein Quartier aufgeschlagen." Vom gleichen Tage 
meldet ein Belgrader Telegramm deS „P. Lloyd:" „Seit heute 
Morgens durchschwirren die buntesten Gerüchte die Stadt. Die 
einen behaupten: Alexinatz sei bereits von den Türken genom 
men; andere wieder: die Türken seien aus der Straße nach 
Kruschewatz durchgedrungen und marschiren auf Kragujewatz, 
DaS kein offizielles Bulletin ausgegeben wird, trotzdem, wie 
allgemein bekannt, seit zwei Tagen gekämpft wird, erhöht die 
Aufregung, da man daraus den schlechten Stand der Opera- 
tionen vermuthete. Ein heute »hier aus Alexinatz eingelangter 
Augenzeuge theilt mir mit daß der serbische rechte Flügel vor- 
gestern die Türken angegriffen und selbe gegen Supovatz zu 
drängen versuchte. Doch die Türken warfen ibre ganze Macht 
dahin, trieben den rechten Flügel zurück und drangen auf dem 
linken Morawa-Ufer vorwärts. Die Serben wurden von der 
Hauptarmee abgeschnitten, und mußten sich in die Verschan- 
zungen von Dellgrad zurückziehen, ^ie Türken sollen hierauf 
den Brückenkopf vor Alexinatz genommen und hiemit den Schlüs- 
sel der Alexinatzer Verschanzungen in ihrer Gewalt haben. In 
Folge dessen ließ Tschernajeff daS Gros seiner Armee sich aus 
Deligrad zurückziehen. Alexinatz selbst halten die Serben noch 
mit zehn Bataillonen besetzt." Im weiteren Verlauf des 3. 
September hat dann die serbische Regierung daS gestern mit 
geteilte offizielle Bulletin ausgegeben, welches den Rückzug 
Tschernajeffs vor der dreifachen Ueberiegenheit der feindlichen 
Macht meldet. 
Ob inzwischen Alexinatz selbst gefallen, steht noch nicht fest; 
lange wird eS sich nun nicht mehr halten können. Auf der 
Strecke Alexinatz bis Deligrad werden die Türken keinem wei- 
teren Widerstand mehr begegnen. Von großem Einfluß auf 
die Operationen gegen Deligrad wird die Bewegung sein welche 
die Tütken gegen Kruschewatz ausführe»». Bis jetzt ist der Bor- 
stoß von dieser Seite nur mit mäßiger Kraft betrieben worden, 
und er konnte auch nicht kräftiger unternommen werden ehe 
Alexinatz genommen oder umgangen war, oder daS türkische 
Gros sich auf dem Vormarsch ins untere Morawa-Thal befand, 
wollten die türkischen Führer sich auf dieser Seite bei einer 
doch nicht allzu starken Truppenzahl nicht zu sehr exponiren. 
Jetzt scheint die Action gegen Kruschewatz in Fluß zu kommen; 
ein erster Angriff wurde bereits unternommen, ein neuer soll 
bevorstehen. Die „Polit Corresp." meldet darüber aus Bel- 
grad, 2. Sept.: „Die Türken wollten die Jankova-Kliffura, 
welche den Zugang zu Kruschewatz sperrt, nehmen, und mach- 
ten zu diesem Zweck eine Bewegung von Blatsch gegen daS 
Dorf Popowo, wo die Trsteniker Brigade 3. Classe im Lager 
liegt. Zwei türkische Coionnen kamen auf serbischem Gebiete 
ober- und unterhalb Popowo zum Vorschein. Der linke Flü- 
gel deS Obersten Tscholak - Antitsch sollte offenbar umgangen 
werden, während ein größeres türkisches Corps längs des Flus- 
ses Blataschnitza am rechten Flügel heranmarschirte. Trotz der 
ausgezeichneten strategischen Cymbination der Türken besetzte 
Oberst Antitsch rasch mit drei Bataillonen Infanterie und einer 
halben Batterie dir Straße zwischen Prebesa und Djepnitza, 
und fiel der anrückenden Colonne NizamS von beiden Seiten 
in die Flanke. Nach einem kräftigen Widerstände traten die 
Türken einen geordneten Rückzug an.
        

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