Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/124/
fame äBitbfjeit der Insurgenten den Reigen der bulgarischen 
Gräuelexcesse begonnen hat. 
Verschiedenes. 
* Berlin, 23. Juli. ^MortalitätSstatistik und Gesund- 
heitSverhältnisse.) Bei der am 8. Juli d I. beendeten 27. 
Jahreswoche find von je 10 0,000 Einwohnern als gestorben no- 
tirt: in Berlin 93, in Breslau 72, in Stettin 47, in Köln 
68, in Hannover 43, in Hanau 56, in Frankfurt a M. 34, 
in Magdeburg 4V, in Altona 4t, in Straßburg 75, in Mün- 
chen 64, in Leipzig 42, in Hamburg 53, in Wien 46, in 
Budapest 87, in Prag 83, in Paris 45, in Brüssel 45, in 
Amsterdam 50, in Rotterdam 52, im Haag 39, in Basel 36, 
in Christian!« 33, in Kopenhagen 47, in Stockholm 53, in 
Rom 75, in Turin 45, in Alexandria (Aegypten) 68, in Lon- 
Von 37, in Glasgow 40, in Liverpool 41, in Dublin 36, in 
Edinburg 30, in New-Iork 44, in Philadelphia 41, in Bo- 
fton 32, in Chicago 29, in Bombay 53, in Caleutta 43. — 
Der Gesundheitszustand der meisten europäischen Städte wäre 
ein relativ günstiger zu nennen, wenn nicht die heiße Tempe- 
ratur der letzten Wochen, besonders in den nördlicheren Ge- 
genden Deutschlands, aus den Gesundheitszustand namentlich 
der kleineren Binder unvortheilhaft eingewirkt hätte. Während 
sich fast aller Orten eine entschiedene Abnahme beinahe aller 
Krankheitsformen constatiren läßt, sind es zumeist Brechdurch- 
fülle, welche zahlreiche Opfer aus der Kinderwelt fordern und 
diese Epidemie namentlich in Berlin, wo sie bereits eine sehr 
bedeutende Höhe erreicht hat, zum Schrecken der größeren 
Städte machen. Masern und Scharlachfieber lassen in den 
meisten Orten nach, nur in den englischen Städten treten sre 
wieder in größerer Anzahl auf. Die Blattern zeigen sich na- 
mentlich in London von neuem, aber auch in Paris, vermehrt, 
während fie in Wien, Brüssel und in den amerikanischen Städ- 
ten eine bedeutende Abnahme nachweisen. Nervenfieber herr 
schen zur Zeit nirgends in größerer Ausdehnung, auch Fälle 
von Flecktyphus kamen in Berlin nicht mehr zur Beobachtung; 
doch mehren sich daselbst, wie auch in verschiedenen anderen 
Gegenden, in Folge des häufigeren GenasseS von Obst und 
Gurken, die Fälle von Dysenterie, nicht selten mit letalem 
Ausgange. Der GesundhettSzustand in den amerikanischen 
Städten ist ein anhaltend günstiger, nur zeigen sich in den 
meisten derselben unter den Kindern viele Fälle von Dysenterie. 
* Pforzheim, 14. Juli Ein entsetzliches Unglück be> 
traf heute Morgen die Familie des hiesigen Bijouterie-Fabrikan- 
ten Hrn. C. F. Zourdan. Zwei Töchter, blühende Mädchen 
im Alter von 21 und 23 Jahren, wurden in der Frühe des 
Morgens todt in ihrem gemeinschaftlichen Schlafzimmer aufge 
funden. Ein durchdringender Gasgeruch ließ sofort die To, 
deSursache errathen und die Untersuchung der Gasleitung soll 
einen Röhrenbruch im Fundamente in Folge einer Senkung 
der äußeren Theile der Leitung konstatirt haben. Das GaS 
durchdrang jedenfalls im Laufe der Nacht die darüberliegenden 
Böden und Wände und gelangte auf diese Weise in daS zu 
nächst bewohnte Zimmer. Das eine der beiden armen Mäd< 
chen hatte beim Erwachen allem Anscheine nach noch so viel 
Kraft, daS Bett zu verlassen, ohne indeß noch daS Fenster er- 
reichen zu können, denn man fand fie entseelt auf dem Fuß- 
boden hingestreckt. Bon dem sofort herbeigerufenen Arzte Dr 
Thumm wurden die umfassendsten Wiederbelebungsversuche an- 
gestellt, jedoch leider vergebens, da der Tod zu lange vorher 
eingetreten war. DaS Unglück betrifft eine zweite Familie in 
gleichem Maße, da die eine der auf so traurige Weise deS Le- 
benS Beraubten Braut war und der Termin der Hochzeit in 
Kürze bevorstand. 
* üti. Dem „Obw. BolkSfreund" geht aus dem Kan- 
ton Uri folgende launige Korrespondenz zu: Der Kanton 
Thurgau wurde jüngst von Wasser, Aargau von Mücken, Uri 
aber wird gegenwärtig überschwemmt — von HandwerkSbur- 
schen. Ein HandwerkSbursche (wer eS noch nicht wissen sollte> 
ist ein mächtig sich regender, stetS sich bewegender, Meister be- 
trübender, Schnapsflaschen liebender, fünfzigmal vertriebener, 
nirgends wohl angeschriebener, Welt verfluchender, Herberge 
suchender, Schulden zurücklassender, oft in'S RarrenhauS pas- 
sendcr — MeistergradeS-Aspirant. Die Schnecken und Frösche 
konnten zu Mosei^Zeiten im Reiche Pharaos kaum so zahlreich 
gewesen sein, als diese Jndustrieritter eS jetzt hier zu Land 
sind. Niemand weiß, woher sie kommen, und Niemand wriß, 
wohin sie gehen. 
„ES find Schneider, die Jeden anstechen, Schuster, die im- 
mer und überall Pech haben (oder: die ihre Schuhe an die 
Weltausstellung in Philadelphia geschickt haben und inzwischen 
baarsuß laufen), Maurer, die Schlösser in die Luft bauen, 
Metzger, die gebratenen Vögeln nachjagen, Kellner, die Quel- 
len lebendigen Wassers suchen, Uhrenmacher, die vor der 
„Sonne" und in den „Sternen" die Zeit berechnen, Wagner, 
die ein Rad zu viel im Kopfe haben, Förster, die auf keinen 
grünen Zweig kommen, Maler, die meistens Oel am Hut ha- 
den, Gürtler, die das letzte Hemd versilbern, Taugenichtse, die 
AlleS thun und Alles sind u. a. m. Alle diese erscheinen, um 
die Häuser der Straße entlang und andere klassische Stätten 
zu besuchen. Unser Kanton ist allerdings wunderschön, zumal 
wenn man ihn beim Sonnenschein betrachtet. Es ist deshalb 
begreiflich, daß Viele sich sreuen, unsere Berge, Gletscher, Was- 
sei fälle, Krystallhöhlen und andere leblose und lebendige Na- 
turschönheiten zu schauen. Wenn uns aber die Wahl frei 
steht, so wünschen wir unö als Gäste weit eher langbeinige 
Engländer und kupferrothe Amerikaner, als solche fliegende 
Holländer. Leute wollen wir in dieser herrlichen Saison, die 
eher geben alS nehmen. Doch eS lebe das ehrsame Handwerk!" 
* Um einen Mathematiker zu foppen, fragte Jemand: 
„Wenn vier Kälber 360 Pfund wiegen, wie viel wiegt dann 
ein alter Ochse?" — „Stellen Sie sich auf eine Wage, dann 
will ich'S Ihnen ganz genau sagen", erwiderte gelassen der 
Gefragte. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schadler. 
Thermometerstand nach Reaumur in Badnz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Juli 26 
' +10% 
+ 17 , /J +18 
h-ll • 
. 27. 
+12 
+2(M/ 2 
+19 
* 
.. 28. 
+13 
+20 
+ 19 
H 
. 29 
+17 
+21 
+ 18 
n 
30. 
+ li 3 /4 
+20 ^ 
+ 18 
tt 
„ 31. 
+13 
+22 % 
+20 
tf 
August f. 
+14!/ 2 
+17 V4 
+15 
trüb; etw. Reg 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 28. Juli. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 
I 
kr. 
fl. 
kr. ) 
fl. 
kr. 
Korn 
3 
40 
1 3 
15 
3 
05 
Roggen .... 
2 
1 
80 
70 
2 
2 
60 
50 
2 
2 
50 
30 
Türken . . . . 
1 2 
80 
2 
50 
2 
20 
Hafer ...... | 
1 
70 
1 
60 
1 
50 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
2. August Silber 101.65 
20-Frankenstücke 9 94 
Druck von Heinrich Graff in Feldtirch.
        

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