Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/120/
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ReligionSgenoffenschaften befohlen, so daß fortan der Genuß 
der vollen bürgerlichen und politischen Rechte nicht mehr an 
daS GlaubenSbekenntniK geknüpft sei. Da jedoch der Jölam 
die StaatSreligion fei, so liege eS in der Natur der Sache, 
daß auch künftighin das Amt eines GroßwessierS und das 
Amt eines KriegSminißerS Muselmännern anvertraut werde. 
Schweiz. Die Schweizer feiern Heuer wieder ihr eidg. 
Schützenfest und zwar in Laufanne. Die Erfahrungen der 
Schützenfeste in der Dentschfchweiz find laut „Schweiz. Volks- 
freund" in Lausanne gar nicht berücksichtigt worden. Die 
Scheiben sind so ungünstig als möglich plazirt, so daß 
selbst Gewohnheitsschützen auf den Becher als Endzweck ver- 
zichten. Das in Aussicht stehende Defizit ist ein enormes. 
Die Zeiger, lauter Welsche, sind jetzt etwas geübter. An andern 
eidgen. Festen sammelte man die besten Zeiger auS allen Kaw 
tonen, hier durftens natürlich nur Waadtländer sein. Im Stich 
ist. je nur eine Scheibe aufgestellt, während in St. Gallen für 
jede Stichscheibe zwei waren. DaS Gedränge ist widerwärtig, 
störend, händelbnngend. Die Komitemitglieder sind trotzdem 
nicht sichtbar, außer in der Stadt, mit breiter Armbinde Herum- 
bummelnd. Ein Pächter soll die Telegraphendrähte vom Sam- 
stag auf den Sonntag durchschnitten haben, weil er mit der 
Entschädigung von 10,000 Fr. nicht zufrieden war. Sein 
Land liegt hinter den Scheiben, sein HauS daneben. 
Verschiedenes. 
"London, 21. Juli. AuS Allahabad wird ein sonder- 
barer Fall von Selbstmordversuch berichtet, der den Ve- 
dischen Aberglauben unv daS Strafgesetzbuch in verwirrende 
Berührung brachte. Ein Brahmane hatte von einem Gegner 
eine Schuld oder ein Zugestündniß zu fordern. Da er ver- 
gebenS den anderen anging, so wollte er so lange an der 
Thüre desselben sitzen, bis entweder seine Bitte gewährt würde 
oder der Himmel ihn von seinen Leiden erlöste und folglich 
daS Blut des heiligen ManneS auf daS Haupt des Hattnäcki- 
gen fiele. Er „saß" also, die Sache ward ihm aber lang- 
weilig und nützte doch nichts; so erklarte er mit seinem Geg- 
ner nicht länger leben zu wollen, und stürzte sich kopfüber in 
den Dorfbrunnen. Da ergriff den eigensinnigen Schuldner 
Schreck und Reue, er stürzte an die Oeffnung des Brunnens 
und flehte mit angeklammerten Händen und zerknirschtem Tone 
sein Opfer an: mit dem herabgelassenen Seile sich zu retten 
und nur heraufzukommen, eS werde sich schon alles finden. 
Der heilige Mann willigte ein, wieder an der Oberfläche der 
Erde zu erscheinen; da ergriff ihn sein Gegner und — über 
lieferte ihn wegen Selbstmordversuchs der Polizei! 
* WaS ist ein Regen jähr? — Herr R. Billwiller 
in Zürich hält es für ein schlimmes Omen, wenn man schon 
Mitte Juni ein Jahr als Regenjahr bezeichnen muß, wie daS 
Jahr 1876. — In deh 12 Jahren 1864—1875 ergibt sich 
auS den Messungen auf der Sternwarte eine mittlere jährliche 
Regenhöhe von 1101 Millimeter (3^ Fuß). Am 12. Juni, 
an jenem abnormen Regentag, Mittags 12 Uhr, erreichte aber 
die diesjährige Summe bereits genau diesen Betrag und bis 
zum Morgen des 14. hatten wir 1160 Millimeter. Wie also 
auch die übrigen Monate deS JahreS ausfallen mögen, so 
wird doch daS Jahr 1876 ein Regenjahr sein und kaum hin- 
ter demjenigen von 1867 zurückstehen, welches innerhalb der 
letzten 12 Jahre die größte Regensumme, nämlich 1525 Milli- 
meter, aufweist. DaS Minimum von Regen, 725 Millimeter, 
fiel auf daS ausgezeichnete Weinjahr 1865, dessen September 
der einzige Monat in den letzten 12 Jahren ist, in dem gar 
kein meßbarer Regen fiel. 
* Zum Entsetzen der Centennial-Commission in Philadel- 
phia hat sich am 25. v. M. ein junger Amerikaner, der 
nicht im Besitz einer Freikarte war, in die Ausstellung einge- 
schlichen, ohne die obligaten 50 Cents bezahlt zu haben. Der 
Fall ist um so bedenklicher, als Nachahmungen desselben schwer 
zu verhindern sind. Der junge Bürger hat nämlich in der 
Ausstellung das Licht der Welt erblickt. Der glückliche Bater 
wurde vor die Centennial-Commission beschieden, wo ihm hef- 
tige Vorwürfe ob seiner Unvorsichtigkeit gemacht wurden, und 
die hohen Herren beruhigten sich erst, als sie hörten, daß der 
neue Ankömmling „Centennial John" getauft werden solle. 
* Fürst Bismarck trägt bekanntlich im Privatleben einen 
„Calabreser", einen breitkrümpigen Schlapphut. Der „Post" 
wird aus Kissingen bezüglich desselben Folgendes mitgetheilt: 
„Fürst Bismarck schickte seinen Hut zu einem dortigen 
Hutmacher, um ihn aufzubessern. Der Hutmacher ließ sage«, 
für gewöhnlich machte er diese Arbeit nicht, doch weil eS der 
Fürst Bismarck wäre, würde er es recht gern thun. Anderen 
TageS erhält der Fürst seinen aufgefrischten Calabreser zurück 
mit neuem, hellblauseidenem Futter. Im Schaufenster deS 
HutmacherS erblickt man aber unter einer GlaSglolle daS alte 
Hutfutter. Allgemeine Wallfahrt der Kurgäste und Fremden 
zu diesem Schaufenster und brillantes Geschäft deS HutmacherS, 
der den Quadratzoll alteS BiSmarckhutfutter als Reliquie zu 
recht netten Preisen verkauft. Außerdem ist nun hellblaues 
Hutfutter in Kissingen Modefarbe geworden." 
* Ein entsetzliches Unglück hat sich letzter Tage in der 
Strafanstalt von Basel abgespielt. Zwei Gefangene, Marciali 
und Bienz, denen eS gelungen war, auS ihren Zellen zu 
kommen, übersielen nacheinander zwei Aufseher und tödteten 
sie mit Messerstichen Hierauf eilte Marciali zu der Zelle 
eineS^ andern Gefangenen, öffnete sie mit einem hölzernen 
Schlüssel, brachte dem Gefangenen, gegen den er einen 
persönlichen Haß hegte, mehrere schwere Wunden bn* 
schenkte ihm aber daS Leben und erschoß sich nachher, als er 
den Weg zur Flucht versperrt sah, mit einem Karabiner. Bienz 
hatte inzwischen die Flucht in den Hof genommen, den ihm 
nachsetzenden Nachtwächter getödtet, und mit einer diesem ab- 
genommenen Pistole über die Mauer daS Freie gewonnen, 
verfolgt von dem Angestellten Surbeck. Nach einer langen 
Jagd gelang eS dem Letztern, den Bienz in der Nähe deS 
ViavukteS beim Birsig zu stellen, worauf sich dieser mehrere 
Stiche beibrachte und dann verhaftet wurde. ^ 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
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