Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/115/
Meßung RovibazarS durch die Serben dauert fort. Serajewo, 
12. Juli. Der Ausgang des Gefechtes bei Visegrad ist unge 
wiß (Der türkische Bericht meldete eine Niederlage der Ser 
ben.) Die offiziöse „Adria" veröffentlicht folgende Depesche 
•au* Rovibazar, 14 Juli: „3m Angriff auf die türkische 
Festung GSkikesse erlitten die Serben eine blutige Niederlage. 
Nur die Nacht rettete sie — die 4000 Mann stark waren 
vor gänzlicher Vernichtung." — Aus Cetinje haben wir heute 
gar keine Telegramme, ein Zeichen daß man gar nichts, wenig- 
ftenS nichts vortheilhafteS für die Montenegriner, zu melden 
hat. — Die „Triester Zeitung" hat ein Privat-Telegramm 
auS Wien deö Inhalts: daß gleichzeitig mit der Sperrung des 
HafenS von Klek auch die Sperrung des Hafens von 
Hattaro gegen Montenegro erfolgen werde. So hat erstere 
Nachricht einen ganz anderen Sinn und ist nicht als 
eine einseitige, zum Nachtheil der Türken verordnete Maß- 
regel anzusehen. Man sollte daraus schließen, daß man einer 
Verlängerung deS Krieges die Riegel vorschieben will. 
AuS Belgrad, 12. Juli, wird dem „I. deS DvbatS" ge- 
schrieben: „Man beginnt bier zu erkennen, daß man mit Un- 
recht so rasch die. Niederlage der Türken erwartete, und die 
Regierung muß eingestehen, daß die Armee Tschernajeffs noch 
immer vor Risch, also bloß 2*/z Stunden von der Gränze steht; 
daß Zaitschar in den Händen OSman Pascha'S ist, und daß 
die Drina dem Feinde kaum streitig gemacht werden kann. 
Die Citadelle von Belgrad hat, statt gefangene Türken zu 
erhalten, serbische Verwundete in ihren Mauern. Man hatte 
sich so sehr seiner RuhmeSsucht überlassen, daß man an diesen 
Fall gar nicht gedacht hat. „Wir werden sterben, aber wir 
werden siegen!" riefen die Soldaten. Nun wohl, man ist 
nicht gestorben und hat nicht gesiegt. Ich sage dieß um auf 
die große Zahl Leichtverwundeter hinzuweisen. Unter 250 Ver 
wundeten welche der Dampfer „Deligrad" allmählich von 
Schabatz brachte, befindet sich kaum ein Drittel Schwerverwun 
deter. In den Belgrader Spitälern fehlt eS an allem. Der 
Fürst Milan ist sehr niedergeschlagen; er redet kaum mehr; stetS 
ist er von Gendarmen umgeben und besucht das Lager nur 
mit einer starken Eßcorte. An, den militärischen Operationen 
nWmt Ä fernen TKil. ' Zur Munde weiß man selbst nicht 
sicher ob er in Deligrad ist oder ob er nach Tschuprija zurück- 
gekommen. Ich habe Grsinde der letztern Angabe zu glauben. 
In Bulgarien ist der Äusstand Null und in Bosnien nicht 
stärker als vor der serbischen Kriegserklärung. Da alle Führer 
in Belgrad sind und andrerseits die ganze muselmännische Be 
völkerung vom Kopf bis zum Füß bewaffnet ist, so rekrutiren 
sich die Znsurgenten nur schwer." 
Aus Belgrad, 14. Juli, wird dem „Standard" gemeldet: 
daß in den Dörfern an der Save und an der Morawa gegen 
7000 serbische Verwundete in sehr ungenügender Weise unter- 
gebracht sind. Aerzte, Wärter, Bett- und Verbandzeug, über- 
Haupt Vorräthe jeder Art, fehlen — Unter dem 7. Juli wird 
der „Pall Mall Gazette" aus derselben Hauptstadt berichtet: 
daß daselbst ein Armeebefehl erlassen ward, daß alle am Kriege 
teilnehmenden Personen, außer den wirklichen Soldaten, also 
Aerzte, Jntendanturbeamte u. s. w., eine Medaille auf der 
Brust zu tragen haben mit der Inschrift: „Milan I, König 
von Serbien " DaS sei daS erste Zeichen von der wahren 
Absicht und dem Ehrgeize Fürst Milans. Diese Worte ließen 
keine Mißdeutung zu, und würden in Belgrad als politisch 
höchst wichtig betrachtet. Man werde jetzt nichts mehr von der 
Loyalität deS Fürsten hören, eS könne kein Zweifel mehr da- 
rüber bestehen, daß der Krieg die vollständige Loslösung von 
der Pforte bezwecke. Weiter heißt eS in dem Bericht: daß 
Plünderung und Raub in jedem Theile Serbiens im Schwünge 
seien. Die unterschiedslos vertheilten Waffen würden von 
Marodeuren gegen die Landleute benutzt. Da die Polizei- 
beamten größtenteils dem Heer eingereiht worden seien, werde ' 
eS äußerst schwierig diese Räuberbanden anzugreifen und zu 
vernichten, welche sich aus ihrem Vaterland wenig machen und 
jede Gelegenheit zur Ausführung ihrer Raubzüge benützen. 
Der „D< Ztg." wird aus B el gra d zu dem am 6. dS. 
vorgefallenen Kampf an der Krufewatfcher Gränze geschrieben : 
Am 6. d. M. fand bei Blatasch, an der Gränze des Krufe 
watfcher KreiseS, dicht an der Iankova Kliffura, ein wahrhast 
mörderisches Gefecht statt. Eine kleine Abtheilung der Mo- 
rava-Armee stieß auf ein Regiment RedifS, welches von Pro- 
koplje zur Besetzung der Uebergünge über den Beliki Jastrebatz 
abgesandt war. Nach fünfstündigem Gefecht (meist mit dettl 
Bajonnett) floh der Rest der Türken nach Stubala, welcher 
Ort von den Serben besetzt wurde. Die Türken tödteten meh- 
rere verwundete Serben; die Erbitterung gegen die Redifs 
stieg in Folge dessen zu einer solchen Höhe, daß kein Pardon 
gegeben, den Gefallenen die Köpfe abgeschnitten und zwei Py 
ramiden von denselben als — Andenken ausgerichtet würden! 
Ueber die Operationen Tschernajeffs gegen Ak- 
Palanka, bekanntlich 5 Meilen südöstlich von Nisch an der 
großen Straße nach Sophia zu gelegen, erhält die Wiener 
„Presse" den folgenden Bericht auS Pantschowa vom 13. Juli, 
auS welchem auf die Unfähigkeit deS serbischen ObergeneralS 
ziemlich sicher geschlossen werden kann: 
„Nach dem Treffen von Babina-Glava am 3. Juli wurde' 
diese die Straße nach ?lk>Pa!anka und Pirot dominirende, Po- 
sition von Oberstlieukenant Horvatevitsch mit sechs Bataillonen 
Infanterie besetzt, dann starke Abtheilungen gegen Ak-Palanka 
und Pirot vorgeschoben. Die Türken hatten aber die Offen- 
sive gegen Zcmschar ergriffen, und veranlagten dadurch Tscher^ 
najefj den beabsichtigten Vorstoß aus Pirot vorläufig zu sistiren. 
Noch am 3. Juli erhielt das Corpskommando die Nachricht, 
daß die Türken die Besatzung von Pirot verstarken und daß 
sie über Belgradschik die Vereinigung mit der Widdiner Armee 
beabsichtigen. Deßhalb versuchte Tschernajeff W türkischen 
Truppen an der Nischava durch Demonstrationen gegen Ak- 
Palanka und Pirot festzuhalten. Oberst Despotowitsch mußte 
mit zwei Bataillonen Infanterie, einer Eskadron Kavallerie 
und 4 Geschützen gegen Pirot vorrücken und den Feind be-- 
unruhigen. Gegen Ak-Palanka wurde General Etratimiro- 
witsch mit vier Bataillonen, vier Vierpfünder-Batterien, zwei 
zwölfpfündigen Geschützen, einem Pionnier-Batailldn, einer 
Eskadron entsendet. Während dieses Vormarsches ertheitte 
aber Tschernajeff den Rückzugsbefehl, weil er die falsche Nach- 
richl von dem Vorrücken der Türken von Belgradschik gegen 
Pirot erhalten hatte. Spät Nachts kehrte der sich zurück- 
ziehende Stratimirowitsch nach Gornia-Glama zurück. Am 4. 
Juli früh mußte er aber wieder den Marsch auf Ak-Palanka 
beginnen, weil sich die Nachricht von dem Vorrücken der Tür- 
ken aus Belgradschik als falsch erwiesen hatte. Bald darauf 
kam wieder ein Befehl zum Rückzug auf Babina-Glava.. Dort 
um 10 Uhr eingerückt, erhielt Stratimirowitsch einen dritten 
Befehl wieder gegen Ak-Palanka vorzurücken. Er kam um 
12 Uhr mit ermüdeten Truppen bei Gornia«Glama an, ließ 
abkochen und rückte um halb 3 Uhr Nachmittags vorwärts. 
Die Avantgarde bestand aus einer halben Eskadron, einem 
Bataillon Infanterie, einem Zug Pioniere und zwei Vierpfün- 
dern unter dem Kommando des Kapitäns Katschanski. Sie 
hatte bis zur Nischava vorzurücken, und als sie am rechten 
Ufer keinen Feind fand, besetzte sie die Höhe, welche die 
Straße nach Ak-Palanka dominirt. Nach der Meldung dieser 
Avantgarde hatte der Feind mit drei Bawillonen Nizams und 
einer Batterie Ak-Palanka besetzt, und ein Bataillon in der 
Ebene zwischen der Stadt und der Nischava in Jägergraben 
im Halbkreise, mit den Flügeln an die Stadt gelehnt, vorge- 
schoben. Stratimirowitsch zog hierauf die Kruschewatzer Bri- 
gade an sich, ließ die Reserve in Gornia-Glama zurück, traf 
um 4 Uhr Mittags bei der Avantgarde ein Und ließ sofort
        

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