Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/111/
HAneichische Korrespondenzburtau meldet: „Die Reichsstadter 
Kaiserzusammenkunft welche zunächst den Charakter einer rein 
zchrsönkichen Begegnung der Monarchen und ihrer leitenden 
Minitter in sich trug, gestaltete stch so warm und herzlich, daß 
Ak. nach der Versicherung der Betheiligten auf daS beste und 
vollständigste Einverständniß der beiden Staaten schließen läßt." 
Rußland. Räch neueren Mittheilungen befinden sich zur 
Zeit von den 14 russischen Armee-Kavallerie-Divisionen 11 in 
der Nähe der Westgrenze des russischen Reichs und zwar 5 
längS der preußischen, 4 an der österreichischen pnd 2 an der 
rumänischen Grenze diSlozirt. Sämmtlichen Divisionen sind 
je zwei reitende Batterieen beigegeben. Ebenso soll die Fe- 
stungSartillerie deS HauptwaffenplatzeS der russischen Südgrenze, 
der Festung Kiew, um 1 Kompagnie, die von Warschau um 
5 und die von ÄowogeorgiewSk um 10 Kompagnien verstärkt 
werden. 
Berichte auS Odessa melden über eine äußerst ledhafte, 
feit vielen Hthren . nicht gelch««e Thätigkeit in de», russischen 
Hißtn des schwarzen Meer^ Es wird eine grüße FlotMe 
ausgerüstet. Zwanzig Kanonenboote find schon bereit gestellt, 
die so eingerichtet sind, daß sie die Donau befahren können. 
In Riklajeff wird.. ;Line. .gleiche Mnzadl ' .von Monitors und 
Panzerkorvetten vollständig bewaffnet. 
Polnische Nachrichten Melden, daß 50,000 Russen mit 
OM Attilleriepiltk bei Luck stehen; ebenso sollen sich russische 
Genieoffiziere in der ÄSeichselgegend aufhalten. Alle in Bädern 
verweilenden russischen Offiziere sind einberufen worden. 
Ehiua. Der „Rorth-China-Herald" berichtet auS China 
fttoriir ^ , welche gegen die Christen 
gerichtet waren und durch ein dem literarischen Kanzler der 
Provinz beigemessenes Schriftstück hervorgerufen worden sein 
iMen, folgende Einzelheiten: Unruhen brachen auS um die 
Zeit deS 7. April und seitdem bis zum Eintreffen der letzten 
Rachrichten dauern Plünderung, Mord und Brandstiftung ohne 
Unterlaß fort. Am 24. April waren 300 Häuser geplündert, 
zerstört yder niedergebrannt, 14 Christen waren ermordet, dar- 
Unter zwei kebendig verbrannt worden; eS wurden sogar meh- 
!ere Richtchristen gehörige Häuser in Brand gesteckt und vier 
?eiden getödtet, weil sie ihren christlichen Nachbarn zu helfen 
uchten. Weit entfernt, diesen Scheußlichkeiten Einhalt zu thun, 
ieß der oberste Beamte zu Kiang-Peh am 22. April auS- 
trommeln, daß, wer den Christen helfe, gleich ihnen behandelt 
werden solle. Auch die Behörde von Tschungking hat keine 
große Neigung gezeigt, die Ordnung wieder herzustellen. Er 
hat k^we Moklamativn erlassen und We wirksamen Schritte 
tn dieser Richtung gethan; die natürliche Folge ist, daß die 
Unruhestifter sich von den Mandarinen begünstigt glauben und 
dadurch noch verwegener werden. 
Nordamerika. Die Säkularfeier der amerikanischen Un 
abhängigkeitserklärung hat den 4. Juli in Philadelphia in 
nachstehender Weife stattgefunden: Die deutschen Vereine zogen 
um 8 Uhr Morgens in den Fairümount-Park und enthüllten 
dort die in Berlin gegossene Statue Humboldts. Es wurden 
babei Reden in deutscher und englischer Sprache gehalten. 
Etwas später bewegten sich die Mitglieder ver katholischen 
MäßigkeitSvereine durch die Straßen der Stadt und wohnten 
nach Anhörung einer Messe der Einweihung eines von ihnen 
-errichteten, mit der Bildsäule von Charles Carroll geschmückten 
Brunnens bei. Die Festrede hielt CarrollS Enkel, der gleich-- 
namige Gouverneur von Maryland. Ebenfalls im Laufe deS 
Morgens fand ein militärischer Aufzug statt. Die Mann- 
schasten in der Stärke von 10,000 Köpfen waren aus Truppen 
von allen Theilen der vereinigten Staaten zusammengesetzt, 
steine irgendwie an den Sezessionskrieg erinnernden Fahnen 
oder Feldzeichen wurden von den Truppen geführt. Die von 
der Bevölkerung mit lauten Zurufen begrüßten Soldaten hielten 
sich trotz der großen Hitze musterhaft. Bor der Jndependence- 
Hall fand die Besichtigung der Mannschaften durch den ®i* 
neral Sherman, den Prinzen OSkar von Schweden, den Kriegs- 
minister, die Gouverneure der verschiedenen Staaten und die 
anwesenden Kongreßmitglieder statt. Die offizielle Festlichkeit 
wurde kurz nach 10 Uhr Morgens auf dem Jndependence Sqüütt 
vor einer aus allen Theilen der Welt zusamckengestrKmttli auS- 
erlesenen Gesellschaft abgehalten. Unter den Festgenossen bt* 
fanden sich der Kaiser von Brasilien, Prinz OSkar von Schwedens, 
der britische Gesandte Sir Edward Thornton, der GouvernM 
HayeS sowie die Generale Sherman und Sheridan. ' Den 
Mittelpunkt der zumeist auö GesangSvorträgen bestehenden 
Feierlichkeit bildete die Vorzeigung und Verlesung deS Originals 
der Unabhängigkeitserklärung. Präsident Grant war nicht in 
Philadelphia erschienen, sondern in Washington geblieben. 
Ueber die Niederlage der Unionssoldaten im Kampfe gegen 
Indianer hat die „TimeS" eine ausführliche Depesche, auS der 
wir die noch nicht bekannten Einzelheiten hier folgen lassen. 
General Küster, welcher den Hauptangriff mit 5 Kompagnien 
leitete fiel in einen Hinterhalt in einer tiefen ISchlucht. Die 
ganze Gruppe ward niedergemetzelt, darunter Küster selbst, 4 
seiner nächsten Verwandten und 17 Offiziere, im Ganzen 313 
Mann. Nach dem Gemetzel umringten die Indianer Majot 
Reno'S 4 Kompagnien auf einem Hügel und hielten sie dort 
einen ganzen Tag lang fest. Schließlich gelang eS ihm sich 
mit den 3 Reservekompagnien zu vereinen. General Gibbon 
vereinigte sich darauf mit Reno. Letzterer hatte 31 Verwun 
dete unter seiner Truppe. 
Verschiedenes. 
* General Tschernajeff. Der »Pester Lloyd" eyt- 
hält folgende Charakteristik deS russischen Ex-GeneralS, welche 
von dem Orientreisenden H. Vambery herrührt: „General 
Tschernajeff, die einzige militärische Persönlichkeit— von einer 
Capacität kann bei dem Manne, wie der Leser sehen witd, 
vorderhand noch keine Rede sein — in welche daS kriegslustige 
Serbenvolk heut ein so unbegränzteS Vertrauen setzt, gehört 
in jene Kategorie russischer AktionSmänner, die eben nur iy 
der mehr asiatisch als europäisch gefärbten Gesellschaft deS 
großen nordischen .Reiches anzutreffen sind und auch schon 
deßhalb eine flüchtige Skizzirung verdienen. Früher, wenn ich 
nicht irre im Anfang der 60er Jahre, war Hr. Tschernajeff 
noch russischer Generalconsul in Belgrad, folglich Diplomat 
von Profession, und so war die Welt nicht wenig erstaunt 
diesen Herrn beim Beginn deS Kampfes gegen Chokand im 
Jahr 1864 als Krieger und noch dazu als leitenden General 
austreten zu sehen, in welcher Eigenschaft er an die Spitze je- 
neS OperationSeorpS gestellt wurde, welches mit dem Vordrin- 
gen von Fort PerowSky (früher Alt-Meödfchid) gegen Tafch- 
kend betraut war. In Centralasien militärische Lorbeeren zu 
pflücken, war den Russen allezeit ein leichtes Spiel, wenn wir 
in Erwägung ziehen, daß ein wohlbewaffnetes reguläres Heer 
- einem irregulären schlecht bewaffneten Haufen Asiaten, die vom 
Pflug oder von der Werkstätte gewaltsam weggerissen wurden, 
gegenüberstand. Noch mehr aber war dieß der Fall in letzte- 
rer Zeit, als Chokand nämlich, durch den Krieg mit Bo'charä 
und durch seine inneren Girren gänzlich geschwächt, zu jedem 
Widerstände völlig unfähig war Im Osten deS ZaxarteS- 
ThaleS herrschten Sarten und Bocharioten, im Norden hin- 
gegen Kiptschäken unter Alemkul, und als Tschernajeff nach 
dem sogenannten Siege vor Huzreti Turkestan und Aulia^Ata- 
Taschkend, der zweiten Handelsstadt Mittelastens, sich näherte, 
ward die Besetzung dieses allereingS wichtigen Postens ihm
        

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