Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/106/
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Regierung gieng an dessen Bruder Johann Joseph über, der 
Keldmarschall-Lieutenant in der österreichischen Armee war und 
bereits I i Feldzüge mit großer Tapferkeit und Auszeichnung 
mitgemacht hatte. 
Vaduz, 4. Juli (Eingesendet.) Wassergefahr in 
Ruggell. Die Berichte über Wasserverheerungen, welche 
Mitte Juni — insbesondere auch in dem nordöstl. Theile der 
Schweiz — stattgefunden haben, lauteten entsetzlich, wie dies 
schon in der vorletzten Nummer dieses Blattes näher gemeldet 
wurde. Viele Menschenleben gingen zu Grunde; der Ge- 
sammtschaden soll über 20 Millionen FrcS. übersteigen. — 
Nicht ohne Grund sahen in di?sen verhängnißvollen Tagen die 
Anwohner deS Rheines mit Bangen auch einem ungewöhnlichen 
Anschwellen deS Rheines entgegen; derselbe stieg jedoch gegen 
alleS Erwarten nicht höher alS 10' über den Winterwasser- 
stand ->7- eine starke Mittelhöhe, bei welcher die Halbhochwuhre 
nur schwach überstuthet wurden. In den Unglücksjahren 1868 
und 1872 erreichte das Wasser im geschlossenen Korrekt. Fluß- 
bette eine Höhe von 14—15'. 
Seit jenen SchreckenSiahren, welche den beidseitigen Rhein- 
thalbewohnern so verderbenbringend waren, sind auch auf der 
liechtensteinischen Seite große Anstrengungen gemacht worden, 
um ähnliche Katastrophen fern zu halten. Nicht nur sind die 
zu niedrig befundenen Binnendämme auf Landeskosten durch- 
gehendS erhöht und verstärkt worden, sondern eS wurde auch 
die theilS aus Hoch- theilö auS Halbhochwuhren bestehende 
KorrektionSlinie bereits geschlossen und damit endlich dem Was- 
ser ein regelmäßiger ruhiger Abfluß verschafft, dessen große 
Geschwindigkeit, die den Wuhrfundamenten so verderblichen 
Querströmungen nicht mehr zuläßt. Nur an zwei bemerkenS- 
werthen Stellen hat die KorrektionSlinie noch nicht Platz ge- 
griffen : die eine befindet sich im Heitoose bei Triefen, die an» 
dere beginnt zirka 20 Minuten unterhalb Ruggell und erstreckt 
stch in einer Länge von 500 Klafter bis nahe an die österr. 
Grenze bei BangS. Beide Linien sind den Angriffen deS 
Rheines vermöge seiner Querströmungen stark ausgesetzt — 
nur mit dem wesentlichen Unterschiede, daß die erstere mit ei- 
nem alten soliden Steinwuhr gesichert ist und hohes Hinterland 
hat, letztere aber diesen Schutz fast gänzlich entbehrt. Eö 
konnte daher kaum überraschen, daß, wie seit einer Reihe von 
Jahren, auch heuer wieder bei mittelhohem Rheinstande, wo 
die Querströmungen im erweiterten nicht regulirten Bette am 
heftigsten sind, die bezeichnete alte Uferlinie unterhalb Ruggell 
wieder stellenweise unterwaschen und gefährdet wurde. Man 
war zwar glücklicherweise mit den üblichen SicherungSmaßre- 
gel» durch Einhängen von großen Tannen ic. gleich bei der 
Hand. Nun glaubte man (24. Juni) nach angestrengter Ar- 
beit der Gefahr entronnen zu sein und daS Ufer.gesichert und 
befestigt zu haben. Allein das noch zu schwach geschützte Ufer 
war 20' tief untergraben und der Anprall deS Wassers auf 
dasselbe war zu heftig, um widerstehen zu können. Die be- 
drohte Linie erreichte bald eine Länge von 100 Klafter und 
daö Vorland wurde bis zum Dammfuße weggerissen. Die 
Kräfte der Gemeinde reichten nicht mehr aus, um diesem ge- 
waltigen Angriffe mit Erfolg entgegnen zu können: eS mußten 
die benachbarten Gemeinden zu Hülfe gerufen werden, welche 
die letzte ganze Woche die größten Anstrengungen machten, um 
einen Rheineinbruch abzuwehren. Die österr. Gemeinden 
BangS und NofelS, welche im Unglücksfalle selbst stark 
dieser Überschwemmung ausgesetzt worden wären, lieferten den 
hart bedrängten Ruggellern auf die freigebigste Weise ein 
großes Quantum Faschinenholz auS ihren eigenen Auen; über- 
Haupt hat man deren nachbarlichen Hülfe zum großen Theil^ 
die Abwendung des schweren Unglückes zu verdanken. 
Wir .wollen hoffen, daß eS dieser Tage noch gelingen wird, 
die Gefahr ganz zu beseitigen; wir neigen unS aber auch--,d«r 
Hoffnung hin, daß endlich der Tag hereingebrochen sein wW, 
an welchem man zur Erkenntniß gelangte, daß daS schon längst 
gepredigte Wort: „nur durch Sch nel lbauen kann Ruggell 
noch Heil und Rettung finden" stch nur zu sehr erwahrt hat. 
Ruggell ist in srühern Jahren mit seinen WuhrkorrektionSbauten 
zu weit zurückgeblieben, um die plötzlich in der.Neuzeit nöthig 
erscheinenden, sich über die ganze Linie erstreckenden Wuhrbau- 
ten, allein ohne größeren Zuzug auswärtiger Arbeitskräfte unv 
ohne ein größeres Wuhrbauanlehen bewältigen zu können. 
Ausland. 
DaS, waS man schon längst befürchtet, ist nun eingetrof- 
fen. Der Krieg zwischen Serbien - Montenegro 
und der Türkei ist eine Thatsache. 
Nachdem schon vor einigen Tagen gemeldet worden, daß 
die Bemühungen der Mächte, Serbien vom Krieg abzuhal- 
ten, gescheitert seien, wird nun neuerdings berichtet, dieselben 
verzichten aus alle weiteren Vorstellungen und speziell Ruß- 
land und England, die beiden im Hintergrunde stehenden gro- 
ßen Gegner, seien übereingekommen, Serben und Türken den 
Kampf allein auSfechten zu lassen. Wie lang dies Ueberein- 
kommen fortbestehen kann, wird die Folge lehren. 
Die Dinge werden nun also ihren Lauf nehmen. Am 4. 
Juli sollen seitens Serbiens, das seinen FeldzugSplan mit er- 
staunlicher Naivetät der Oeffentlichkeit preisgibt, die eigentli- 
chen militärischen Operationen begmnen. Bereits sollen aber 
einzelne Frelschaaren die Grenze gegen Bosnien und die Her- 
zegowina an der Drina und bei Uziza überschritten haben. 
Die Streitmacht Serbiens, aus dem kleinen stehen- 
den Heer und der Miliz bestehend, zerfällt in drei Armeen. 
Im Nordwesten steht die Drina-Armee unter dem Kom 
mando von A l i m p i t ö, dessen Hauptquartier zur Zeit gegen- 
über Zwornik, wo sie die Drina überschreiten soll, um in BoS- 
nien einzurücken. Sie ist etwa 30,000 Mann stark. DaS 
Centrum bildet die West-Morawa-Armee unter Generat 
Zach mit dem Hauptquartier Taschak. Sie ist etwa 22,000 
Mann stark und soll die Engpässe" nach Altserbien forciren, um 
bei Prizend den Montenegrinern die Hand zu reichen. Zach 
ist Artilleriegeneral und hat daS schweizerische Geschützsystem 
in Serbien eingeführt, daS sich nun hier im blutigen Ernst 
zu bewähren Gelegenheit haben wird. Der Schwerpunkt der 
Kriegsoperationen liegt aber bei der Südarmee, welche auch 
die weitaus stärkste, denn sie zählt etwa 50,000 Mann unter 
dem in serbische Dienste übergetretenen russischen General 
Tschernaje ss, der zur Zeit sein Hauptquartier in Alexinats 
hat. Aber nicht nur an Zahl ist dies die stärkste der drei 
Armeen, sondern auch was die Qualität betrifft; denn sie ist 
gebildet auS dem stehenden Heer und der ersten Milizklasse. 
Die ihr gegenüberstehende türkische Armee ist jetzt noch mime 
risch schwächer, stützt sich aber auf das starke befestigte Lager 
von Nissa und zieht in aller Eile bedeutende Verstärkungen 
aus Kleinasien an sich. 
Die KriegSproclamation deS Fürsten Milan lautet nach 
der „Polit. Corresp." wie folgt: 
„An mein theures Volk! Ein Jahr ist eS bereits seit un- 
sere Brüder in Bosnien und der Herzegowina zu den Waffen 
gegriffen haben, um sich gegen zügellose Willkür und Gewalt- 
thaten zu vertheidigen. 
Ihre Leiden fanden stetS einen Wiederhall in unseren brü 
derlichen Herzen, und als im Vorjahr ihre Klage aufs neue 
sich erhob, erklärte ich unserer VolkS-Skupschtina: daß ich 
selbst in den Grenzen unserer schwachen Kräfte dahin wirken 
werde einen erfolgreichen Modus ausfindig zu machen, welcher 
die endliche Beruhigung der insurgirten Gegenden, deren Schick- 
sal unS nicht gleichgiltig sein kann, bewirken könnte. Ich sagte 
»
        

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