Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/103/
V 
«rfüllt. Schon bei Omatzka, welches 3 Stunden vom Lager 
der letzteren entfernt ist, stießen sie auf einen Vorposten der- 
-selben, der, ohne von den Türken auch nur gesehen zu werden, 
Hch eiligst in die Wälder zurückzog, und das Gros der Auf- 
ständischen allarmme. Diese würden sich bei weniger Vorsicht 
in grsßer Gefahr befunden haben, denn sie waren auf keinen 
Angriff gefaßt und hatten sich in den Umgebungen zerstreut. 
Doch wurden sie rasch wieder gesammelt und eilten bis Zelovatz 
den Türken entgegen. Dort nahmen sie eine sehr günstige 
Stellung auf den mit Bäumen besetzten Höhen, welche den 
Weg beherrschen. Die Türken welche nicht darauf gefaßt warev 
den Insurgenten hier zu begegnen, rückten ohne Argwohn in 
langen Reihen auf der Straße vor, und waren nicht wenig 
verdutzt als sie plötzlich von einem lebhasten Kleingewehrfeuer 
aus dem Dickicht des WaldeS begrüßt wurden. Die Ueber- 
raschung dauerte jedoch nicht lange, sie schloffen ihre Reihen 
dichter und rückten entschloffen zum Angriff vor. Eine halbe 
Stunde später hallte das ganze Thal der Gominatza, welche 
den Fuß des Kosaratz bespült, vom Kleingewehrfeuer der 
Kämpfenden wieder. DaS Gefecht dauerte 6 Stunden, ohne 
daß es den Türken gelang die Höhe zu erstürmen und die 
Insurgenten aus ihren Stellungen zu delogiren. Im Gegen- 
Heil, ibre Reihen fingen an zu wanken. Als die Insurgenten 
dieß bemerkten, ergriffen sie ihre blanken Waffen und stürmten 
mit wildem Geschrei auf die Türken herab, worauf sich ein 
erbittertes Handgemenge entspann. Zuletzt ergriffen die Türken 
die Flucht und ließen ihre Vorräthe und einen Theil ihrer 
Munition in den Händen der Insurgenten zurück. Diese be- 
haupten die Türken hätten 450 Todte in diesem Gefechte ge- 
habt. Diese Angabe kann wohl übertrieben sein; da jedoch 
die Türken selbst eingestehen daß sie sich gezwungen sahen vsr 
den Znsurgenten zu weichen, so wird jeder der das Wehklagen 
und Jammern der türkischen Weiber in Dubitza und Costai- 
nitz, welche ihre Männer, Brüder und Söhne beweinten, ge- 
hört hat, nicht zweifeln können daß die Türken ein paar hun- 
dert Mann verloren haben müssen. — Auch auf anderen 
Punkten hat eS nicht an Kämpfen gefehlt. 
So erzählt der bekannte Jnsurgentenführer Golub: er habe 
vorgestern mit 2500 der Seinigen ein Gefecht bestanden, das 
jedoch für ihn keinen glücklichen Ausgang hatte. Die Türken 
hatten keinen Todten und nur etwa 30 Verwundete; dagegen 
hatten die Insurgenten 15 Todte und dreimal so, viel Ver- 
wundete. Der gefürchtete Hadschi Atis Pey überfiel deS NachtS 
mit seinen Schaaren die Dörfer von Ossoitza, Gubenitza und 
Äalendarovitz; mehr als die Hälfte der Bewohner wurde nie- 
dergemetzelt und die Dörfer in Asche gelegt. In Türkisch- 
Brod wurden drei gefangene Insurgenten von dem türkischen 
Pöbel gepfählt, so daß man die Unglücklichen vom österreichi 
schen Sar-Ufer aus sehen konnte. Diese letzte Unthat hat zur 
Folge gehabt, daß die Bevölkerung der Distrikte von Brod 
And Dervente, die sich beinahe gänzlich beruhigt hatte, neuer- 
dingS zu den Waffen gegriffen hat. Der Aufstand lodert jetzt 
hell in östlicher Richtung bis Dabor und bis zum Flusse BoSna. 
Bon einem Waffenstillstand und seinen Wirkungen ist bis jetzt 
nichts zu merken. 
Montenegro. Nach einem, der „Polit. Corr." aus Ce- 
tinje, 14. d. M., zugesandten Bericht scheinen selbst die an 
den Fürsten Nikitza auS EmS gerichteten zum Frieden rathen- 
den Weisungen nicht ganz den erwünschten Erfolg gehabt zu 
haben. „Die montenegrische Regierung/' so heißt eS in dem 
erwähnten Bericht, „ist fortwährend diplomatisch und militärisch 
thätig. Ohne daß man hier noch viel vom Krieg spricht, so 
legt man doch nicht die Hände ruhig in den Schoß. Man 
präparirt sich sichtlich für alle denkbaren Falle. Der Kriegs- 
minister Plamenatz arbeitet täglich mehrere Stunden mit dem 
Fürsten. Der Minister deS Aeußern, Radonitz, ist in einer 
Mission nach Ems geschickt worden. Bozo Petrowitfch, der 
Senatspräsident, bereist die NahijaS und prüft die Ausrüstung 
der Wehrfähigen. In diesen drei Thatsachen gipfelt die Stg- 
natur der hiesigen Sachlage. Daß man trotz der von EmS 
erhaltenen eindringlichen Winke, sich ruhig und defensiv zu 
verhalten, doch alle Vorkehrungen trifft um kriegsbereit zu sein, 
scheint mehr in der Erwartung seinen Grund zu haben, daß 
die Dinge in Konstantinopel selbst eine Wendung nehmen wer- 
den, welche Montenegro vollkommen vorbereitet finden müsse. 
WeiterS wird darauf gerechnet, daß alle PacifieationSvnHand- 
lungen mit den Herzegowinern, an welchen in diesem Augen- 
blick wieder gearbeitet wird, vergeblich bl-iben werden. In den- 
selben Kreisen trägt man sich mit der Illusion: die Jnjurgen- 
ten in der Herzegowina werden in kurzem den Fürsten Nikitza 
zum Fürsten der Herzegowina ausrufen. Wir bezeichnen dieß 
als Illusion, weil eS Thatsache ist, daß nur wenige der Zn- 
surrektionschesS in der Herzegowina Sympathien für Monte- 
negro haben. Gerade erst in den letzten Tagen wurde im 
Hauptlager der Aufständischen abermals für die Einsetzung 
einer „provisorischen Regierung" stark agitirt, und diese Agi 
tation ist sehr mißliebig aufgenommen worden. Rur der Ener- 
gie, die der Senatspräsident Petrowitfch sofort entfaltete, hat 
man es hier zu danken, daß die Aufständischen daS Projekt 
wieder fallen ließen. Trotzdem wird der letzte Zielpunkt der 
montenegrinischen Politik die Vereinigung der Herzegowina 
mit Montenegro, sich nicht leicht erreichen lassen. Ein sehr 
bedeutender Bruchtheil der Bevölkerung in der Herzegowina 
perhorreseirt dieses ihm bestimmte Glück, ganz abgesehen von 
den 75,000 Mohammedanern, die sich gegen eine solche Anne 
xion bis auf daS äußerste wehren würden. 
Verschiedenes. 
* Ueber die internationale SchuhauSstellung berichtet ein 
Korrespondent eines SchweizerblatteS von Bern: 
- In 16 Zimmern und Sälen der neuen Anstalt auf der 
hohen Schanze breitet sich dermalen die internationale Schuh- 
Ausstellung auS. International, weil das -ursprünglich klein 
beabsichtigte Werk nach und nach Theilnahme und die AuS- 
stellung Beschickung gefunden hat auS Deutschland, Oesterreich, 
Frankreich, Italien, Norwegen, Schweden, Dänemark, England, 
Rußland, Wallachei und Amerika. 
ES finden sich da zusammengestellt die Werkzeuge und Ma- 
schinen, Leder und Fournituren jeder Art, fertige Schuhe und 
Stiefel für jedweden Bedarf. 
Wir finden also zierliche Maschinen, welche auf ejnen 
Schlag das Oberleder oder die Sohlen schneiden, welche die 
Sohle mittelst Schrauben, Holz- oder Eisenstiften oder einer 
Naht aufsetzen, welche die Ränder und die Sohlen putzen 
und poliren oder andere Hilfeleistung besorgen. Diese Ma- 
schinen fertigen unter der Hand eines Mannes in ihrem Zweige 
200 bis 400 Paar Schuhe per Tag. Zierlich dreht sich der 
eingesteckte Messingdraht zur Schraube auS und in die Sohle 
ein zu gleicher Zeit. Eine wie eine große Uhrfeder gerollte 
und eingestellte lange Holzspirale wird im raschen Schlag der 
Maschine in Holzstifte zerlegt und in die Sohlen eingetrieben. 
Nähmaschinen jeder Art stehen in langer Reihe und klappern 
leiser oder lauter, sobald sie bewegt werden. 
Unter den vielen, zum Theil in besonderen GlaSschrünken 
und zierlich geordneten Sammlungen von Leder zeichnet sich 
auS die Sammlung des russischen KriegSministeriumS; daS 
beste und schönste jedoch kommt aus der Schweiz, auS Frauen- 
feld und St. Gallen. 
Garne und Faden zum Nähen, ElastiqueS, Bänder, Stifte 
u dgl. sind reichlich vertreten; selbst Chemikalien, Fette und 
Wichsen fehlen nicht. 
Die reiche Echuhsammlung, bestehend in mehr als 3000 
Paaren, zum Theil oder ganz vollendet, zeigt wie reichhaltig 
das Bedürfniß ist. Schuhe für Kinder, geschmückt wie Ma-
        

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