Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1876
Erscheinungsjahr:
1876
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1876/100/
V 
Meister Studio verstand sich auf's Bauchreden.) Verdutzt 
sehen Engländer und Russen unfern Freund an. „Pigoliste J" 
— beginnt ein Russe, „das Hund spreckte!" — „Allerdings! 
monsieur", erwiederte der auf diese Frage vorbereitete Musen- 
söhn vergnügten Sinnes. Diesen Hund habe ich schon drei 
Jahre, ich habe ihn vollständig ausgebildet. „Nicht wahr?" 
Stimme von unten: „Allerdings!" — Ein Engländer fragt 
sodann: „Would you seil me this doh, wath is the price?" 
„Wolle Sie mich verkauf das Bestie? WaS kost?" Stimme 
von unten: „Js »ich!'' „Sie hören, mein Herr, das Thier 
will nicht!" Siegel hat mich seinerzeit 100 Thaler gekostet, 
ich würde ihn nicht für 300 geben. „Pagaloifte!" ruft der 
Russe, ich Ihnen geb 350." — „Goddam", ruft der Englän 
der, „ich zahl 400! all right?" — Stimme von unten: „Wal 
ick mir davor koofe!" — „500" brüllte der Russe, indem er 
fünf Scheine ä 100 Thaler dem Studenten hinschiebt. — 
„Auf keinen Fall, ich verlasse meinen Herrn nicht!" „Z dum 
mes Zeug!" antwortete ärgerlich der Student seinem Hunde, 
indem er ihm zum Russen unter den Tisch hinüber schiebt. — 
„Da sehen Sie, mein Herr, wie treu das Thier ist. Apropos, 
er heißt „Siegel", er ist außerdem recht gefräßig. Bellt oder 
spricht er mal zu laut, dann schlagen Sie ihm nur gehörig 
auf's Maul! Die Sache ist abgemacht. Er gehört Ihnen/' 
Gprach'S und steckte die 500 Thaler in das gähnend leere 
Portemonnaie. Aber da ertönte eö zum letzten Male von 
linten: „Verkauft hat mich zwar mein Herr gegen meinen 
Willen! Mit einem Jeden spreche ich nicht. Von heute ab 
spreche ich mit Niemand mehr." 
* Köchin: „Aber Milchfrau, daS ist ja Wassel, was Ihr 
mir da gebt." Milchfrau: „Donnerwetter, da habe ich ver- 
gessen, die Milch zuzugießen/' 
* In der Spielhölle zu Monaco hat jüngst ein Russe an 
zwei Abenden 800,000 Fr. verloren. Als er die letzte 500- 
FraneS-Note verspielte, erhob er sich und rief lächelnd: „Don- 
nerwetter, nun bleibt mir nicht einmal etwas für ein Souper 
übrig." Einer der Croupiers hörte diese Worte und Heilte 
sie dem Direktor der Bank mit. Dieser erklärte dem Russen, 
ihm gerne aus der Verlegenheit helfen zu wollen, und bot 
ihm 500 Fr. an, welche auch angenommen wurden. Auf der 
Quittung über die Summe nannte stch der Spieler „Graf 
Tfchitschagow aus Moskau." Im Besitze von 500 Fr. begab 
ßch der Graf nach dem Restaurant und lud dort noch mehrere 
Spielgenossen zu einem Souper ein. Als dasselbe beendet 
war, sprach er den Wunsch aus, sofort nach dem nahen Men- 
tone zu fahren. Ein Wagen war bald zur Stelle, welcher 
den Grafen nach Mitternacht nach Mentone bringen sollte. 
Als der Kutscher dort eintraf, bemerkte er zu seiner Ueber- 
raschung, daß sein Passagier unter Zurücklaffung von Hut, 
Mantel und Handgepäck verschwunden war. Wie es stch 
später herausstellte, hatte der Graf an einer Stelle der Straße, 
die an einem tiefen Abgrunde nach dem Meere zu vorüber 
führte sich in diesen gestürzt, wo sein furchtbar verstümmelter 
Leichnam von Fischern gefunden wurde. , 
* Eine Gefahr für das tägliche Brod. Unter 
diesem Mahnruf veröffentlicht in der „Gartenlaube" Dr. I. 
Erdmann eine Mittheilung, welche allseitig die größte Beach- 
tung verdient. Danach versandte kürzlich eine Firma in Rotter- 
dam an verschiedene Mühlenbesitzer in der Provinz Hannover 
. Proben von Kunstmehl. Dieses »Kunstmehl", welches in 
seiner äußern Beschaffenheit eine täuschende Aehnlichkeit mit 
^Kornmehl zeigt, ist nach der mikroskopischen und chemischen 
Prüfung deS Dr. Erdmann nichts weiter als ungeglühter, 
schwefelsaurer Kalk, welcher in 2 Sorten für 7 und 8 M. 
per 100 Kilo frei ab Rotterdam versandt wird. Die Vor- 
theile für Müller und Bäcker bei Verwendung dieses Kunst- 
mehlS zur Vermischung mit reinem Mehl liegen auf der Hand, 
wenn man bedenkt, daß Roggen- und Weizenmehl drei- bis 
viermal theurer ist. Der pulverisirte Schwerfpath, welcher 
sich vorzugsweise in elsässer und französischen Mehlforten 
gezeigt hat, scheint also in dem holländischen Kalk einen wür- 
digen Konkurrenten bekommen zu haben. In Bayern sind» 
derartige gefälschte Mehle massenhaft zum Verkauf gekommen. 
„ES ist ein beklagenswertes Zeichen der Zeit", sagt Dr. 
Erdmann mit Recht, „daß die Verfälschungen der Genuß- 
und Nahrungsmittel immer mehr um stch greifen. Man fälscht 
das Mehl, die Milch, die Butter, den Thee, Kaffee, Essig, 
Pfeffer, Zimmet und Zucker, den Wein, das Bier :c. ' ES ift 
die höchste Zeit, daß diesem Unwesen der Nahrungsfälschungen 
ein Ziel gesetzt wird!" 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: Dr. Rudolf Schädler 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 16. Juni. 
Der halbe Metzen 
' beste 
mittlere 
geringe 

UL 
Jrj 
jjJ 
kr. 
LJL 
kr. 

3 
40 
1 3 
15 
3 
05 
Roggen . . . . | 
2 
80 
2 
60 
2 
50 
Gerste 1 
9 
70 
2 
50 
2 
30 
Türken . . . . 
2 
80 
2 
50 
2 
20 

1 
70 
l 
60 
1 
50 
Thermometerstand «ach Reaumur in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Juni 14. 
+10 
+15% 
+13% 
trüb 
, 15. 
+ 9 
+18 
+12 
fast hell 
» 16. 
+12 
+17 
+ 10 
trüb; Reg. 
. 1? 
+ 7% 
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+11 
ir 
18. 
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+16 
+13% 
halb hell 
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+ 
+17 Vi 
+17 
hell 
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+11 
+19'/2 
+19 
H 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
21. Juni Silber ... 102,50 
20-Frankenstücke 9.62 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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