Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/93/
- Dritter Jahrgang. 
Vaduz, Freitag 
24. 
den 11. Juni 187S. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag, ^ie kostet für das Inland ganzjährig S fl , halbjährig i fl. sgyM 
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Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterliindifchen Geschichte. 
48. 
Bevor wir einem neuen Herrschergeschlechte unseres Landes 
unsere Aufmerksamkeit zuwenden, wollen wir einige Zustande 
und Verhältnisse berücksichtigen, wie sie die Zeit mit sich brachte, 
bei der.wir angelangt sind. WaS jedoch die geistige Beweg- 
ung dieser Periode betrifft, so wird dieselbe später eigens be- 
handelt werden, hier mögen, waS die allgemeine Geschichte an- 
geht, nur ein paar politische Momente ihren Platz finden. 
Die Kriegsmacht bestand, wie schon auS dem Schweden- 
kriege ersehen werden konnte, nicht mehr, wie früher, nur aus 
Herren und Rittern, sondern daS. gemeine Volk bildet jetzt den 
Kern der Heere. Diese nichtadeligen Krieger hießen Lands- 
knechte, waren ohne Schild und trugen-lange Spieße, Helle- 
Parten und Schlachtschwerter. Sie wurden um-Sold gewor 
ben und verhalfen in manchem Feldstreite zum Siege. Um 
Übrigens den vielen Fehden zwischen den einzelnen Herren ein 
Ende zu machen, setzte Kaiser Maximilian I. die Reichskam- 
mergerichte ein. Zur Ausrechterhaltung des Landfriedens theilte 
er ferner das Reich in 6 Kreise', denÄ KreiSdirektoren vor- 
stehen sollten. Unsere Landschaft gehörte zum schwäbischen 
Kreise, dessen KreiSdirektoren der Bischof von Konstanz und 
der Herzog von Württemberg waren. Für daS ganze Reich 
sollte eine Reichsregierung die vielen Geschäfte erledigen. 
In uyserm Lande bestanden um diese Zeit folgende Rechts- 
Verhältnisse: 
1. Den Landesherren gehören GerichtSzwänge, Zoll, Mau- 
then, Mühlen, Steinbrüche, Weiden, Walder, Wasser, Wasser- 
leitungen und andere Gerechtigkeiten, wie sie die Herren v. 
Brandis ererbt hatten. 
2. Dem Landesherrn steht daS Recht zu, über daS Blut 
zu richten, wobei die v. Brandis dem Kaiser schwuren, ohne 
Ansehen der Person ihr Urtheil zu fälley „in maßen sie daS 
gegen Gott, den Allmächtigen, am jüngsten Tag verantworten 
werden." 
3. Die landesherrlich gesetzten Richter haben das Recht, 
peinlich zu fragen und auch über Flüchtige Urtheil und Acht 
auszusprechen. 
4. Kein Unterthan darf vor ein fremdes Gericht gezogen 
werden. 
ö. Die von einem Reichsgerichte Geächteten sollen die v. 
Brandis von der Acht lossprechen dürfen. 
6. Auch Diejenigen, welche vermöge ihres Grundbesitzes in 
keinem Lehen- oder sonstigen Abhängigkeitsverhältnisse standen, 
wurden nun der Gerichtsbarkeit der Landesherren unterworfen. 
ES verschwand deßhalb immer mehr der Unterschied zwischen 
Freien und Eigenleuten. 
7. Alle Einwohner einer Landschaft bildeten die HandS- 
oder Gerichtsgemeinde. Diese wählte ihren Borsteher oder 
Landammann und für jede Ger?chtSstelle, deren eS zwölf gab, 
schlug sie drei Männer dem Landesherrn vor. 
8. Der Landammann stand an der Spitze der aufgebotene»! 
Kriegsmannschast Und führte im Gerichte den Vorsitz. In 
Gemeinschaft mit Letztem besorgte er auch daS VerwaltungS- 
Vormundschafts- und Steuerwesen, die Polizei und daS Auft 
gebot der Mannschaft. 
Zur Regelung der Gemeindeverhältnisse erließ Ludwig v. 
Brandis 1496 eine Verordnung und nach dem Schwabenkriege 
bestätigte er der Landschaft ihre alten Rechte zum Lohne für 
die Treue, welche sie der Herrschaft gegenüber bewiesen hatte. 
Zollhäuser bestanden damals zu Bendern gegen Schellen- 
berg zu, in Vaduz unter der Kirche und in Klein - Wels am 
Rhein, wo im Winter bei niedrigem Wasserstande M Weg 
über denselben geschlagen war. 
Acker- und Weinbau, sowie die Obstbaumzucht wären das 
malö beträchtlich. Die Lehenzinse bestanden auS Weizen, Korti^ 
Wein, Eiern :c, öfters (und von jetzt an immer mehr) in 
Geld. Mühlen werden erwähnt zu BalzerS, Vaduz, zu 
„Marx" und im Schanwalv. 
Badnz, den 3. Juni. (Eingesendet.) Bei einer am 28. 
Mai v. I. in Hattenheim, Provinz Nassau, vorgekommenen 
Weinversteigerung wurden auS 603 Liter Markobrunner Aus 
lese I. Qualität 2660 fl. südd. W. gelöst, wornach unserx 
MaaS auf 5 fl. 30 kr. östr. W. zu stehen käme. Für Ii7? 
Liter Auslese II. Qualität wurden 2600 ff. bezahlt, also für 
unsere MaaS 2 fl. 65 kr. u. s. f. Gibt dieS unseren Wein- 
Hauern nicht zu denken! 
Bei sorgfältigerer Lese, Kelterung und Kellerbehandlustg 
könnten auch für unsere geistreichen und angenehm zu trinkest- 
den Weine höhere Preise erzielt werden. ^ 
Baduz, den 9. Juni. (Zur Alpfahrt.) Die fröhliche 
Zeit oeS „AlpfahrenS" ist Heuer früher bei uns eingekehrt, als 
man bei den ungeheuren Schneemassen, welche noch im Mm 
über den Alpen lagen, zu hoffen wagte. Berichte, welch? 
aus unseren Bergen kommen, schildern Hey Stqnd der Ölpest- 
weiden als einen ausgezeichneten , ausgedehnte Flächen, welche 
noch jvor wenigen Wochen von einer mächtigen Schneedxchk 
überlagert waren, prangen heute schon, wie durch Zauberwort 
geweckt, im üppigen Grün und laden zur schleunigen Alpfahrt 
ein ; eine Einladung, die Heuer nach der langten futteraryW 
Zeit »gewiß mit Freuden angenommen wird. Darum „Glück 
auf" zur Alpfahrt!
        

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