Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/73/
Dritter Jahrgang. 
liai 
Vaduz, Freitag 
Nr. 19. 
den 7. Mai 1875. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für das Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig l fl. sammt 
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werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. ^ ' 
Auch ein Wort zur Klarstellung. 
Unter diesem Titel erhalten wir heute von Herrn Chri 
stoph Wanger in Schaan einen Artikel zugesandt, mit dem Er- 
suchen, daß derselbe in unser Blajt eingerückt werde. 
Der Artikel beschränkt sich hauptsächlich die Begründung 
der bekanntlich in der LandtagSsitzung v. 22. Dezember i 874 
von 10 Abgeordneten gegen 5 verworfenen Wangerschen 
Anträge. 
Wir haben seinerzeit die Wangerschen Anträge in unserem 
Blatte wortgetreu gebracht und die Gründe, warum die 
Zehnermehrheit dieselben verwarf', mitgetheilt. ES war dies 
kein Akt von persönlicher Streit- oder Schreiblust, sondern es 
war in erster Linie das Recht: das Verhalten der Zehner- 
Mehrheit dem Volke klarzulegen und zu begründen, und in 
zweiter Linie die Pflicht: den gegnerischen AuSlassunZe?» in 
der ausländischen Presse, die eine einzelne That in wirklich 
„unqualistzierbarer" Weise mit unseren öffentlichen Zuständen 
und Behörden in Zusammenhang brachten, entschieden und 
wahrheitsgetreu gegenüberzutreten. Wir haben das gethan 
und zwar beweiskräftig indem wir sowohl in Bezug auf 
die LaudtagSver Handlungen als anch in Bezug auf die aus- 
wärtigen ZeitungSentstellungen die aktenmäßigen Be- 
weise erbrachten (vergl. Nr. 9 und Nr. 16 unseres 
Blattes.) 
Wir hätten somit, ohne auf unS den Vorwurf von Jllo- 
yalität zu laden, berechtigten Grund genügend gehabt, die Auf- 
nähme deS gegnerischen Artikels in unser Blatt zu verweigern. 
DieS um so mehr, als daS ganze unerquickliche Thema bereits 
schon zur Genüge in der Presse verhandelt wurde und daS 
anhaltende Wiederkauen bewiesener Ansichten ermüdend wirkt 
Nebenbei muß es als auffallend erscheinen, daß unsere gegne- 
rische Partei, nachdem sie seit Oktober 1374 zu ihren Verlaut- 
barungen ausschließlich die ausländische Presse 
durch anonyme Einsendungen benutzt hat, erst heute 
zum ersten Male im Lande selbst sich öffentlich und namentlich 
hören lassen will und zwar in unserem Blatte, welchem sie 
theilweise durch demonstrativen Austritt aus dem Garantie- 
vereine der liechtst. Wochztg. den Rücken kehrten. 
Auffallend muß eS ferner erscheinen, daß die gegnerische 
Partei in ihrem heutigen Artikel den mehr sachlichen 
und ruhigeren Ton anschlägt, und die sonst beliebten 
Ausfälle gegen unsere öffentlichen Zustände und 
Personen unterläßt. 
Sollte vielleicht das Volk durch diesen „zahmeren" Artikel 
zu der „milderen" Ansicht gebracht werden, daß unsere Geg- 
ner in ihrer früheren Arbeitsweise nie etwas anderes, 
als die Rich tigkeit jder besagten W angerschen 
Anträge verfochten haben? Wer die Entwicklung deS 
„Kampfes" nur einigermaßen verfolgt hat, weiß mehr und 
um offen zu sprechen, weiß jeder, daß die gegnerische Partei 
inMrer bisherigen ZeitungSpolemik auf ausländischem Boden 
in erster Linie ihre Spitze gegen unser Landge 
richt und Beamtenthum rich tete und in letzter Zeit 
auch in sehr präganter Weise gegen die Zehner- 
Mehrheit. > 
Wir haben zum Beweise in einer der letzten Nummern un- 
sereS Blattes einige wörtliche Proben als Blumenlese mitge 
teilt und fügen noch bei, daß in Nr. 29 (10 April) der Feldk. 
Zeitung dem Volke geradezu der Rath ertheilt wurde, die Män- 
ner der Zehnermehrheit aufzufordern, ihr Mandat niederzule? 
gen. Nachdem wir diese Bemerkungen vorausgeschickt haben, 
lassen wir den gegnerischen Artikel wortgetreu folgen, werden 
ab-x von dem unS zustehenden Rechte, eine kurze Widerlegung 
beizufügen, Gebrauch machen- - ^ ^- 
Nachdem der von mir in der Landtagssitzung vom 22. Dez, 
1874 gestellte Antrag in verschiedenen Zeitungsblättern einer 
besonderen Kritik unterzogen worden und wohl gar der Patrio 
tismus der dafür stimmenden Landtagsabgeordneten in Frage ge- 
stellt werden will, so sehe mich, obgleich ich nichts weniger als 
ein Freund von Zeitungs-Polemiken bin um so eher veranlaßt 
meinen Antrag der Wahrheit getreu wiederzugeben, als derselbe 
in den verschiedenen Blättern entweder absichtlich oder unwissent 
lich mehr oder weniger entstellt und namentlich unrichtig begrün- 
det worden ist. 
Das vielbesprochene Hartmann'sche Attentat bewog sämmtliche 
Gemeinden des Fürstenthums (mit Ausnahme von Balzers und 
Vaduz) zur Petitionirung an den Landtag, mittelst welcher die- 
selben die Aufhebung der bestehenden Iagdpachtverträge und 
gebung der Jagd oder Vergebung derselben unter anderen Moda- 
litäten verlangten. 
Der Petitionen Sinn war und konnte kein anderer sein, als daß 
die Gemeinden solchen und ähnlichen brutalen Gewaltthätigkeiten 
des Iagdpersonals für die Zukunft nachthaltige Schranken gesetzt 
wissen wollten. 
Sowie die Gemeinden verfassungsgemäß und zwar um so 
eher zu diesem Verlangen berechtiget waren, als die Jagd ein 
Landesregal ist, ebenso glaubte ich mich als Landtagsabgeordne- 
ter nicht blos berechtiget sondern selbst verpflichtet, dem gerechten 
Begehren der Liechtensteiner in so weit es auf verfassnngsmäßi- 
gem Wege geschehen konnte zu entsprechen, und stellte zu diesem 
BeHufe folgenden Antrag: 
„Der Landtag wolle beschließen die fürstliche Regierung zu 
ersuchen dem künstigen Landtage einen Entwurf zur Revidirung 
des Jagdgesetzes vom Jahre 1872 vorzulegen, welcher auf fol- 
genden Grundlagen beruhen dürfte. 
1. Möchte im Jagdgesetz ausgedrückt werden, daß von der
        

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