Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/72/
regung da, die sich in dem krampfhaften Zusackwenhallen fei 
ner Hände, in dem raschen Wechsel der Färbt auf seinem 
blassen Gesichte, in dem unsteten Blicke seines AugeS äußerte 
und die er vergebens zu bemeistern strebte. Friedhelm dagegen 
zeigte keine Aufregung. Er saß bescheiden auf seiner Bank, die 
Hände gefaltet, nur zuweilen richtete er auf die Zuhörer sei- 
nen Blick, in dem sich daS Bewußtsein der Unschuld. auSzu- 
sprechen schien. 
Der Präsident begann daS Verhör der Angeschuldigten 
Zuerst kam Friedhelm an die Reihe. Er sagte über seine Ver- 
Hältnisse aüS: vaß er ein kleines Vermögen besitze, von dem 
er lebe und daß er zuweilen die Bäder besuche. Der Präsident 
bemerkt ihm, nach den Zeugnissen der Behörde seines HeimatS- 
orteS solle sein Vermögen längst verschwendet und er selbst als 
Spieler von Prosession bekannt sein. Friedhelm entgegnete in 
ruhigem Tone, über seine Vermögensverhältnisse könnten die 
Behörden ja nicht genau Unterrichtet sein, ihre Zeugnisse be- 
ruhten daher nur aus Vermuthungen u. Gerüchten. WaS daS 
Spielen anbetreffe, so läugne er nicht, daß er gern und mit 
Glück spiele Man könne ihm daS unmöglich zum Verbrechen 
anrechnen in einem Staate, wo die Spielbanken öffentlich mit 
Genehmigung der Regierung gehalten würden. Der Präsident 
fragte darauf den Angeschuldigten, wie er in Besitz der Uhr 
und der Tuchnadel des Ermordeten gekommen sei. Friedhelm 
erwiederte: „ich habe sie von dem Lord gewonnen. An dem 
Tage feines TodeS spielte ich Mittags mit ihm Ecarts. Der 
Lord war im Unglück, er verlor nicht nur alles Geld, was er 
bei sich trug, sondern auch Uhr und Tuchnadel, die er gegen 
mich setzte. Ich bin am andern Morgen in aller Frühe abge- 
reiSt. Man hat mich acht Tage später sechs Meilen von hier 
m *** verhaftet, wo ich die Uhr und Tuchnadel verkaufen 
wollte. Die Beschreibung der dem ermordeten Lord geraubten 
Sachen stand in allen Zeitungen, ich finde es daher natürlich, 
daß man mich anhielt u. ich beklage mich keineswegs deßhalb. 
Ist eS auch ein hartes LooS, das mich getroffen, indem ich 
Monate lang in Vorhaft schmachten mußte, so sehe ich doch 
ein, daß die allgemeine Sicherheit geschützt sein muß und der 
Einzelne sich nicht beklagen darf, wenn er unter deßfallsiqen 
Maßregeln zu leiden hat. Ein unglückliches Zusammentreffen 
von Umständen mußte einen Verdacht gegen mich hervorrufen, 
ich erkenne das an und fuge mich willig, da ich die sichere 
Hoffnung habe, daß in dieser öffentlichen Verhandlung meine 
Unschuld erkannt und ich durch Freisprechung gerechtfertigt da- 
stehen werde " Friedhelm sprach diese Worte mit höflicher Ge 
lassenheit und setzte sich dann eben so ruhig auf seine Bank. 
Die Reihe deS Verhörs traf jetzt Theobald. Mit wan- 
kendem Knie erhob sich dieser von seinem Size, um die ersten 
an ihn gerichteten Fragen zu beantworten. Allein er war 
nicht im Stande, einen Ton hervorzubringen. Der Präsident 
redete ihm zu, er möchte sich fassen und beruhigen. Endlich 
flüsterte der Angeklagte einige Worte, die für die Zuhörer 
unverständlich waren und bedeckte sein Gestcht mit beiden Hän- 
den, indem er auf seinen Sitz zurücksank 
Der Präsident war von diesen Worten betroffen, er be- 
sünn sich einen Augenblick, besprach sich dann mit den neben 
ihm fitzenden Richtern; endlich erhob er sich und sagte mit 
gerührtem Tone: 
„Der Angeklagte entdeckt mir, er habe seinen Vater unter 
den Zuhörern bemerkt; dessen Gegenwart wirke aber so er« 
schütternv auf ihn, daß er nicht im Stande sei, zu sprechen. 
Wenn dem so ist, so bitte ich den Vcner deS Unglücklichen, 
den Saal zu verlassen, die Verhandlungen müssen ja doch 
von der peinlichsten Wirkung auf ihn fein." 
Die . Augen aller Zuhörer wandten sich suchend im Saale 
umher. Nach einer kleinen Weile erhob sich auf einer der 
vordersten Bänke ein ehrwürdiger Greis mit weißem Haare 
und auf den Arm eines jungen Mädchens gestützt: mit einer 
höflichen Verbeugung gegen daS Gericht schritt er stumm ut\t> 
lautlos hinaus. Ehrerbietig — das Unglück übt eine gewal- 
tige Macht auf die Menge — machten ihm die Umstehenden 
Platz, tiefe Stille herrschte im Saale, nur unterbrochen von 
dem Schluchzen derer, die ihre Thränen über den ergreifenden 
Zwischenfall nicht bemeistern konnten. 
Der Präsident machte mit feinem Gefühl eine längere 
Pause, um dem Angeklagten Zeit zu lassen, seiner Erschütte- 
rung Herr zu werden, dann'fuhr er im Verhör fort. Theo- 
bald antwortete anfangs mit unsicherer mühsamer Stimme, 
nach und nach indessen gewann er mehr Gewalt^über sich u. 
seine Rede wurde zusammenhängender. Folgendes ging aus 
seiner Erzählung hervor. 
Er war der Sohn eineS Lehrers und hatte eine vortreffliche 
Erziehung genossen Nachdem er seine Studien als RechtS- 
gelehrter vollendet und die günstigsten Zeugnisse erhalten hatte, 
übertrug man ihm durch besonderes ehrenvolles Vertrauen die 
Auseinandersetzung emer großen ErbschaftSmasse, um welche 
eine Menge verwickelter Prozesse geführt worden waren. Zur 
Befriedigung aller Betheiligten hatte er endlich Klarheit und 
Ausgleichung in die Sache gebracht und auf einer Reife in 
diesen Angelegenheiten war er nach *** gekommen. Er führte 
eine beträchtliche Summe Geldes bei sich, die er irgendwo be- 
zahlen sollte. Der Reiz deS BadelebenS fesselte ihn einige Tage 
— er geriech an den Spieltisch, die Leidenschaft übermannte, 
ihn, den Neuling — er spielte und verlor. Er wollte wieder 
gewinnen, er griff die ihm nicht gehörigen Gelder an — und 
jetzt war alle Besonnenheit, alle Selbstbeherrschung verschwun« 
den. DaS Gefühl, er thue Unrecht, die Angst über den AuS- 
gang seines Thuns verwirrte ihm die Sinne. Bald hatte die 
Spielbank die ganze, ihm anvertraute Summe verschlungen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vi-. Rudolf Schädler. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 16. April. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 

fl 
kr. 
fl 
kr. 
fl- 
kr. 
Korn 
3 
40 
3 
15 
3 
05 
Roggen . . . . 
2 
80 
2 
60 
2 
50 
Gerste 
2 
70 
2 
50 
2 
30 
Türken .... 
2 
80 
2 
50 
2 
20 
Hafer 
1 
70 
1 
60 
1 
50 
Thermometerstand nach Reaumur in Baduz. 
Monat 
Morgens 
.7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
April 21. 
4- 6'/-. 
+«7 y 4 
+ 15 
hell 
ii 22. 
+ m 
+18 
+ 14V2 
halb hell 
.. 23. 
+ 7 y 2 
+12% 
+ 9 
trüb, etw. Reg. 
„ 24 
+ 7 
+ 10 % 
8 
trüb 
„ 25. 
+ 5% 
+ 9 Vi 
+ 
n 
. 26 
+ 1 
+ 9% 
+10V4 
hell; Reif 
97 
n - ' 
+ 3 
+13 
+ 13 
n ) „ 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
28. April Silber . 103.15 
20-Frankenstücke 8 88 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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