Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/59/
wird. Per Enkel des Prinzen Tun ist muthmaßlich^dem grö- 
feren Einfluß deS Prinzenj Kung erlegen, und Der Sohn des 
letzteren ist wahrscheinlich nicht gewählt worpen, weil der Um 
stand daß er und der verstorbene Kaiser eines AlterS waren, 
hinderlich war, und auch weil eir dem seit dem Staatsstreich 
von 1861 herrschenden Triumvirat die Gelegenheit zum Wei- 
terregijeren benommen haben würde, Die angewandte Form 
ist daß der neue Kaiser von seinem Vorgänger als Söhn ädop- 
tirt worden ist. Dasselbe Decret worin dieß veröffentlicht wird, 
schreibt aber auch vor daß, falls dem verstorbenen Kaiser noch 
ein leiblicher Sohn nachgeboren werden sollte lwozu Aussicht 
yorhanden ist), derselbe wieder vom neuen Kaiser aoopnrt 
werden muß und dessen Nachfolger wird. Die „Peking Ga- 
zetta" ist jetzt sethMr-stÄndlich voll von auf Ven Tod des Kai 
sers bezüglichen Deereten; eines derselben verfügt daß dte bei 
den Leibärzte Sr. hochseligen Majestät^ deren Rang erhöht 
wurde, als ihr Patient sich zu bessern schien, den neuen Rang 
wieder verlieren und daß ihnen ihre Knöpfe und Pfauenfe- 
dem genommen werden. Ein mi-dmS Deere! e»tfbindet die 
Gouverneure der Provinzen und andere HW Beamte von 
der ihnen sonst obliegenden Pflicht am Grabe des KaiseyS zu 
beten. Die Einleitung bei den auf die Thronfolge, die Vor- 
mundschaft?c. bezüglichen Decreten ist: daß Se. Majestät der 
Kaiser mit dem Drachen gen Himmel gestiegen ist um hoch 
oben ein Gast zu sein." 
Verschiedenes. 
* Aussichten der Stickerei industri e. Angesichts 
der enormen Ausdehnung der Maschinen-Stickerei namentlich 
in der Ostjchweiz und der fieberhaften Hast, mit welcher sich 
gegenwärtig an vielen Orten alles auf diesen Industriezweig 
wirft, setzt ein Einsender in der „Thurg. Ztg " den allzurostgen 
Erwartungen einen Dampfer auf und erhebt einen beachtungS- 
werthen Warnungsruf. Er bemerkt dabei unter Andern: 
'Wer ist denn eigentlich der Hauptabnehmer unserer Brode- 
rien? ES ist fast ausschließlich Amerika. Frankreich leidet 
fett dem letzten Kriege noch schwer am finanziellen Weh und 
hat für unsere schönen Bandes und Entredeux falle Aufmerk- 
samkeit verloren. Deutschland fabrizirt selbst mehr als für 
den eigenen Bedarf. Für England genügen die Leistungen 
einiger hundert unserer Arbeiter. Nach Amerika also geht die 
ganze ungeheure Masse unseres Fabrikats. Nach Amerika, woher 
gegenwärtig so bittere Klagen über Arbeits- und Verdienstlo- 
stgkeit kommen. Wohin wird dieses führen? Einen Vorge 
schmack hievon hatten wir schon im Jahre 1373 Als damals 
im Mai und Zum in New-Aork eine FinanzkrisiS ausbrach, 
wurden hier sqfort einige hundert Maschinen außer Thütigkeit 
gesetzt. Fallimente folgten Schlag auf Schlag. Das Tag 
blatt der Stadt St. Gallen", „offizielles Organ dieser Ge 
schäftsbranche", brachte Monate nacheinander Nummer für 
Rummer Anzeigen fchulventriebrechtlicher Versteigerungen von 
Stickmaschinen, welche, fast sämmtlich neu für 25—^800 Fr. 
angeschafft, für 5—800 Fr. nicht einmal immer Käufer fan- 
den — imd doch stand neben New-Iork der Weltmarkt so 
weit offen wie heute> der Handel war so in intelligenten Hän- 
den wie heute; der Unterschied war nur der, daß die Schweiz 
damals nur mft. etwa 6000 Maschinen arbeitetet, während eS 
deren jetzt mindestens 8000 sind; Ende dieses Jahres, wenn 
nicht schon vorher eirie Krists einbricht, werden es über 10,000 
sein. 
Ein Modeartikel in unsinnigem Quantum fabrizirt, führt 
schnell zur. Überschwemmung des Marktes, sinkt rasch im Preise, 
wird Gemeingut der weniger bemittelten Klasse und hört dann 
auf, »Mode- zu sein; ist es so weit gekommen, so wird er 
von Niemanden mehr gekauft, hat, wie der Kaufmann sagt, 
die Saison passirt und eben auf dieses Ziel wird nun mit ra 
sender Eile gearbeitet. Es wird doch Niemand im Ernste glaü- 
. h^,.daß Wt hex eyorMN Hermehrupg d« Stickm^schiMn sich 
aujh' der WelMartt immer tote&etv in gletchem Ber^ältniß er- 
Wjtere. Es iväre dieö denn doch das einzige Geschäft der 
Hezt, das man immer und immer wieder verdoppeln öder ver 
hundertfachen könnte unb^daS trotzdem immer gleich gut bliebe. 
! HS maßen unö nicht an^ einen prophetischen Blick in die Zu- 
j kunft zu haben, glauben aber nach natürlichen Gesetzen berech- 
yeN zu können, daß dem jetzigen Maschinenfieber bald eine 
j furchtbare Erschlaffung, Klagen über die verlornen vielen Hun- 
' verttausend Fr. (weil mit dem Eingehen dieser Industrie daS 
^ ganze Maschinenka^ital zu Grunde geht), eine große Zahl öko- 
! nomisch zerrüttet^ Hchnilien, kürz eine LanöeSkalamität folgen 
I wird. 
! * Zur Zeit deS letzten französischen Kaiserreiches fuhr ein 
Kutscher wie rasend durch die lebhaftesten Straßen von Paris, 
wer ihm ju nahe kam, wurde mit Peitschenhieben begrüßt und 
mußte fürchten, unter die Räder zu kommen. Bon Polizei war 
trotz allen RufenS nichts zu sehen und zu hören. Da faßte 
Einer in der Verzweiflung sich ein Herz, sein Ruf: ES lebe 
die Republik! scholl weit hin und aus allen Ecken stürzten wie 
anderwärts beim Feuerruf Polizeisoldaten herbei. 
* Zwei Zeitungsannoncen. Jemand, der Schulden halber 
lm Arrest sitzt, wünscht dieses Lokal gegen ein schöngelegenes 
Landgut zu vertauschen; unv: Ein Mann, der zu zehnjähriger 
Schanzarbeit verurtheitt ist, sucht einen Mitarbeiter. 
* Der kaum zwanzigjährige Börne befand sich einst in ei> 
nem Kreise diSpmireNder Herren u. wurde wider seinen Willen 
in'S Gespräch gezogen. Ein schon ältlicher Herr, der seine un- 
gereintte Meinung mit großer Hitze vertheidigte, fuhr den iun> 
gen Börne, der ihm zu widersprechen gewagt hatte, mit den 
Worten an: „Sie, junger Mann, Sie wagen eS, mir zu wi 
dersprechen ? In Ihren Jahren war ich in solchen Sachen noch 
ein Esel." — „Da haben Sie fich außerordentlich gut conser- 
virt," erwiederte Börne und kehrte ihm den Rücken zu. 
* P ostal isch^S. Der „HdlS. Cour." theilt in seinem 
„Postmoniteur" folgenden außerordentlichen Borfall im Ba- 
lorenbureau von Biel mit zur Lehre und Warnung: 
Am 25. März wird ein Postpaket daselbst abgeladen und 
bald bemerkt,' daß eS durchfeuchtet war, und zwar von Innen 
heraus. ES muß geöffnet werden. Während dies geschah, 
wird eS den umstehendenD Beamten unwohl und schwindelig.' 
Einer nach dem andern, Veteran Wyßmann an der Spitze, 
muß sich niederlassen. Ihm folgen Laubscher, Henzi, Reußer, 
Suter, Landolt und Boillat. In diesem Augenblicke, 
sagt der Augenzeuge, trete ich ein, überblicke die 
Lage und erftnne den Geruch von Chloroform AlSbald Oeff, 
nen von Thüre und Fenster, — die frische Luft wirkt und 
bald fühlten sich die wackern Leute des Valorenbureaus wieder 
hergestellt. Hr. Apotheker Stern konstatirt die betäubende 
Flüssigkeit, von der ein Loth genügt, einen Menschen in den 
ewigen Schlaf zu ^ befördern. Hier hat lier glückliche Zufall 
geholfen, ein Unglück abzuwenden, allein deßhalb ist nicht min- 
der groß die Unvorsichtigkeit einer ungenügenden Verpackung, 
die eine so große Gefahr herbeigeführt hat. 
* Weinbau. Nach einer Zusammenstellung über den 
Weinbau im Kanton St. Gallen in einer Corr. der „N. U. 
Ztg." hätte Werdenberg 250—300 Juch. Reben (Wartait 
allein ca. die. Hälfte) mit einem DurchschnittSertrag von 1500 
Maß per Iuchart. Unterrheinthal hat $00 Juch. Reben mit 
einem Ertrage 80,000 Eimer (4 25 Maß); davon kommen 
auf Thstl 30,000 Rheineck 4000, St. Margarethen 3000, 
Äu Ä000, Berneck 20,000 und Balgach 10,000. 
j Im Bezirk Rorschach wird aus einer Gemeind,e gemeldet, 
! daß der Gesammtertrag auS einer. Juch. Rebland sich auf die 
j enorme. Kumme yoy Fr. 3900 belaufe. 
I Was jm Speziellen die WtjAhrjg^n ^trifft, so 
stellten sich diesetbey im tzeebezirk per S.aum (1g0 MM tot.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.