Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/57/
Dritter Jahrgang. 
BÄduz, Freitag 
M. 1K. 
den 9. April 1875. 
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Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
47. Die Freiherren v. Brandis. 
(Schluß.) 
^ Durch die Schlacht bei Frastanz ermuthlgt, beschlossen die 
Bündner einen Zug inS Tirol zu unternehmen^ Sie fanden 
dort aber energischen Widerstand, eS kam zu einer blutigen 
Schlacht, in welcher beide Theile über 4000 Mann verloren. 
Die Bündner blieben jedoch Sieger. Der Krieg hatte unter- 
dessen solche Aufmerksamkeit auf sich gezogen, daß Kaiser Ma 
ximilian aus den Niederlanden auf den Kriegsschauplatz kam. 
Am 19 Mai 1499 musterte er in Feldkirch seine Streitkräfte, 
begab sich dann sogleich nach Tirol, kam aber zur soeben er- 
wähnten Schlacht um zwei Tage zu spät. Hanns v. Son 
nenberg suchte sich nun im Namen des Kaisers durch einen 
Zug ins Engadin für die Plünderung der Bündner zu ent- 
schädigen. In unfern Gegenden bestand der Krieg nunmehr 
in bloßen Raubzügen. So nahmen die Wallgauer den Prä- 
tigauern 500 Schafe und 50 Ochsen weg. Zur Vergeltung 
dafür raubten die Prätigauer den Wallgauern 200 Milchkühe, 
Rosse und Schweine. Einige Knegsknechte aus dem Sar- 
ganserland und Bünden, welche in Maienfeld lagen, nahmen 
auS den Alpen der Schaaner, Vaduzer unv Triesner etwa 400 
Kühe, Schafe und Schweine und theilren den Raub miteinan- 
der. Als dann die Weiber aus den beraubten Gemeinden sich 
zum Vogte in SarganS und den Hauptleuten in Maien feld 
begaben und die Unbilligkeit deö Raubes schilderten, erhielten 
sie 100 Kühe zurück. Dafür zogen bald darauf schwäbische 
Kriegsleute von Feldkirch aus über Schaan und Vaduz in die 
Herrschaften Wartau und Werdenberg und trieben dort alles 
Vieh weg Um diesem verderblichen Kriege ein Ende zu ma- 
chen, bot sich der Herzog von Mailand alS Friedensvermittler 
an. Die Unterhandlungen zwischen dem Kaiser und den Eid- 
genossen wurden zu Schaffhausen und Basel geführt. Durch 
dieselben kam zuerst ein Waffenstillstand und endlich den 22. 
Septbr. 1499 ein definitiver Friede zu Stande. Der Streit 
zwischen dem Bischof von Chur und dem GotteShauSbunde 
einerseits und Tirol anderseits wurde der Entscheidung des 
Bischofs von Augsburg überlassen. Pratigau mußte wieder 
dem Kaiser schwören. AlleS Eroberte wurde herausgegeben, 
die Gefangenen gegenseitig freigelassen und die noch nicht be- 
zahlten Brandschatzungen nieder geschlagen. Durch diesen Frie 
den verzichtete der Kaiser tatsächlich, wenn auch nicht aus* 
drücklich, auf die Rechte des deutschen Reiches bezüglich der 
Äm 26. Septbr. Abends wurde der Friede in Feldkirch 
ausgerufen und es drang die freudige Kunde davon anch zu 
detl Leuten am Eschnerberg und. zu Vaduz. Die Gefangenen 
keWen Nun heim, aber viele derselben trafen ihre Wohnungen 
in Asche liegend und alle hatten große Verlurste an Habe und 
Bich' zu beklagen. Die Freiherren Sigmund und Thüring v. 
BrgMS dursten im Oktober wieder in ihre Herrschaft Maien- 
selb zurückkehren. Auch Ludwig v. Brandis wurde freigege- 
den, aber erst auf wiederholte Vorstellungen und Bitten ent- 
banden die Eidgenossen die Leute der Herrschaften Vaduz und 
Schelkenberg von dem ihnen geleisteten Eide. 
(Den 3. Dezbr. 1499) Nach dieser Freilassung schwuren 
die beiden Herrschaften ihrem alten Herrn wieder Treue. So 
war Ludwig wieder in seine alten Rechte eingesetzt, aber.' seine 
Burg Vaduz lag verwüstet da. Die Vollendung ihres Wie- 
deraufbaueS erlebte er nicht mehr. Er starb 1507. Bein 
Bruder Sigmund in Maienfeld kam nun in Besitz aller Herr- 
schaften, starb «ber schon nach wenigen Monaten. Sigmund 
wurde, wie sein Bruder in der Kirche St. Florian in Vaduz 
beigesetzt. Sämmtliche Herrschaften kamen nun in den Besitz 
deS DomprobsteS von Chur, Johann von Brandis und Ru- 
dolfS v. Sulz, welch Letzterer ein Sohn der Verena v. Bran- 
diö war. Durch die bedeutenden Schulden, welche auf ihren 
Besitzungen lasteten, sahen . sie sich veranlaßt, die Herrschaft 
Maenfeld um 20,000 fl. an die drei Bünde zu verkaufen. 
(1509.) Dvmprobst Johann verzichtete sodann den 12 Juli 
1510 zu Gunsten seines Neffen, des genannten Rudolf v. 
Sulz, auf seinen Anlheil an Vaduz, Alt- und Neuschellenderg 
und Blumenegg und erhielt dafür 12,000 fl. So kamen die 
Grafen v. Sulz theils durch Erbschaft, theilS durch Kauf in 
den. Besitz unseres Landes. 
Badnz> 7. April. Die „AugSburger Abendzeitung" bringt 
in ihrer Beilage v. 3 April eine Reeension über das Concert 
der musikalischen Akademie in München am Ostersonntage. An 
der Spitze deS Programms, das fast ausschließlich größere 
Orchesterwerke brachte, stand eine nrue Symphonie unseres 
Landsmannes Professor Jos Rheinberger. Der Recensent be- 
merkt, daß diese neue Symphonie im Auftrage der [societä 
orchestrale in Florenz geschrieben sei, wo sie mit dem glück- 
lichsten Erfolge eingebürgert wurde. 
Weiter heißt eS wörtlich: Mehr als acht Jahre sind 
verflossen, seit Rheinbergers „Wallenstein "-Symphonie in den 
Räumen des kgl.. OdeonS zum ersten Male angeführt wor- 
den. Der gediegene Künstler ist seit dieser Zeit mit zwei grö-
        

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