Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/53/
Liechtensteinische 
Dritter Jahrgang 
Vaduz, Freitag 
Nr. 14. 
den 2. April 1875. 
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werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Vaterländisches. 
Badttz, 30. März. Als ein erfreulicher volkSwirthschaftlicher 
Fortschritt in Oesterreich ist die jüngst erfolgte Gründung der 
Gesellschaft österreichischer VolkSwirthe zu verzeichnen. Der 
neue Verein umfaßt die VolkSwirthe in allen Schattirungen, 
Während der Kongreß deutscher VolkSwirthe nicht der Mt- 
Wirkung der Professoren, Staatsmänner, großer Industrieller 
und Landwkthe, wenige anerkennenSwerthe Ausnahmen abge- 
rechnet,? sich zu erfreuen hatte, haben schon bei der Gründung 
der Gesellschaft österreichischer VolkSwirthe die Fachlehrer an 
den Universitäten, höhere Staatsbeamte, Abgeordnete, Reprä> 
sentanten des Großhandels und der Verkehrsanstälten, Fabri- 
kanten und Grundbesitzer, sowie Mitglieder deS hohen Adels, 
eS nicht verschmäht dem gemeinnützigen Werk ihre Mitwirkung 
zuzusagen.' 
Die erste Jahresversammlung der Gesellschaft soll am 5. 
April in Wien zusammentreten. Ueber die zur Berathung^ 
kommenden Gegenstände: als besonders Valutafrage, Bank- 
frage, Eisenbahnfrage, die Frage "der zukünftigen Handelspolitik 
liegen bereits schon Berichte vor. Da die österreichische Va- 
lutasrage auch für unser Ländchen von materiellem Interesse 
ist, indem wir durch unfern Verkehr, mit Vorarlberg, durch 
die ZollentschädigungSeinnahmen und zur Zeit noch durch daS 
gleiche Münzsystem mehr oder weniger an das österreichische 
Geld gebunden sind, so dürsten einige wesentliche Notizen aus 
dem Berichte über die Valutafrage unfern Lesern willkommen 
sein. Bekanntlich ist gegenwärtig und schon seit einiger 
Zeit daS DiSagio von österreichischem Papier- und Silbergelv 
nur mehr ein sehr geringes und sind insofern? die Aussichten 
auf Wiederherstellung der Valuta d. h. Vollwerthung des 
österreichischen Papiergeldes ohne Agio günstiger geworden. 
Obiger Bericht bringt nun Beweise gegen die Bedenken, 
die von gegnerischer Seite gegen eine Wiederherftel- 
stellung der Valuta erhoben werden. Die Gegner behaupten 
vaS bestehende DiSagio der Nöten wirke gleich einem Schutz- 
zolle für die heimische Industrie, der dieselbe bei dem gegenwärti- 
gen Darniederliegen der Geschäfte am wenigsten entbehren 
könne. Der Bericht erweist diese Annahme als unrichtig, in- 
dem er anführt: Es sei allerdings richtige daß die Produzen- 
ten bei beginnender Entwertung der Umlaufvmittel auö dem 
Auftreten deS DiSagio Vortheil ziehen, und zwar aus dem 
Grunde weil sie ihre Verkaufspreise rasch im Verhältniß zum 
DiSagio und noch darüber hinaus erhöhen, während die Ar- 
beitSlöhne dieser Bewegung nur langsamer folgen. Nach einer 
Weile aber kommen auch die Löhne nach, und der Vortheil 
der Produzentens verschwindet. Letztere würden nur dann fort« 
dauernd einen Nutzen aus der Verschlechterung der Valuta 
ziehen, wenn daS DiSagio sich fortwährend vergrößerte. 
AuS dieser Erscheinung ergibt sich logisch die Folge, daß die 
Produzenten bei einer Verbesserung oder völligen Wiederher- 
stellung der Valuta einige Zeit im Nachtheil sind, weil sie 
ihre Verkaufspreise sofort nach dem Stande deS Weltmarktes 
jmd deS WertheS der Umlaufsmittel herabsetzen müssen, wäh 
rend die Detailpreise und Löhne erst später nachfolgen. / 
Allein bei einer Wiederherstellung der Valuta Haben sie 
diesen Schaden nur ein etnzigeSmal zu leiden, während sie 
unter der Herrschaft deS ZwangSkurseS und deS DiSagio eben- 
so oft in Verlust kommen als daS Silberagio zu sinken be- 
ginnt 
In ähnlicher Weise widerlegt der Bericht an der Hand 
von Zahlen die Annahme, daß die Zurückführung der Cirkula- 
tionSmittel auf das normale Maß zu einer Erhöhung deS 
Zinssatzes führen würde. 
Eine angenehme Ueberraschung bietet derjenige Theil der 
Argumentation, welcher gegen die Behauptung gerichtet ist: 
daß die Aufnahme eines neuen AnlehenS zum Zwecke der Ein- 
ziehung eines solchen Betrages von StaatSnoten, daß die 
Wiederaufnahme der Baarzahlungen ermöglicht - wird, dem 
Staat ein zu großes Opfer auferlegen würde. Der Referent 
berechnet nämlich die Kosten, welche die Regierungen von 
Oesterreich und Ungarn für ihre Zinszahlungen in Silber 
aufzubieten haben?, und kommt zu dem Resultat, daß die- 
selben ungefähr die gleiche Höhe erreichen wie die Zin- 
sen einer Anleihe betrügen mit deren Hülfe eS möglich wäre 
die Valuta wieder herzustellen. 
Dem letzten Einwand gegenüber, daß bei einem künftigen 
Kriege doch die Gefabr einer neuen Ausgabe von Staatsnoten 
bevorstehe, und daß es deshalb nicht der Mühe werth sei 
eine normale Ordnung herzustellen, weiche doch bald wieder 
gestört werden könnte, läugnet der Berichterstatter nicht, daß 
diese Gefahr und die Notwendigkeit solcher Hilfsmittel wieder 
eintreten können, allein er bemerkt sehr richtig: gerade damit 
der Staat noch ein so ausgiebiges HülsSmittel in Reserve habe 
muß die Valuta wieder hergestellt werden; denn daS Mittel 
wükde nicht mehr ergiebig genug sein, wenn zu. den 350 
Millionen StaatSnoten noch eine gleiche Anzahl hinzukommen 
sollte. 
Man darf der Prüfung dieser Frage von Seite deS Kon- 
gresseS mit vielem Interesse entgegensehen. 
Vaduz, 30. März. Wir lesen in einer Zeitungsnachricht 
aus Graudünden: 
In den rhätischen Thälern herrscht fortwährend Besorgniß 
wegen der bevorstehenden Schneeschmelze. Zwar hat dieselbe 
bis jetzt nur geringe Fortschritte gemacht und im größten 
Theile der Landesoberfläche noch gar nicht begonnen. Je 
weiter sich aber ihr Anfang hinauszieht, um so größer wird
        

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