Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/50/
dem ArbeitSeingange den Riegel vor und schädigt ohne begrün- 
Veten Zweck die inlandische Industrie. Ein „Schutzzoll" könnte 
in solchen Fällen nur die Schweiz erheben, mit dem Zwecke: 
die Arbeit sich selbst zu erhalten. Da in dem vorliegenden 
'Kalle .zudem daS Ziel, womit der Uebernehmer seine Berpslich- 
tung /erledigt, BuchS ist, so kommt die Frage über „Halbschei, 
dung^ oder „Neutralität" der Auer Rheinbrücke in Bezug 
auf Verzollung ganz außer Betracht. Denn im Falle, als 
die auf der österreichischen Rheinhälfte angebrachten Brücken- 
bestandtbeile zollbar werden, so hat in diesem Falle daS be-* 
treffende Brückeneonsortium einzutreten. ES erschiene nach 
unserer Ansicht als engherzig, wenn der gute Vater Rhein 
selbst für gemeinsamen Brückenbau kein neutrales Gebi«t für 
die beiderseitigen Uferstaaten sein sollte unv der bureaukratische 
Zollstab auch hierin Hindernisse für die nachbarliche Verkehrs- 
Vermittlung schaffen würde. 
ES wird die Aufgabe deS kommenden Landtages fein, bei 
eventueller ZollvertragSerneuerung auch derartige Punkte, die 
jedenfalls sehr im Interesse unserer wenn auch kleinen ein- 
heimischen Jndustlie liegen, in den Bereich der RevistonSfragen 
zu ziehen, und auf deren Erledigung im Interesse unseres 
Landes zu düngen. 
Vaduz, 24. März. (Wie man den Wein stock vor dem 
Froste schützt.) Ueber ein neueS gegen FrühjahrSfröste em- 
pfohleneS Mittel, welches Herr Franz Meister, Gemeindevor- 
steher in Offekten bei Znakm, erfunden hat, theilt die Feldkir- 
cher Zeitung Folgendes mit: 
tz-. „Im Winter, wo nicht viel Arbeit ist, wird ein Vorrath 
von Büscheln auS Kornstroh in der Weise verfertigt, daß ein 
Quantum Stroh in der Mitte gebogen und an dem gebogenen 
Orte mit Stroh gebunden wird, am andern Orte aber offen 
bleibt und so daß zirka 1^ Schuh lange, beim zusammenge 
bundenen Orte zirka 1% Zoll im Durchmesser starke Stroh- 
büschel eine fächerartige Form erhält. Diese werden dann 
bundweise zusammengelegt und aufbewahrt. 
Beim ersten Hauen des Weingartens wird die um den 
Stock herausgehobene Erde zwischen die Weinstöcke so gelegt, 
daß ein förmlicher Wall um den Wein stock entsteht und der 
Weinstock selbst dadurch eine Vertiefung erlangt. 
Zeigt dann in vorgerückter Jahreszeit die Witterung, daß 
ein Frost eintreten dürfte, so können durch daS einfache Ueber- 
legen deS vertieften WeinstockeS mit dem fächerartigen Stroh- 
büschel 4 Personen in 4 Stunden bequem einen Weingarten 
mit 12,000 Weinstöcken bedecken. Dieselben Strohbüschel kön» 
nen durch zehn Jahre wieder verwendet werden. 
Herr Franz Meister schützte durch Strohbüscheln bereits 
zweimal seinen Weingarten. Im Jahre 1871 schützte er 9000 
tragbare und 3000 junge Weinstöcke, im Frühjahr 1873 be- 
deckte er mit 16 Personen in einer Stunde 12,000 Weinstöcke, 
ließ auf verschiedenen Stellen zur Probe zwei halbe Kräften 
unbedeckt und eS zeigte sich nach dem ersten Froste am 25. 
April, daß die zugedeckten Weinstöcke gakz gesund, die nicht 
zugedeckten zwei halben Kräften jedoch ganz erfroren waren. 
In der Nacht vom 27. bis 28. deckte ihm.der Sturm 
von acht Stöcken die Strohbüschel ab, und deS Morgens wa 
ren diese acht Stöcke bei der Kälte von 2° erfroren, bie zu- 
gedeckten aber blieben vollkommen gesund." 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Die deutsche Reichsregierung bat die Schweiz, 
welche 400 Remontepferde anzukaufen beabsichtigte und einen 
Theil in Hannover schon bestellt hatte, vom PferdeauS fuhr- 
verbot ausgenommen. 
Oesterreich. Der Kaiser von Oesterreich wird Ende April 
eine größere Reise nach dem Süden antreten und in Venedig 
mit dem Könige von Italien zusammentreffen. Nach deutschen 
ZeitungSgerüchten soll auch der Kaiser von Deutschland wil 
lenS sein, dem König von Italien vor Eintritt der wärmeren 
ZahreSzeit einen Besuch zu machen. 
Der Enthüllung deS Maximilian-DenkmalS in Trieft wer- 
den mit dem Kaiser auch die beiden anderen Brüder deS Tod- 
ten, die Erzherzoge Karl Ludwig und Ludwig Viktor anwoh- 
nen. Die gleichzeitige Anwesenheit des Erzherzogs Albrecht ist 
wahrscheinlich 
Die N. fr. Pr. bringt die Nachricht, daß der Ackerbau- 
minister Hr. v. Chlumezky an Stelle deS am Schlüsse veS 
Ofenheim-Prozesses auf „Urlaub" abgereisten Dr. BanhanS 
definitiv zum Handele minister und an seine Stelle Graf Bet- 
rupt zum Ackerbauminister ernannt werden solle. 
Türkei. Ueber die Verschwendung am Hofe des Sultans 
schreibt ein englisches Parlamentsmitglied: „Die autorifirte Hi- 
villiste deS Sultans ist ungefähr 1,200,000 Pfd. Ht. (circa 
30 Mill. Franken), in Folge mehrerer willkürlicher Zulagen 
erstreckt sich das Einkommen des Großherrn jedoch auf unge- 
fähr zwei Millionen Pfund (50 Mill. Franken). Ueberall an 
den Ufern des Bosporus entlang sieht man Paläste u. kunst- 
volle KioSks, kaum durch eine Meile Zwischenraum getrennt. 
Einige dieser Gebäude sind im kostbarsten Stile ausgestattet. 
DaS tägliche Diner des Sultans, welcher immer allein speist, 
desteht aus 94 Schüsseln und 10 andere Mahlzeiten werden 
in anderen Palästen bereit gemacht, falls eS ihm einfallen 
sollte, dort zu diniren. Er hat 800 Pferde, 700 Weiber, be- 
dient und bewacht von 350 Eunuchen. Für diesen enormen 
HauShalt werden jährlich 40.000 Ochsen geschlachtet; außer- 
dem haben die Lieferanten täglich 200 Schafe zu liefern, fer- 
ner 100 Lämmer oder Zicklein, 10 Kälber, 200 Hühner, 
200 Paar Poularde, 100 Paar Tauben u. 50 junge Gänse. 
Zwischen dieser nichtsnutzigen Schwelgerei am Hofe des Sul 
tans und dtr HungerSnoth eines TheileS der Bevölkerung 
seines Reiches besteht ein trauriger Kontrast. Der Gehalt deS 
GroßvezierS beträgt 630.000 Fr, der des Finanzministers 
320 000 Fr. u. s. w. Außerdem hat jedeS Departement fein 
Separat-Budget, welches immer überschritten wird. Jeder De- 
partementSchef (Minister) gibt eigene „Mandate" oder Kassen- 
scheine auS, welche in wucherischer Weise von kleinen Ban- 
quierS diSkontirt werden. DieseS Borgen geht so lange fort, 
biS die Geldleiher nichts mehr vorschießen, und dann wird 
ein großes Anleihen gemacht, um die Scheine einzulösen. 
Verschiedenes. 
* Was sollen wir mit unfern Töchtern thnn? 
Gebt ihnen eine olventllche Volksschulbildung. 
Lehrt sie ein nahrhaftes Essen kochen. 
Lehrt sie waschen, bügeln, Strümpfe stopfen, Knöpfe an- 
nähen, ihre eigenen Kleider machen und ein ordentliches Hemd. 
Lehrt sie Brod backen, und daß eine gute Küche viel an 
der Apotheke spart. 
Lehrt ihnen, daß ein Franken 100 Rappen Werth ist, und 
daß nur der spart, der weniger ausgibt, als er einnimmt, u. 
daß Alle, die mehr ausgeben, verarmen müssen. 
Lehrt ihnen, daß ein bezahltes Kattunkleid besser ist und 
besser kleidet, als ein seidenes, wenn man Schulden hat. 
Lehrt ihnen, daß ein rundes, volles, gesundes Gesicht mehr 
werth ist, als fünfzig schwindsüchtige sog. Schönheiten. 
Lehrt sie gute, starke Schuhe tragen. 
Lehrt sie Einkäufe machen und nachrechnen, ob die Rech- 
nung auch stimmt. 
Lehrt ihnen, daß sie nach GolteS Ebenbilde geschaffen sind, 
und daß sie dieses Ebenbild mit starkem Schnüren bloß ver- 
derben können. 
Lehrt ihnen einfachen, gesunden Menschenverstand, Selbst- 
hülfe und Arbeitsamkeit. 
Lehrt ihnen, daß ein rechtschaffener Handwe»ker in Hemd- 
ärmeln und mit der Schürze, selbst ohne einen Rappen Ver-
        

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