Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/5/
Liechtensteinische 
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Vaduz, Freitag 
Nr. % 

dm 8. Jänner 1875^ 
Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — EinrSckunghr für die zgespalten« Zeile S kr. — Briefe und Gelder 
werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
37. Die Freiherren v. Brandis. 
(Fortsetzung.) 
In Folge der Auflösung deS Bundes ob dem See unter- 
warfen sich auch die Leute am Eschnerberg wieder ihren alten 
Herren, nämlich dem Bischof Hartmann und dem Grafen 
Albrecht von Pludenz. Der Letztere besaß die nun zerstörten 
Burgen Alt- und Neuschellenberg und waS auf der westlichen 
Seite des Berges, sowie jenseits des Rheines zu diesen Besten 
gehörte. Dieses Besitzthum verkaufte er 1412 an Wilhelm 
v. Montfort-Tettnang um 3846 fl, nach seinem Tode aber 
(14! 7—1419) beanspruchten. eS seine Erben. Unter diesen 
war auch Wolfhard v. Brandis. Da Letzterem die übrigen 
Erben ihre Ansprüche abtraten, entspann sich zwischen ihm und 
dem genannten Käufer ein langwieriger Streit, welcher 1434 
dem Kaiser Sigismund vorgelegt wurde. Der Spruch dessel- 
ben ist nicht bekannt, wohl aber die Thatsache, daß Wolfhard 
v. Brandis die bestrittenen Besitzungen erhielt. Den übrigen 
Theil des EschnerbergeS befaß Bischof Hartmann von Chur, 
der aber 1416 seine HoheitSrechte an die Herren v. Brandis 
abtrat. 
Die Burg Werdenberg kam um diese Zeit durch Aussterben 
der Linie Werdenberg-Heiligenberg an die Grafen v. Montfort- 
Tettnang, die theilweife auch auf derselben residirten. 
Den 30. April 1430 starb Graf Friedrich v. Toggenburg 
kinderlos und hinterließ sebr ausgedehnte Besitzungen in den 
jetzigen Kantonen St. Gallen, Schwyz u. Graubünden. Nicht 
lange vor seinem Tode hatte er in SarganS in Gegenwart 
/einer vornehmsten Amtleute den Wolfhard von Brandis zum 
Herrn und Erben der Herrschaften Toggenburg u. Uznach ein- 
gesetzt. Urkunde wurde keine ausgestellt und allen Anwesenden 
Geheimhaltung der Sache befohlen. Nach dem Tode deS Gra 
fen traten nun zahlreiche und verschiedenartige Bewerber um 
das Erbe auf. Wolfhard v. Brandis gründete seine Ansprüche 
theils auf dqS erwähnte Testament, theilS auf die Abstammung 
seiner Gemahlin. Er und die ihm befreundeten Erben schloßen 
1437 zu Feldkirch ein Bündm'ß u. versprachen hiebe! mit ihren 
allfällig geerbten Herrschaften in daS Landrecht von Schwyz 
und GlaruS zu treten. Sie beriefen sich in Bezug auf letztern 
Punkt auf den Willen .des verstorbenen Grafen u. hofften fo 
Schwyz u. GlaruS für sich zu gewinnen. Der Erbschaftsstreit 
kam vor den Kaiser Albrecht II. zur Entscheidung Durch einen 
vom Kaiser 1439 bestätigten Erbschaftsvertrag erhielt Wolfhard 
v. Brandis die Herrschaft Maienfelv. Zugleich bestätigte ihm 
der Kaiser alle seinen Vorfahren verliehenen Gnaden u. Frei- 
heiten für die Herrschaften zu Vaduz, Schellenberg u. Blumen- 
egg. Bald darauf setzte ihn Herzog Friedrich der Jüngere zum 
Vogte von Feldkirch ein, für welches Amt er mit 450 ff. jähr- 
lich belohnt werden solle. Nach seinem Tode soll sein Sohn 
Wolfhard der Jüngere Stadt u. Beste zu Feldkirch unter den 
glichen Bedingungen verwalten. So war Wolfhard in den 
Besitz eines zusammenhängenden Gebietes gelangt, das von der 
Landquart bis an die Jll reichte. Dagegen veräußerte er die 
Besitzungen, welche er noch in semer Heimat besaß und behielt 
dort nur noch die Stammherrschaft Brandis. Zuletzt verkaufte 
ex selbst diese, jevoch mit Borbehalt der Wiedereinlösung. 
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Politische Rundschau. 
Das einzige wichtige Ereigniß der letzten Woche sind die 
Borgänge in Spanien. Dieselben haben eine unerwartet 
plötzliche Wendung genommen. Don Alfonfo der Sohn der 
Exkönigin Jsabella ist am 31. Dez. zum König von Spanien, 
proklamirt und als solcher von sümmtlichen bisherigen repu- 
blikanischen Truppen bereits anerkannt worden. Wie die 
„Times" über eine Unterredung, welche ihr Pariser Korre- 
spondent am 1. Jänner mit Don Alfonfo hatte, berichtet, er- 
klärt der Prinz: Er sei bereit nach Spanien abzureisen, er er- 
warte aber noch bestimmte Nachrichten und werde unmittelbar 
nach Empfang derselben abreisen. Der Prinz wurde durH 
seine Proklamirung nicht überrascht; er erwartete sie vielmehr. 
Auf die Frage: ob er glaube, daß die Karlisten den Krieg 
fortsetzen werden, antwortete er: er glaube der Kampf werde 
zunächst ein sehr harter werden, aber daS spanische Volk wer- 
de sich nach und nach ihm (dem Prinzen) anschließen und der 
Krieg bald beendet sein. Er sei nicht König einer Partei Da& 
Ministerium, auS allen Parteifchattirungen zusammengesetzt, 
sei liberal-konstitutionell, wie er dieß selbst aufrichtig nach seiner 
ganzen Erziehung sei. Er wisse, er übernehme schwere Pflich 
ten durch die Annahme der Krone, er werde jederzeit bemüht 
sein, seine Aufgabe zu verstehen und seine Pflichten zu erfüllen. 
Auf die Frage: ob die Königin-Mutter ihn begleite, erwiederte 
Don Alfonso: eS sei bereits bestimmt, daß die Königin in Pa- 
ris bleibe. 
Weitern Nachrichten zu folge ist General Martinez Kam- 
poS, der sich zuerst für Prinz Alfonso erhoben hatte, an der 
Spitze der Truppen die zu seiner Bekämpfung abgesendet 
worden waren in Valencia eingezogen. Marschall Serrano 
hat auf die erste Nachricht von der alfonsistifchen Bewegung 
die Nordarmee verlassen, und sich nach Madrid zurückbegeben. 
Don Alfonso hat telegrafisch um den Segen deS Papstes ge- 
beten und dabei die Versicherung abgegeben, daß er, gleich
        

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