Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/43/
der Strausack war ganz «aß und schmutzig, der Offenzier ist 
selber kommen lugen, er hat eS zerst nicht glauben Wollen, 
oiber da hat er mieSen. Es war gut daß eS grad der B. 
war, der uns daS Brod bacht, ich hatte ihn mit keinem Steckli 
angerührt so hat es mir gegrauset Lebt wohl und bleibet ge 
sund ; Schickt mir die Wurscht und die Hamen sunst müeSt 
ich fast verhungern das wünsche ich Euch von Herzen nebst 
Gruß 
Euer N. N. 
* Ein Schwindlerpaar. Vor dem Zuchtpolizeigericht 
von Marseille wird gegenwärtig ein Prozeß gegen ein inter 
essantes Schwindlerpaar verhandelt, nämlich gegen einen Hrn. 
de Boissy, einen Marfeiller Arzt, der sich für einen Marquis 
de Boissy ausgab, und seine Geliebte, eine Frau Saulnier, die 
fich Erzherzogin Therese von Oesterreich, Marquise de Boissy, 
unterschrieb. Die letztere ist die geschiedene Frau eines achtbaren 
Beamten deS Kaiserreichs, mit welchem sie mehrere Kinder ge- 
habt hat, bei .deren ältestem der Kaiser Napoleon selbst Pathen- 
stelle vertreten hatte. Dann hatte sie zwei Kinder mit dem 
Mitangeklagten, und diese wurden in daS Civilstandsregister 
alS Kinder deS Hrn. de Boiffy u. der Frau Zichy, Marquise 
de Easareal, eingetragen. Frau Saulnier ist jetzt 33 Jahre alt 
und trägt noch Spuren von Schönheit; eine Zeit lang hat sie 
unier dem Namen Stellani der Theäterwelt angehört und in 
London, Genf, Marseille ein abenteuerliches Leben geführt. In 
der letzteren Stadt Kernte sie Hrn. de Boissy kennen, der sich 
mit ihr in Brüssel kirchlich vermählt haben will. DaS Paar 
hat dann in ParlS u. Marseille eine Reihe von Schwindeleien 
verübt, ^die sich auf mehrere hunderttausend Franken belausen; 
ein einziger Gütermakler, Namens Faravel, ließ sich von ihnen, 
bloS weil er sie im Marseiller Theater in der Loge des Gene- 
ralS Espivent gesehen hatte, nach und nach 136,000 [Franken 
entlocken. Ihm und den andern Opfern wurde von der Ange- 
klagten folgender Roman aufgebunden: „ Die Erzherzogin The- 
refe von Oesterreich hatte stch insgeheim mit dem Mann ihres 
Herzens vermählt, der Bund blieb nicht ohne Folgen, und die 
Prmzessin verheimlichte ihre Schwangerschaft. Auf einem Hof- 
ball wurde sie von den Wehen ergriffen, verschwand auf eine 
Stunde, genas eines Mädchens u. tanzte dann noch auf dem- 
selben BaUe. Diese Tochter bin ich. Der Kaiser von Oestexreich 
erfuhr alles, er verzieh, u. ich wurde in aller Stille in Paris 
erzogen. Mein Erbe belauft sich auf 30—40 Millionen, welche 
die Krone Oesterreich meiner Mutter für die Abtretung von 
Tirol schuldet. Diese Summe soll mir in Monatsraten von 
800,000 Fr gezahlt werden, sobald ich das Alter von vierzig 
JMW mMt Mey lyerde. Der Kaiser von Oesterreich hat 
af>jer in seiner Güte verfügt, daß diese Zahlungen schon zwei 
Zahre früher beginnen sollen, u. binnen einigen Monaten trete 
ich in daS 33. Lebensjahr." Zur Beglaubigung ihrer Angaben 
wies die Angeklagte ein angeblich von der Erzherzogin Therese. 
unterzeichnetes Dokument u. einige PortraitS der österreichischen 
Kaiserfamilie vor, die sie von den Urbildern selbst geschenkt er- 
halten h.ibe. Dieß genügte für den leichtgläubigen Faravel ihr 
einen beinahe unbeschränkten Credit zu eröffnen. &or dem Ge 
richt gesteht die Angeklagte ein, daß sie di£ natürliche, jedoch 
anerkannte Tochter des Kaufmanns JaureS, eines. BruverS deS 
gleichnamigen AdmirM, und eines Frl. de Carvaillac sei. Der 
Angeklagte de Botssy .redet sich darauf auS, daß seine Frau 
ihm ohne ihr eigenes Wissen und Wollen ihre hohe Göburt 
anvertraut habe, als sie in einem magnetischen Schlafe lag. 
Der Bercheidiger macht sogar zur allgemeinen Heiterkeit den 
ganz ernsthaften Borschlag dieses Experiment vvr dem Gerichts- 
Hof zu erneuern. Der Prozeß wird mehrere Tage.in Anspruch 
nehmen. 
Volkswirthschastliches. 
Die Futternoth 
(Räch einer Abhandlung von Fr. Römer.) 
(Fortsetzung.) 
6.'Spergel, Ackerspergel, MariengraS ist bei unS we- 
nig bekannt und kommt besonders in den Sandgegenden deS 
nördlichen Deutschlands als Futterkraut vor, wo weder die 
Kleearien noch andere Futtergräser ihr Gedeihen finden. Der 
Spergel nimmt also mit dem magersten Boden vorlieb und 
ist daher eine eigentliche Aushütfspflanze, um auch diesen nicht 
unbenutzt lassen zu müssen. Jedoch verlangt er ein unkraUt- 
freies, gutgelockertes Feld. Für die Gegenden, wo er gepflanzt 
wird, hat er als Futterkraut, sowohl grün als gedörrt, we- 
gen seiner nahrhaften und milchwirkenden Eigenschaft einen 
außerordentlichen Werth. Seine Grün futterung verntebrt in- 
deß nicht nur die Milch sehr, sondern macht sie und die But^ 
ter auch sehr schmackhaft. ES gibt zw,i Arten, den niedrigen 
und den höhern Spergel (spergula maxima). Von dem letz 
tern, oder größern ist hier die Rede. Er ist eine trockene, 
vielstängelige, mit sehr geringem, feinen Blattwerk versehene, 
schlingkrautartige Pflanze, die sich sebr dicht bestockt und bis 
t */2 Fuß hoch wird. Sie hat mit keinem unserer künstlichen 
Futterkräuter eine nähere Ähnlichkeit. Er entwickelt stch schon 
in 8—-10 Wochen vollständig zur Mähbarkeit, liefert zwar 
auf gutem, zu anderen Futtersorten wohlgeeignetem Land, ge- 
ringeren Ertrag als diese, ist aber, wie gesagt, auf sandigem, 
magerem LandZ ihnen - vorzuziehen. DaS Land muß gewalzt 
werden, damit daS Futter nahe am Boden gemäht werden 
kann. 
Man säet den Spergel bis zu Ende August. In mage- 
rem Boden empfiehlt sich das Ueberfahren deS Ackers mjj 
Jauche vor oder nach der Saat. 
Die Aussaat, 12 Pfd. per Juchart, kommt nicht thWer. 
Der Spergel wird gemäht, wenn er in die Blüthe getreten ist. 
ÄlS Grün- und Dürrfutter wird er von dem Rindvieh u. den 
Schafen gerne gefressen, die Pferde lieben ihn nicht. 
II. Man wird schon im Herbst zur Benützung 
auch von solchem Futter mit Vortheil greifen-, 
das man son st in der Regel nicht oder nicht über- 
all anwendet. 
t. So liefert das Laub mancher Bäume, z. P. der 
Pappeln, im gedörrten Zustande ein sehr brauchbares Futter 
für Schafe und Ziegen. 
2. Bon den Blättern der Rühen, die man soyst 
häufig .alS Gründünger unterackerte, zum Theil auch (aller- 
Vings meist in zu großer, dem Wohlbefinden deS VieheS nach- 
theiliger Menge) verfütterte, wird man einen ausgedehnteren 
und vortheilhasteren Gebrauch machen, indem man das ganze 
Erzeugniß zur Fütterung bestimmt, jedoch im Herbst selbst, in 
Ermangelung änderen GrünfutterS, nicht im Uebermaß füt 
tert, vielmehr den Rest in Gruben, mit oder ohne Salz, ein- 
schlägt, wo eS stch bei zweckmäßiger Behandlung in gutes 
Sauerfutter verwandelt, dqS sich bis zum Beginn der Grün/ 
fütteru.ng des nächsten JahreS gut erhält 
III. Wenn es auch lm Allgemeinen nicht gerathen ist, die 
ganze Ernte der Rübengewächse zu lange hinauszuschieben 
(bei zur Wintersaat bestimmten Aeckern ist dieß schon auS 
Rücksicht für daS Gedeihen deS Wintergetreides unstatthaft, 
so muß man es doch für zweckmäßig haltt«, wenn wenig» 
stens einem kleineren Theil der Ernte möglichst 
lange das Feld eingeräumt bleibt, selbst auf die 
Gefahr hin, er ^könnte vom Frost überrascht werden. Denn 
ckuch in diesem schlimmen Fall büßt man nichts ein, wenn 
sogleich die erfrorenen Rüben zuH Saüerfutter eingeschnitten 
, oder eingestampft werden. Schlägt aber das Wetter nach Er- 
scharten gut ein, so findet, wie allgemein bekannt, im Spät- 
- hervft ein bedeutender Zuwachs am Rübenquantum statt, Ä- 
\
        

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