Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/35/
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zur Aufklärung dienen dürfte, ist die schon oben angedeutete 
vom 20. Mai 1863 her datirende Dienstin struktion für daS 
fürstliche Jagddienstpersonal, welche im 2. Abschnitt über den 
Waffengebrauch sich wörtlich wie folgt äußert: 
„Von der Waffe zum BeHufe der Arretirung 
„von Wilddieben, darf nur im äußersten Roth- 
„falle als Nothwehr Gebrauch gemacht werden." 
Um nun aus diesen aktenmäßigen Feststellungen zu einem 
Schlüsse zu kommen, so wird wohl Jedermann klar einleuch- 
ten, daß dasjenige, was der Abg. Wanger durch seinen An- 
trag unter Punkt a, b und c erreichen wollte, schon seit Iah- 
ren in unfern bestehenden Gesetzen und Verordnungen im vol- 
len Umfange enthalten war und deshalb als gegenstandslos 
vom Landtage nicht behandelt werden konnte. 
WaS die letzte Bestimmung deS Wangerschen Antrages 
betrifft, welche Seiner Durchlaucht dem Fürsten daS dermalen 
eingepachtete Iagdrecht für die nächsten 10 Jahre unent- 
geldlich zugesichert wissen will, ist uns dieselbe bis zur 
Stunde noch nicht einleuchtend geworden um so mehr, als der 
Antragsteller in der Begründung seines Antrages den Land- 
tag daran ermahnt, dem Volkswillen, welcher in den Gemein- 
depetitionen auSgespochen sein soll, Beachtung und Rücksicht 
zu Nagen, diese Petitionen aber nichts geringeres als die Auf- 
Hebung aller Jagdpachtverträge und Freigebung der Jagd ver- 
langen. 
Auch über diese eigenthümliche Freigebigkeit glaubte die 
Majorität deS Landtages mit richtigem Takte zur TageSord- 
nung übergehen zu müssen. 
Bezüglich der Petitionen, welche von verschiedenen Ge- 
meinden, wie schon oben bemerkt, an den Landtag gerichtet 
wurden, scheinen die Bittsteller den Umstand nicht beachtet zu 
haben, daß von der fürstl Regierung im Namen deS Landes 
bestimmte auf eine gewisse Anzahl von Jahren zielende Jagd- 
Pachtverträge abgeschlossen wurden, welche ohne eine offenkun- 
dige Vertragsverletzung nicht beliebig aufgehoben werden kön- 
nen. Um nun an dieser Stelle auf den traurigen Borfall 
zu kommen, welcher jene Petitionen unmittelbar veranlaßt hat, 
so hätte derselbe nur dann den Grund zu einer Pachtauflösüng 
geben können, wenn das Jagdpersonal den Auftrag erhalten 
hätte so unnachsichtig gegen Jagdfrevler vorzugehen, während 
aber im Gegemheil eine ganz klare Verordnung, die wir schon 
oben wörtlich angeführt haben, den Gebrauch der Waffe nur 
für den Nothfall der Gegenwehr gestaltet. Wenn nun trotz 
dieser vorsichtigen Verordnung und den Bestimmungen deS 
Jagdgesetzes jene UnglückSthat sich ereignen konnte, so ist für 
dieselbe der THSter allei »verantwortlich zu machen; die Er» 
sahrung zeigt unS ja häufig genug, daß überall, wo die be- 
sten Gesetze zum Schutze deS Eigenthums, der persönlichen 
Sicherheit aufgestellt sind, dennoch Übertretungen derselben 
stattfinden, für welche die jeweiligen Behörden verantwortlich 
zu machen gewiß Niemand einfallen wird. 
Wenn demnach der Landtag dem in jenen Petitionen auS- 
gesprochenen Verlangen Hätte entsprechen wollen, so hätte die- 
seS ohne einen verletzenden Akt gegen die Person deS Fürsten 
in der Eigenschaft alS Jagdpächter deS Landes, unmöglich ge- 
fchehen können. 
DaS aber wollte und konnte daS Volk von seinen 'Vertre- 
tern nicht verlangen, daß sie nach so vielen Beweisen fürstli- 
cher Huld und Wohlthaten die Pflichten der Dankbarkeit in 
einer daS Land entehrenden Weise vergessen, daß dieselben, 
nachdem sie mit der einen Hand bitten und empfangen, mit 
der andern denselben Wohlthäter verletzen sollten ! 
Ob nun nach dem oben Gesagten jene Abgeordneten, 
welche am 22. deS v. JahrS die bekannten Petitionen und 
die damit zusammenhängenden Anträge abgelehnt haben, noch 
immer den ihnen nachher gemachten Borwurf verdienen, daß 
ste die Interessen deS Volkes nicht gewahrt hättet, daS über 
lassen wir getrost dem gerecht und einsichtig denkenden Theil 
unserer Bevölkerung! 
Badnz, 23. Februar. Wie man verschiedenen Schweizer- 
zeitungen entnimmt, ist die Reblaus auch in St. Gallischen 
Rebbergen (bei RapperSwyl) aufgetreten. ES gehen hierüber 
interessante Berichte ein. 
Schon seit etwa 20 Jahren wurde dort die Beobachtung 
gemacht, daß an einzelnen Stellen Reben durch Wurzelfäulniß 
zu Grunde gingen Als Ursache sah man allgemein die Bo 
denbeschaffenheit an und glaubte, daß Feuchtigkeit, schwerer 
Grund oder tiefer liegendes Wasser diese Rebenkrankheit erzeu- 
gen könnten. An mehreren Orten wurden Versuche mit 
Drainage gemacht und zwar tbeilweise mit, aber auch ohne 
Erfolg. Als vor einigen Jahren das Auftreten der ReblauS 
in Krankreich bekannt wurde, machte man sich mit dem Ge- 
danken vertraut. eS möchte ein ähnliches Insekt Ursache dieser 
Zerstörungen sein, legte diesen aber kein besonderes Gewicht 
bei, da sich eben keine weitere Verbreitung jeigte. 
Letztes Frühjahr bei Anlaß eines RebenkurfeS in Kempra- 
ten bei RapperSwyl, gegeben durch Hrn. Kraft von Schaff- 
Kausen, wurden die ersten mikroskopischen Untersuchungen an- 
gestellt und damals auf solchen erkrankten Wurzeln ein Insekt 
entdeckt, das der Phyllozera vastatrix ziemlich ähnlich^zu sein 
schien. Diesen Winter wurden dann mit Reben auS diesen 
Weinbergen an der Universität in Genf weitere Untersuchungen 
vorgenommen und daS wirkliche Vorhandensein der ReblauS 
konstatirt. Diese Rebenkrankheit kommt aber nicht nur in ei- 
nem einzelnen Weinberge vor; sie findet sich in sehr vielen 
Rebgütern in Kcmpraten und Jona und zwar, wie schon be- 
merkt, seit einer Reihe von Jahren, ohne daß man aber die 
Ursache kannte, noch die Mittel zu deren Bekämpfung auS- 
findig machen konnte. 
Die gleichen Erscheinungen findet man auch in den Wein- 
bergen bei Wallenstedt und am Bodensee. 
Politische Rundschau. 
In Deutschland tauchen in jüngerer Zeit verschiedene 
Gerüchte auf, weiche von einem baldigen Rücktritte veS Für- 
sten Bismarck sprechen. Dieselben scheinen insoweit Beachtung 
zu verdienen, als der Reichskanzler selbst schon die Absicht auS- 
gesprochen haben soll, wegen seiner stark angegriffenen Gesund- 
heit sich iyS Privatleben zurückzuziehen. 
In Frankreich hat sich im Verlaufe der letzten Woche 
ein sehr interessanter Prozeß zwischen dem bonapartistischen Re- 
dakteur des „PayS" Paul de Caffagnac und dem General 
Wimpfen abgespielt. Den Anlaß zu diesem Prozesse bildete ein 
Artikel im „PayS,^ in welchem dem General Wimpfen, der 
bekanntlich in der Schlacht von Sedan nach der Verwundung 
des Marschalls Mac Mahon den Oberbefehl über die dort 
kampfenden französischen Truppen übernommen hatte, eine vor, 
zügliche Mitschuld an der bekannten Niederlage der französischen 
Armee wegen Unfähigkeit im Eommando beigemessen wurde. 
General Wimpfen klagte und wählte sich Jul. Favre zum Ver- 
theidiger, während der Redakteur des „PayS" 3 französische 
Generale, welche an der Schlacht von Sedan teilgenommen 
hatten, als Zeugen zitirte. Die Aussagen der letzteren bestät- 
tigren in der That die Auslassungen des „PayS," worauf der 
Gerichtshof keine andere Wahl hatte, als den angeklagten Re- 
dakteur deS genannten BlatteS freizusprechen. Man kann sich 
denken , daß die Bonapartisten ein bedeutendes Capital auS 
diesem Urtheile schlagen werden. 
England. In der Militärakademie zu Woolwich fand am 
16. d. MtS. die Preisverteilung nach abgehaltenem Exqmen 
statt, und diese erregte um so größeres Interesse, als der Prinz 
LouiS Napoleon bekanntlich mitbetheiligt war. Der Herzog v. 
Cambridge präfidirte, und die Kaiserin Eugenie nebst Gefolge,
        

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