Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/33/

Dritter Ashrgang 
Sur Klarstellung. 
In der vorsetzten Nummer unseres Blattes brachten wir 
die Mittheilung über die erfolgte endgültige Verurteilung deS 
Forstadjunkten Hartmann. 
Mancher unserer Leser wird iich zur Zeit alS die Unglück- 
liche Hartmannaffaire im In- und Auslände durch mündliche 
Agitation und Benützung der benachbarten auslandischen Presse 
zum Tagesgespräch wurde, gewundert haben, daß sich un- 
ser Blatt mit der kurzen rein sachlichen Mittheilung über 
den unglücklichen Vorfall selbst begnügte und dem freilich un- 
erquiklichen Durcheinander leidenschaftlicher Polemik fern blieb. 
Unsere Stellung war und ist eine durchchu^ DDDve. Wir 
verachteten AMMfangS daS traWW.MeiWM-MMM 
Ha kk v o n rem prwMeMlcher Mtur^sDa zMM der. Mtte 
schon am 2. Tage nach der That verhaftet Murde und die 
Kompetente richterliche Untersuchung auch sogleich eingeleitet 
Wurde, so war umsoweyiger Grund vorhanden, unbegründeter- 
weise dem richterlichen Vorgehen vorzugreifen und die ganze 
Sachlage auf diese Weise vorzeitig zum ZeitungSgespräche zu 
machen. ES ist dies, wie bekannt, dennoch von anderer Seite 
in einer sehr leidenschaftlichen und unerquiklichen Weise in der 
benachbarten ausländischen Presse versucht worden. Man hat 
dort den unglücklichen Vorfall zu „politischem Kapital" ver^ 
werthet und unser ganzes Beamtenchum als mitverantwortlich 
und quasi'mitschuldig zu verdachtigen gesucht. Man hat sich 
nicht entblödet dem Auslände die Vorstellung beizubringen, als 
ob unsere Beamten, anstatt 'sich mit dem Wohl und Wehe 
deS Landes zu befassen, ihre Zeit mit Jagdvergnügen u. s w. 
zubrächten und als ob unsere Bevölkerung noch unter dem 
Joche einer Art altrussilcher Knutenwirthschaft zu leiden hätte. 
Man hat die geheimen Fäden sogar bis nach Wien spinnen 
wollen, und zu guter Letzt daS frühreife Kind der leidenschaft- 
lichen Agitation im LanvtagSsaale präsentirt. 
Wir haben trotzdem biS jetzt eine öffentliche Besprechung 
vermieden und zwar, weil wir einerseits abwarten wollten, 
bis unter der theilweife erregten Bevölkerung wieder eine ru- 
higere Stimmung Platz gegriffen, und weil wir andererseits 
während der Dauer der Hartmann^schen Proceßverhandlung, 
als dem Ausgangspunkte der künstlich instenirten politischen Agi 
tation, jede vorzeitige öffentliche Aeußerung vermeiden wollten, 
um nicht den Vorwurf auf uns zu laden, als hätten wir nach 
dieser oder jener Seite hin auf den Ausgang deS ProeesseS 
irgend einen wenn auch noch so geringfügigen Einfluß ausüben 
wollen. 
Jetzt, wo die richterliche Entscheidung.erfolgt und fkO ru 
higere Stimmung Bahn gebrochen, erachten wir es als Pflicht 
eines öffentlichen OrganeS, auch diese Angelegenheit soweit sie 
auf das politische Gebiet MÄbergespielt wurde, itt kurzen Zü 
gen zu beleuchten. 
Wie wir schon oben angedeutet haben, w 
unsere officiellen Kreise durch die betreffendes 
'isch 
U insbesondere 
düngen in 
untergesetzt. 
Zaune ge« 
ausländischen Blättern ungerecht verdächtigt 
Wir Hennen die MotMt,nicht, die zu diesem ^ 
rissenen" Vorgehen Bewogen, müssen selbe aber nothwendiger- 
weise in untergeordneter persönlicher Leidenschaft suckM. Denn 
soviel wird Jedermann klar sein, daß sich weder unsere JRt* 
gierung noch daS Landgericht noch daS Forstamt in irgend 
welcher' Weise etwas darum vermag, daß sich eine einzelne 
Amtsperson einen persönlichen Fehltritt hat zu Schulden kom- 
;Mn lasten, ber nür den Thäter selbst verantwortlich macht. 
ifc, WM feafl- BorHehsn der Agitationspartei noch un- 
eiMMchNmacht,Mgemein bekannt, daß gerade die Regierung-. 
je4. : ify HMen. daS jetzt gesetzlich bestehende 
Jagd^efttz aM ÄÄiative zur Vorlage brachte. In 
diesem Gesetze gilt alS höchste Strafe gegen Wildfrevel eine 
Arreststrafe von 2—4 Monaten. Nebenbei wird in einer forst- 
amtlichen Dienstverordnung v. I. 1863 dem Jagdperfouale 
ausdrücklich ^'eder Gebrauch der Schußwaffe gegen Menschen 
außer im Akte der Nothwehr strengstens verboten. 
Wir glauben daher das durchaus Ungerechte und Unmo- 
tivirte obiger Verdächtigungen zur Genüge dargelegt zu haben. 
ES wurde in den betreffenden Einsendungen auch unsere 
richterliche Behörde in einer durchaus ungerechten Weise ver- 
dächtigt. Wir konstatiren in dieser Beziehung, daß gerade 
daS Landgericht eS war, das schon vor mehreren Jahren auf 
gründliche Revision der noch jetzt bei unS zu Recht bestehen- 
den Strafprozeßordnung hinwirkte, vom Landtage aber in An- 
betracht von dringenden Sachen nicht hinreichend Unterstützung. 
fand. Nebenbei sei bemerkt, daß unsere zur Zeit gültige Straf- 
gesetzesfammlung durchweg strengere Strafmaße hat, als daS 
neue deutsche Strafgesetzbuch. ES ist nothwendig und wie 
oben bemerkt, gerade der mehrjährige Wunsch deS Landgerich« 
teS selbst, daß auch bei unS, wie in andern Staaten, das 
neue öffentliche Gerichtsverfahren eingeführt wird, Wie be- 
kannt ist auch im letzten Landtage ein Antrag in diesem Sinne. 
einstimmig angenommen worden. In einem Ländchen von so 
geringer Einwohnerzahl stoßen derartige Neuerungen jedoch, 
auf Widerstände, die in größeren Staaten nicht bestehen Die 
viel größere Kostbilligkeit deS öffentlichen Gerichtsverfahrens, 
daS geradezu Unmögliche aus einem so kleinen Territorium 
die gehörige Anzahl unpartheiischer Geschwornen heraus zu 
finden, stnd Hindernisse, die unsere LandeSkasse und unser klei 
nes Terrain nicht überwinden kötmen. Da demnach ein selbst- 
ständiger Gerichtsapparat nicht möglich sein kann bei derärti- 
gen Schwierigkeiten, so kann die Einführung deS öffentlichen
        

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