Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/31/
von den Aartoffeln ablas, schwoll mir die Hand derart, daß 
ich glaubte, eS habe mich ein giftiges Infekt gestochen, bis ich 
später hörte, daß dieS die Folgen deS KäfergifteS seien. Spa- 
ter fand ich auch, daß die alten Ansiedler dort stets einen 
Handschuh anzogen, bevor sie an das Ablesen der Kräuter 
gingen. Auch soll die Wirkung bei einer etwaigen offenen 
Wunde in der Hand genau die Folgen haben, alS wenn man 
sich mit PhoSphor verbrennt. DaS Ablesen muß Morgens 
ganz in der Frühe geschehen, weil die Käfer bann noch ganz 
dicht zusammensitzen^ Gin Kartoffelfeld jedoch, daS einmal 
von dieser Plage ergriffen, M trotz aller Mühe und Sorgfalt 
zu Dreiviertel verleren, da sich der Käfer zu massenhaft ver- 
mehrt. DaS Thier hat die Größe einer Erbse und ist braun« 
roth. Merkwürdigerweise ist eS auf der WiSkonsin-Seite des 
Missistppi überall verbreitet, wogegen ich dasselbe auf der an- 
dern Seite des Flusses, im Staate Iowa und in Minnesota, 
nirgends fand. Im Uebrigen kann ich mich der Mahnung 
des englischen Blattes zur Anwendung der äußersten Vorsicht 
nur anschließen, denn die Wirkungen sind ganz entsetzlich, und 
wir besonders in hiesiger Gegend, wo weder Eisenbahn noch 
Gewerbetrieb ist, und wo wir so wie so jedeS Jahr mit Ernte- 
Mißgeschick zu kämpfen haben, brauchen eine solche Beschee- 
rung noch, wie den Kartoffelkäfer, um vollends ruinirt zu 
sein." 
* Ein Schutzmittel gegen die Krankheit der K arto fs el n. 
Hr I. DeSporteS, der Präsident der Weinbaugesellschaft in 
Tarare (Rhone), hat folgenden Brief an die „Gazette des 
campagneö" geschrieben: Ich glaube nützlich zu sein meinen 
Collegen vom Konnte und allen Landwirthen, wenn ich ihnen 
folgendes Verfahren empfehle: Man nehme t Kilogramm 
gebrannten Kalk in Stücken, welchen man in 5 Liter Wasser 
auflöst und wenn er gut gemengt ist, ein Doppel - Decaliter 
(französischer Sester) Samen Kartoffeln und drille sie in die 
ser Brühe, um alle Kartoffeln zu bedecken, hernach pflanze 
man dieselben. Seit 6 Iahren habe ich dieses Verfahren an 
gewandt und während dieser Zeit noch keine einzige kranke 
Kartoffel gehabt, obschon ich von den meisten Arten gepflanzt 
habe. ES ist dieser Brief in vielen Gemeinden in Frankreich 
angeschlagen; ich rathe Ihnen, dieses Verfahren in Ihrem ge- 
schätzten Blatte mitzutheilen. (HdlS.-C.) 
* Der beste Geschäftsreisende, sagt ein engli- 
lifcheS Blatt, ist ein geschicktes Inserat in einem guten Blatte. 
ES besitzt dasselbe alle Verdienste deö Reisenden, aber keine 
seiner Fehler, außerdem aber gewährt eS nur ihm eigene Vor- 
theile. So z. V. reist daS Inserat in allen Richtungen gleich- 
zeitig und besucht die Kunden mit unwandelbarer Regelmä 
ßigkeit, — es spricht mit tausend Zungen, ohne dadurch zu 
übermäßigem Durst angeregt zu werden, verliert seine Zeit 
auch nicht beim Karten- ober Billardspiel, verlangt keine Pro- 
Visionen und schadet auch nicht dem Kredit deS HauseS durch 
unbesonnene Großsprecherei. Ein anderer seiner Bortheile ist, 
daß eS niemals sich selbst etablirt und dann Kredit unv Vor« 
theile ausnutzt, die eS auf Kosten des Auftraggebers erwor- 
den, daß es nicht Taufende von Thalern im Jahre kostet, 
sondern nur eine verhältnißmäßig geringe Summe, und daß 
eS schließlich alle Kunden der Firma direkt zuführt und sie zu 
deren persönlichen Freunden macht. Wer könnte also nicht 
solch treue Dienste ausnützen wollen? 
Alpwirthfchaftliche Betrachtungen, vu. 
Wie soll eine gute Buttermaschine beschaffen 
sein? 
Die verschiedenartigen Maschinen, welche zum Zwecke deS 
ButternS schon construirt worden sind, lassen sich trotz ihrer 
großen Anzahl immer auf zwei Formen zurückführen ; bei der 
einen werden die Fettkügelchen durch Stoßen (Stoßbutterfaß) 
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bei der andern durch Schwingen s(Drebbutterfaß) zur AuSschei- 
dung und nachherigen Bereinigung genöthigt. 
Die ersten haben den Vortheil, daß sie besser zu reinigen 
sind und der atmosphärischen Lust durch eine Oeffnung Jim 
Deckel fortwährend Spielraum gönnen, hingegen den Nachtheil, 
daß ste in der Regel mehr Anstrengung fordern, als die Dreh- 
butterfässer. 
Die letzteren gestatten eine schnellere Bewegung, sind aber 
gewöhnlich fest verschlossen, so daß keine Erneuerung der Lust 
stattfindet, welchem Umstände bedeutendes Gewicht beizulegen 
ist. Sie haben entweder feste oder bewegliche Flügel, mit den 
erstem wird daS ganze Faß, bei den letztern nur die Flügel- 
achse mit den Flügeln gedreht. Die Form ist die eineS Mühl- 
stemS, einer Tonne oder einer Halbtonne. In unfern hier- 
ländischen Käsereien benützt man gewöhnlich die Mühlstein- 
form mit festen Flügeln, die nach mehrfachem Urtheile hinter 
den andern Formen zurückbleibt, weil die Gesässe schwer zu 
reinigen sind und die Butter schwierig herauszubringen ist. 
Die Anforderungen, welche an eine zweckmäßige Buttermaschine 
gestellt werden müssen, wenn dieselbe allgemeinen Eingang stn- 
den soll, lassen sich wie folgt feststellen; 
1. Einfache Construktion und billiger Preis. 
2. Leichte Handhabung und Reinhaltung. 
3. Bequeme Regulirung der Temperatur und Zutritt der 
atmosphärischen Lust. 
4. Schnelle und vollkommene Ausscheidung der Butter. 
Wie soll man buttern? 
Wenn die Arbeit deS ButternS gewöhnlich eine sehr müh- 
same genannt wird und manchen überflüssigen Schweißtropfen 
erpreßt, so liegt der Grund hiefür sehr häufig in der fehler- 
haften Erscheinung, daß man zu allen Jahreszeiten in gleicher 
Weise u. am gleichen Orte buttern will Zu hohe Temperatur 
deS zum Buttern bestimmten RahmeS erzeugt aber statt der 
richtigen Butter einen Brei, zu tiefe dagegen erfordert eine un- 
gebührlich lange Zeit, bis die Fettkügelchen zu Klumpen ver- 
einigt sind. Beim Buttern ist also wie bei der Rahmbildung 
die richtige Temperatur, eine Hauptbedingung deS Gelingens 
u. zwar soll dieselbe nach den bisherigen Erfahrungen je nach 
der Jahreszeit zwischen 11 und 15° Reaumm sich bewegen. 
Da sie hiemit mit derjenigen zusammentrifft, die man zum 
Aufrahmen der Milch als die richtige bezeichnet, so kann man 
zu beiden Borgängen daS gleiche Lokal benützen. Will oder 
kann man dieses nicht, so muß man auf künstlichem Wege den 
geeigneten Wärmegrad herstellen. Dieses geschieht am Besten 
durch Zugießen warmen oder kalten WasserS oder durch AuS- 
spühlen der Gefäße mit solchem. 
Um aber über die Temperaturverhältniffe stetS im Klaren 
zu sein u. nötigenfalls eine sichere Regulirung derselben ein- 
treten zu lassen, wird man zuvörderst einen Wärmemesser (Ther- 
mometer) zu Rathe ziehen müssen. Dieses Instrument hat in 
ver Käserei schon seit längerer Zeit Eingang gesunden, wird 
aber in der Butterfabrikation, wo eS eben so nothwendig ist, 
unbegreiflicher Weise noch sehr o't vermißt. Ist'S Unkenntniß 
oder Eigensinn, die Unkosten find doch zu gering, als daß fie 
in Betracht kommen können. 
DaS Buttern selbst muß in gleichmäßiger nicht allzu schnel- 
ler Bewegung vor sich gehen und so lange fortgesetzt werden, 
bis die Fettkügelchen vollkommen ausgeschieden sind. Von die- 
fem Augenblicke an rathen die Einen eine schnellere, die Ändern 
eine stoß- und ruckweise Bewegung. Ist die Butter in Klum- 
Pen vereinigt, so wird die Buttermilch entfernt und so viel u. 
so lange reineS, frisches Waffer zugegossen, bis eS ganz klar 
abfließt. Dadurch werden einerseits die Fettklumpen noch besser 
zusammengearbeitet, andererseits die Milch- und Käsetheilchen 
zum großen Theile entfernt. 
Beim Herausnehmen der Butter aus dem Faß muß ein? 
Berührung mit den Händen möglichst vermieden werden, man
        

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