Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/29/
Liechtensteinische 
Dritter Jahrgang 
Vaduz» Freitag 
Nr. 8. 
den 19. Februar 1875. 
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Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
43. Die Freiherren v. Brandis. 
(Fortsetzung.) 
Der Schwabenkrieg. 
Am 11. Februar gegen Abend langten die Bünde bei der 
Letzi auf der Steig an, vertrieben die 200 Mann, welche dort 
lagen und verfolgten dieselben gegen BalzerS hinunter, bei 
welchem Dorfe die schwäbische Hauptmacht lag. In der Enge 
beim St. Katharinabrunnen merkten die Bündner einen Hin- 
terhalt. Sie zogen sich deßhalb zurück, ordneten sich besser und 
griffen aufs Neue an und besiegten die schwäbischen Bundes- 
genossen. Diese wichen auf BalzerS zurück, die Bünde rück- 
ten nach, trieben sie auS dem Dorfe hinaus und verfolgten sie 
über die Balzner Wiesen bis an daS Triesner Holz. Da eS 
inzwischen Rächt geworden war, kehrten nun die Bündner 
nach BalzerS zurück, zündeten dort ein HÄuS an, „um Freund 
und Feiyd unterscheiden zu können" und verzehrten die Speisen 
und Getränke, welche für die Einheimischen als Nachtmahl be- 
stimmt gewesen. Dieser Schmaus gefiel einigen aus SchamS 
und ^Heinzenberg so wohl, daß sie auch über die Nacht in 
Balze»s zurückblieben. Sie wurden am folgenden Tage vom 
Feinde in einem Keller aufgefunden und erstochen. Die üb- 
rigen Bündner fanden sich am gleichen Abende nach und nach 
wieder auf der Steig ein. Ulrich v. Ramschwag und seine 
Besatzung auf Gutenberg waren nicht müßig geblieben und 
schössen von ihrer Beste ernstlich auf dee feindlichen Bündner. 
Doch gingen die meisten Schüsse bei der Dunkelheit der Nacht 
verloren. Der folgende Tag sollte eine weitere Entscheidung 
herbeiführen. Es war Fastnacht-Dienstag, aber für die Leute 
unserer Gegend eine gar traurige Fastnacht. DaS wichtige 
an diesem Tage gelieferte Treffen fand bei Triefen statt. Wir 
geben die Schilderung wörtlich nach Kaiser: „Die Bünde 
rückten mit TageSfrühe von der Steig herab und stießen zu 
den 1000 Eidgenossen, die den Abend zuvor schon über den 
Rhein gesetzt ; die andern lagen jenseits des Rheines bei 6000 
Mann Zu Triefen stand der Zuzug vom schwäbischen Bunde, 
Fußvolk und Reiter bei 700 Mann, Leute auS dem Wallgau, 
aus der Landschaft Vaduz und Eschnerberg. Diese Streitmacht 
lehnte sich links an einen Hügel und hatte das Dorf im Rük- 
ken. Sie wurde von den Bündnern und den 1000 Eidge- 
Nossen mannhaft angegriffen und widerstand ebenso. Jndeß 
setzten die andern Eidgenossen über den Rhein zu Fuß und 
zu Roß, voran die Zürcher und Glarner. Den Uebergang 
vermochten die schwäbischen Bundesverwandten nicht zu wehren, 
da sie schon angegriffen waren nnd ihre Macht nicht theilen 
durften. Die Eidgenossen, welche über den Rhein gesetzt wa 
ren, umgingen die Bündischen (d. i. vom schwäbischen Bunde) 
und suchten ihnen den Rückzug auf Vaduz und Felvkirch ab- 
zuschneiden; so von zwei Seiten angegriffen und bei der Ueber? 
macht der Eidgenossen, denn sie hatten über 6000 Mann, 
wichen die Bündischen nach tapferm Widerstand und zogen 
sich auf Vaduz und Feldkirch zurück, andere nahmen den Weg 
über den Triesenberg und über den Gulmen in daS Alpthal 
der Samintt und von da ins Wallgau. Die Bündtschen büß 
ten bei 300 ein, zwei „Fähnli" und zwei Büchsen. Der Pan- 
nerträger von Ulm nahm daS Panner (da er eS anders nicht 
retten konnte) zwischen die Zähne und fand also seinen Tod." 
Die Geschichtschreiber der schwäbischen Bundesgenossen sahen 
die Ursache deS unglücklichen Ausganges vorzüglich in dem 
Umstände, daß die „Bündischen", um alle Dörfer und Flecken 
des Freiherrn v. Brandis zu sichern, sich zu weit ausgedehnt 
und vertheilt hatten. DaS schwäbische Heer scheint überhand 
demjenigen der Eidgenossen an Zahl weit nachgestanden zu 
sein. Die „Bündischen" hatten sich übrigens tapfer gewehrt 
und 200 Eidgenossen erschlagen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Badnz, 16- Februar.. Seit Ende letzter Woche ist die; 
Kälte zwar wieder ordentlich hrruntergegangen^, dafür schick^ 
uns aber der diesen Winter äußerst splendide Schneemann im* 
mer neue Flocken. Der heurige Winter gehört seit „ManneS- 
denken" zu den schneereichsten und wird auch nach Berichten 
auS anderweitigen Gegenden allgemein als solcher geschildert^ 
AuS dem Unterengadin wird berichtet, daß dort der Schnee 
mit besorgnißerregender Hartnäckigkeit sich anhäuft. Krachetide 
alte Häuser, über denen daS Damoklesschwert in Form einey 
einige 100 Zentner schweren Schneelast hängt, seien nicht sel- 
ten. Auch sehe man dort beinahe auf allen Dächern die LeM 
mit Hinunterschapseln des zu vielen Schnee'S beschäftiget. M 
alledem haben sich noch starke Schneestürme eingestellt, die 
Weg und Steg verwehen. Köm Arlberg kommen ähnliche 
Kunden. Von den Lawinen wurden dort schon mehrte 
Scheunen mit ihrem Inhalte fortgerissen und die Häuser ha- 
ben durch den starken Schneedruck bedeutenden Schade« ge- 
litten Gegen Frühling heim Aufthauen werden erst die Grund- 
lawinen abstürzen, welche bei den großen noch immex sich meh- 
renden Schneemassen sehr gefürchtet werden müssen. Hoffent- 
lich wird unS Rheinthalbewohner der kommende Lenz keiW 
weiteten Gefahren bringen und dem entsprechend die Schnees 
»nassen ruhig und ohne Überstürzung dem „deutschen Meeres 
zuführen. Verläuft das Frühjahr „glatt und gut", so »pol- 
len wir dem Winter seine bei uns ungewohnte Ausdauer un$ 
Ueberfülle sehr zu gute halten und ihn noch zum DankSvo- 
tum als einen „rechten Winter" loben.
        

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