Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/24/
AbHüten des VieheS und eine richtige Anlegung der Senn« 
Hütten und Stallungen wesentliche Anforderungen einer gere- 
gelten Alpwirthschaft bilden. Im natürlichen Anschluß an 
diese Darstellungen, bleibt unS jetzt noch übrig „die Milch- 
Produktion und ihre Verwerthung" als ein wrilereS 
alpwirthschaftlicheS Thema zu besprechen. Betrachten wir zw 
nächst die Verwerthung der Milch zur Butterbereitung, so 
müssen wir zum Vorhinein daS Geständniß machen, daß dieser 
Zweig der Milchwirtschaft bei unS noch viel zu wünschen 
übrig läßt; wir stehen eben noch auf dem alten Wege der 
Gewohnheiten, ohne unS je über die Fortschritte der Butter- 
bereitung, wie sie namentlich die Holländer und Schweizer auf- 
zuweisen haben, oder die natürlichen chemischen Vorgänge, 
welche die Milch bis zur Verbutterung durchzumachen hat, 
zu bekümmern. Das Rohmatrial der Butterfabrikation „die 
Milch" ist überall das gleiche, nur die Behandlung desselben 
ist eine sehr verschiedenartige; doch tritt hier der Umstand hiezu, 
daß die Verbesserung der BeHandlungsweise nicht wie in andern 
Zweigen der Gewerbsamkeit entsprechend größere Geldmittel sondern 
lediglich mehrSorgfalt u. Aufmerksamkeit erfordert. Die Fehler 
einer mangelhaften Behandlungsart liegen vielerorts und sind 
schon vielfach in der Beschaffenheit der Milchkeller, in der man- 
gelhaften Regulirung von Wärme und Külte, in der fehlerhaften 
Form der Butterfässer, Unreinlichkeit der Milchgeschirre k und 
endlich in dem Mangel an gutem Witten und richtiger Einsicht 
in daS Geschäft des ButternS verbunden mit einer Gleichgil- 
tigkeit und Anhänglichkeit an den alten Schlendrian zu suchen 
. Um unS die natürliche chemische Entstehung der Butter 
Anschaulich zu machen, müssen wir zunächst die Bestandtheile 
der Milch etwas näher betrachten 
100 Theile Milch bestehen aus 
86 Theilen Wasser, 
4y 2 „ Milchzucker, 
4 „ Käsestoff, 
% „ Salz-Aschen-Bestandtheile, 
5 „ Butter. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vp. Rudolf Schädler 
Der Käsestoff und Milchzucker sind im Wasser aufgelöst 
und die Butter schwimmt in kleinen Kügelchen in demselben 
herum, letztere sind von einem feinen Häutchen von Käsestoff 
umgeben. 
W.ie alle genannten Bestandtheile in Bezug auf ihre 
Menge sich nicht immer gleich sind, ist eS auch mit der 
Butter. Die Bestandtheile wechseln, d. h. eS find deren mehr 
oder weniger vorhanden, je nach den verschiedenen Thieren, 
je nach der Nahrung; fette Kühe geben fettere Milch als 
schlecht genährte. 
Im Zustande der Ruhe steigen nun die Fettkügelchen viel 
leichter durch die Milch an die Oberfläche und bilden eine 
Decke, die wir Rahm nennen. Die zuerst aussteigenden Kugel- 
chen sind die größten und fettesten, enthalten auch weniger 
Käsestoff, weshalb man hie und da zwei Qualitäten Butter 
macht, eine erste von dem zuerst abgenommenen und eine 
zweite von dem später abgenommenen Rahme. Arbeiten wir 
diesen Rahm, d. h. die von der Milch abgenommenen Fett- 
kügelchen durch anhaltendes Schwingen oder Stoßen so zu- 
sammen, daß sich die letzteren nach und nach aneinander hän- 
gen und zu einem größeren Klumpen vereinigen, so erhalten 
wir die Butter, welche also auf mechanischem Wege und ohne 
Verwendung der Bestandtheile deS RahmeS zu einer fetten 
Masse wird. 
Untersuchen wir die Butter nach ihrer Zusammensetzung 
so finden wir, daß sie auS einem fetten und einem flüssigen 
Fette besteht, in welchem mehrere flüchtige Säuren enthalten 
find, die. bei längerem Aufbewahren der Butter frei werden 
und das Ranzigwerden der letzteren verursachen. Kocht man 
hie Butter mit der doppelten Menge Wasser aus, so verlieren 
stch die Säuren Wieder. (Fortsetzung folgt.) 
Nichtamtliche Anzeigen. 
Bekanntmachung. 
AuS der VerlassenschaftSmassa nach Andreas LinS bei 
Nr. 34 in Vaduz, werden Dienstag den 9. Februar d. I., 
Nachmittags 3 Uhr im Gasthause zum Engel in Vaduz auS 
freier Hand mehrere Grundstücke öffentlich versteigert, alS: 
3 Stück Wiesen unter dem Damm, 
1 Streueried auf den Mäder, 
1 Acker in der Bisch, 
1 Acker in der Pradafant, 
1 Acker in Gabetfch und 
4 Stück Reben in der Marin, Bündt, Eggerten und 
Stöckler. 
Kauflustige werden eingeladen am besagten Tage recht- 
zeitig zu erscheinen. 
Vaduz, am 2. Februar 1375. 
Die Erbsmassa. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 29. Jänner. 
Der halbe Meßen 
beste 
mittlere 
geringe 
fl. 
kr. 
st. 
kr. 
fl. 
kr. 
Korn . . . . . 
3 
40 
3 
15 
3 
05 
Roggen .... 
2 
80. 
2 
60 
2 
50 
Gerste 
9 
70 
2 
50 
2 
30 
Türken . . . . 
2 
80 
2 
50 
2 
20 
Hafer ..... 
i 
70 
1 
60 
1 
50 
Thermometerstand nach Reaumur in Badnz. 
I Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Jänner 27. 
- Vi. 
+ 2 
- % 
hell 
28. 
— 2% 
• + 1% 
0 
n 
29. 
- 
— 3 
0 
1/ 
. 30 
0 
+ 1 
0 
trüb, schneit St. 
. 31. 
— 4 
— 1 
— 5 
hell 
Februar 1. 
- 1% 
- % 
— 5 
It 
n 2. 
- IV2 
+ 3 
- { /i 
trüb 
Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
3. Februar Silber \ 105.80 
20-Frankenstücke 8.90 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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