Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/2/
sere national-ökonomische Existenz äußerst wichtigen Faktoren 
zu thun haben. 
Durch unfern Landeöfchulrath ist ein neuer den jetzigen 
Zeitverhältnissen entsprechend umgearbeiteter UnterrichtSplan ge- 
Waffen worden und ist damit auch dieses Jahr wieder ein 
Fortschritt in der günstigen Entwicklung unseres Schulwesens 
zu verzeichnen. 
Wir haben somit versucht, in kurzen Zügen die bedeuten- 
deren Ereignisse auS dem Gebiete unseres volkswirthfchaftlichen 
und politischen Lebens unfern Lesern vor Augen zu führen. 
Wie wir gesehen, haben wir volle Ursache, mit dem verflösse- 
nen Jahre zufrieden zu sein, hoffen und bitten wir, daß unS 
der Himmel auch daS neue Jahr mit seinem Segen und Er- 
Wge beschenken"möge. 
Unser Wochenblatt/ daß mit dieser Nummer den 3. Jahr- 
i^ang feines Bestehens eröffnet, wird wie bis jetzt seinem ur- 
prÜnglichen Programme treu bleiben. AlS unabhängiges und 
unpartheiifcheS Organ der öffentlichen Meinung wird eS sich 
auch fernerhin auf dem Boden deS rein sachlichen bewegen, 
u. jedem persönlichen agitatorischen Treiben im Lande fern bleiben. 
Der verflossene Jahrgang unseres Blattes hat eine große Reihe 
verschiedener auf unser volkswirtschaftliches und politisches Le 
ben bezügliche Leitartikel gebracht: so über unser Münzwesen, 
Häusersteuerfrage, Rheinbauten, Zollvertrag; ferner eine Reihe 
von Artikeln über Traubenkrankheit, Weinbau, Weinlese, dann 
mehrere Aufsätze: alpwirthfchaftliche Betrachtungen u. f. w. 
AlS belehrend über das Leben und Treiben unserer Vorfahren 
erschienen die Bilder auS der vaterländischen Geschichte, die in 
populärer DarstellungSweise unser Volk über seine Borge- 
schichte aufklären sollen. Die LandtzgSverhanölungen sind aus 
führlich mitgetheilt worden. In der politischen Rundschau und 
unter Verschiedenes haben wir die wichtigern politischen Welt- 
ereignisse, sowie kleinere MiScellen unsern Lesern vorgeführt. 
Wir glauben somit den Anforderungen, die man an ein 
Wochenblatt, daS wegen der engen Begrenzung und Kleinheit 
unseres Landes auch nur über kleineres daS Inland selbst be- 
treffendes Material verfügt, stellen kann, unseren Verhältnissen 
entsprechend Rechnung getragen zu haben. 
Die Tendenz deS Blattes, sowie der Charakter deS vater 
ländischen OpferstnneS, der dem Unternehmen zu Grunde liegt, 
wird auch künftighin mit Recht eine rege Theilnahme unserer 
Bevölkerung erwarten lassen 
Vaduz, den 30. Dezember 1874. 
Die Redaktion. 
Vaterländisches. 
Vaduz, 28. Dezember. Letzter Tage ist der Ertrag der 
Geldsammlung für die Brandbeschädigten MeiningenS: 305 fl. 
ö. W Silb. an den Bestimmungsort versandt worden. 
Die Beträge, die nach Uebereinkunft auf daS Steuerkapi 
tal der einzelnen Gemeinden vertheilt dem wohlthätigen Werke 
beigesteuert wurden, repartieren sich folgendermaßen: 
BalzerS 38 fl. 
Triefen 33 fl. 
„ vor der Sammlung von 
zwei Ungenannten 1 fl. 
Triesnerberg 24 fl. 
Vaduz 33 fl 
Schaan 42 fl. 
Planken 6 fl. 
Eschen-Nendeln 42 fl. 
Gamprin-Bendern . 19 fl. 
Ruggel 23 fl. 
Schellenberg 14 fl. 
Mauren 30 fl. 
Summa 305 fl. 
Unfere Bevölkerung hat damit den anerkennenSwerthen 
Beweis geliefert, daß sie für die Unterstützungen, die uns daö 
Ausland bei mehrfachen Unglücksfällen entgegenbrachte, auch 
Werktätigen Dank zu bezeigen weiß. Wenn unö spater oder 
früher, waS Gott verhüten möge, wieder ein Unglück treffen 
sollte, so wird daS Ausland unseren bezeigten dankbaren Wil- 
len auch thatkräftig wieder zu würdigen wissen. 
Politische Rundschau. 
Deutschland. Die Frist zur Anmeldung der Apellation 
im Anum'schen Prozesse läuft dem „Berliner Tagbl." zufolge 
am Dienstag den 29. d. M. ab. Daß bis jetzt eine Anmel 
dung deS Rechtsmittels noch von keiner der beiden Seiten er- 
folgt ist, hat, wie es heißt, seinen Ärund vermutlich darin, 
daß die ErkenntnißauSfertigung erst einige Tage nach der 
Publikation des UrtheilS erfolgt und der Vertheidigung we- 
nigstenS bis jetzt noch nicht zu Händen gekommen ist. Die 
Nachricht, daß jeder von beiden Theilen erwarten wolle waS 
der andere thut, um seinerseits sich über die Berufung zu ent- 
scheiden, wird in juristischen Kreisen bezweifelt. Sowohl die 
StaatSanwaltfchaft, als auch der Verurtheilte könnte in die- 
sem Falle in die Lage kommen, daß, wenn der Gegner die 
Anmeldung deS Rechtsmittels bis zur letzten Stunde verzögert, 
die Frist zur Einlegung abläuft, ehe die von der andern Seite 
erfolgte Anmeldung bekannt wird. Man hält eS für durch- 
aus wahrscheinlich, daß seitens deS öffentliche« Ministeriums 
in jedem Falle Berufung gegen daS Erkenntniß eingelegt wer 
den wird. WaS die Kaution von l i)0 000 Thlr. betrifft, 
die Graf Arnim hatte stellen müssen, so hat er dieselbe erst am 
vorigen Donnerstag Mittags persönlich auf der Depositenkasse 
deS Stadtgerichtes in Empfang genommen. 
Die Agitation für die Leichenverbrennung kann in Preu, 
ßen keinen rechten Boden gewinnen. Im Volke selbst findet 
die Theorie wenig Anklang und bei den Behörden stößt sie 
auf eine entschiedene Abneigung. In Breslau hat die Ver- 
waltung des Hospitals zu Allerheiligen aus eigener Macht- 
Vollkommenheit die Leiche einer in jenem Hospital verstorbenen 
Wittwe zu solchem Experimente hergegeben, sich jedoch da- 
durch einen ernsten Verweis von Seiten des Ministers deS 
Innern zugezogen, der Leichenverbrennungen im wisse nschaftli- 
chen Interesse nur dann gestatten will, wenn der Verstorbene 
selbst bei Lebzeiten oder nach dessen Tode seine Angehörigen 
die Genehmigung zur Verbrennung der Leiche ertheilt haben. 
— Der Fürstbischof von Breslau ist neuerdings auf dem Ver- 
waltungSwege in eine Strafe von 200 Thlr. genommen wor- 
den, weil er sich feit einem Jahre weigert, die Pfarrei Pa- 
wonhau im Sinne der Maigesetze zu besetzen. Aus gleichem 
Anlaß wurde vor acht Tagen eine Strafe von 300 Thlrn. 
gegen den Erzbischof von Köln verhängt, und noch vor dem 
Feste deren exekutivische Beitreibung verfügt. 
Italien. Die Kammer genehmigte ohne Diskussion den 
Gesetzvorschlag betr. daS Nationalgeschenk an Garibaldi mit 
207 gegen 25 Stimmen. 
Garibaldi soll noch eben so aussehen, wie vor 10 Jahren 
und seine Gichtschmerzen, die er stetS gehabt habe, thaten ihm, 
wie er sagt, nicht wehe, wenn er für Italien arbeite. Er soll 
schon seit 14 Tagen zur Abreise nach Rom bereit und voll 
begeisterter Dankbarkeit für die römischen Wähler fein. Er will 
! in derselben Kleidung erscheinen, die er in Caprera trägt, im 
' Sol^atenmantel und weißen Filzhut. 
England Die Wochenblätter beschästigen sich mit den 
allgemeinen und besonderen Ergebnissen deS Prozesses Arnim. 
Die „Saturday Review" hebt namentlich den Gewinn hervor, 
der in der Feststellung der Verhältnisse auf diplomatischem u. 
politischem Gebiete liegt. Auch die unabhängige Haltung des 
Gerichtshofes wird mit hoher Befriedigung anerkannt. Die
        

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