Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/195/
— 195 — 
bauung der Nolla»Gewässer Zadr für Jahr eine Summe für 
Berbarrikadirung derselben inS Budget aufgenommen worden. 
Der Kanton Graubünden ist von St. Gallen aus dabei 
unterstützt worden. Der Bericht deS eidgenössischen Forstinspek- 
toratS an den BundeSrath muß zu ^ neuen Maßnahmen des 
Bundes in dieser Richtung fübren. Sollen wir unter solchen 
Umständen weiter geben u. dem Kanton Graubünden zu Hilfe 
kommen, der in den Dreißiger- und Vierziger-Jahren auf eine 
gottlose Weise die Wälder kahl geschlagen unv auf Vorsorge 
warten ließ und erst jetzt fürsorqt, wo eS ein halbes Jahr- 
hundert braucht, den verursachten Schaden wieser zu tilgen 
Wir sollten einstehen in einem andern Kanton, wäbrend wir 
selbst für uns so stark engagirt sind und wir unS selbst kaum 
zu helfen wissen; dam noch mit den hinterlegenden A5uhr» 
Pflichtigen, die in den 50er Jahren nur unter einer halben Re- 
volution herbeigezogen werden konnten. 
Wir sollen da oben helfen, während Niemand daran denkt, 
den Kanton Graubünden für den Durchstich in Anspruch zu 
nehmen, der laut Kostenvoranschlag zu 6W Millionen berech 
net ist, zu dessen Durchführung wir unser Wort verpfändet 
haben Müssen wir überall helfen? Graubünden wird die St. 
Gallischen Repräsentanten in den cidg. Rathen immer an der 
Seite finden, wenn eS sich um eivg Hilfe Handelf. Aber daß 
wir finanziell die Sünden gut machen, die droben begangen 
worden, kann nicht verlangt werden. Wir haben genug eigene 
Sünden zu tragen. 
St. Gallen sollte einmal den Much zur Tilgung seiner 
Millionen Schulden haben, den das französtsche Volk zeigte, 
welches in den Jahren i870—73 2000 Millionen Steuern, 
indirekte, dekretirte, um aus dem Unglück herauszukommen, und 
wäre es nur, bis wir auS dielen Ausgaben heraus sind. 
Landammann Zollikoser. Der Kanton St. Galleu hat 
ein Gesuch der Regierung deS Kantons Graubünven um Ab- 
Änderung des Gesetzes über die Verdauung der Wilvbäche beim 
Bunde unterstützt. Derselbe gewahrt einen Beitrag an die Er- 
stellungskosten der Verbauungen, aber nicht an deren Unterhalt. 
Die Kosten deS Letztern haben aber einen bedeutenden Umfang 
erreicht, so daß sicd die Graubünduer zu sagen anfangen: Die 
Opfer, die »vir bringen, nützen unS wenig; wir haben keinen 
besonderen Schaden durch die Wildbache Graubünden hat 
daher die Regierung des KantonS St. Gallen freundeidgenos- 
sich darauf aufmerksam gemacht und um ihre Mitwirkung zur 
Anregung einer Revision oben erwähnten Gesetzes angegangen. 
Der Regierungsrach wird dieser Frage immerfort die größte 
Aufmerksamkeit schenken. Sollte es sich herausstellen, daß der 
Kanton St. Gallen nicht anoerS kann, als sich finanziell zu 
betheiligen, so wird man sich allerdings zwingen müssen, diese 
Frage inS Auge zu fassen. 
Stellt daher den Antrag auf motivirte Tagesordnung mit 
Rücksicht auf die Schlußnahme des Großen RatheS vom 17. 
November 1869 (Sie lautet: Der Regierungsrath ist einge- 
laden, dahin zu wirken, daß eilte Verbauung der Nolla vor 
genommen werde), und aus die bisherige Betätigung des Re 
gierungsratheS. 
Noch EineS, bemerkt der Redner. „Wir stehen nicht mehr 
da, uns auf die TardiSbrücke stellen und in den Kanton Grau- 
bünden hinaufrufen zu dürfen: Habt selber Ordnung! Der 
Kanton Graubünden ist im Forstwesen dem Kanton St. Gal- 
len weit voran und daher Vorwürfe der Art nicht mehr am 
Platze. 
W rr t h - S a n d. Sein Antrag beabsichtige nicht, die Wuhr- 
Gemeinde und den hinterliegenden Wuhrbeittz zu den Lasten 
herbei zu ziehen. Ebenso enthalte derselbe kein Wort, daß der 
Kanton eine finanzielle Verpflichtung übernehme. - Allerdings 
könne der Fall unv die Notwendigkeit eintreten, daß der Kan- 
ton in dieser Richtung herbeigezogen wird. Was den Einwand 
betreffe, saß man nicht in ein fremdes Land gehen und mit 
helfen könne, so wäre derselbe auch dem Kaiserthum Oesterreich 
gegenüber geltend zu machen Das Eigenthum deS Landes 
darf mich nicht kümmern, wo Gefahr vorhanden ist. CS ha- 
den auch nicht die Kahlschläge im Nolla- und Glennergebiet 
speziell die Kalamitäten veranlaßt. Der Bericht deS eidgen. 
Oberingenieur Salis weist diesfalls nach, daß die Nolla schon 
vor Jahrhunderten Geschiebe nach unten gewälzt habe. 
Selbst die -eifrigsten Gegner können die Berechtigung deS 
Antrages nicht bestreiten. Niemand kann behaupten, daß die 
Verbauung der Wildbäche nicht ebenso nothwendig sei wie der 
Rheindurchstich. Neman» kann behaupten, daß eine finanzielle 
Verpflichtung in der Motion ausgesprochen sei. 
Nationalrath Müller. Aber eine moralische, und diese 
können wir angesichts unserer finanziellen Nothstände nicht auf 
unS nehmen. 
Ueber die Motion Wi»th-Sand wurde motivirte TageSord- 
nung nach Antrag Zoll-kofer beschloffen. 
Politische Rundschau. 
Oesterreich. Cardinal Rauscher, dessen schwere Erkrankung 
wir letzthin gemeldet haben, ist am 24. Nov. in Wten gestor 
ben. DaS feierliche Leichenbegangniß hat am 27. stattgefun- 
den. Es bethe-liqten sich an demselben der Kaiser, die Erz 
herzoge, die Minister, daS diplomatische KorpS, die Präsidien 
und die Mitglieder beider Hauser deS ReichSratheS, die Gene- 
ralität, mehrere Kirche.ifülften, der Statthalter, der Bürger- 
meister mit dem Gemeinderath und andere Notabilitäten. 
Im Abgeordnetenhause beantwortete der HandelSministet 
die bekannten Interpellationen, betreffend die Zölle, dabin, der 
Minister deS Aeußern werde der bereits im Laufe deS Oktober 
an ihn gerichteten Aufforderung der Regierung den Handels- 
vertrag mit England nebst der bezüglichen Nachtragskonvention, 
sowie den Handelsvertrag mit Frankreich noch vor Ablauf 
dieses JahreS zu kündigen und die deutsche Regierung zur Re- 
vision deS Handels- und Zollvertrages noch vor dem.Eintritt 
deS KüudigungSttrmineS zu bewegen, allern ächstenö ent- 
sprechen. Nach erzielter Übereinstimmung mit Ungarn und 
nach Vereinbarung über die Grundlagen für neue HqndelS- 
und Zollverträge mit Deutschland und mit Frankreich werde 
das Bestreben der Regierung darauf gerichtet sein dem Reichs- 
rathe baldmöglichst einen neuen Zolltarifsentwurf vorzulegen; 
hiebei würden die Bedürfnisse des Handels und d?r heimath- 
lichen Industrie jed, zulässige Berücksichtigung finden. Mit 
jenen beiden Verträgen werde gleichzeitig ein allgemeiner Zoll- 
tarifSentwurf vorgelegt werden, während mit England und 
anderen Staaten keine Abmachungen über ZolltarifSfätze 
getroffen werden sollen. Die Minister sagte schließlich die Ab- 
stellung der Mißbrauche bei Handhabung des Appreturverfah» 
renS zu. Die beifälligst aufgenommene Antwort des Mini- 
sterS wurde dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zur schleunigen 
Berichterstattung zugewiesen. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schadler« 
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Hochachtungsvoll 
I. Borburger. 
Sevelen, im November 1875.
        

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