Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/193/
Liechtensteinische 
er Jahrgangs 
Vaduz, Freitag 
Nr. 49. 
den 3. Dezember 1875. 
Die liechtensteinische Wochenzeitnng erscheint jeden Freitag. Sie kostet für da< Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fi. sammt 
Postversendung und Zustellung in's HauS. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. 50 kr., halbjährig 1>fl. 2S kr.; für das 
»drige Ausland ganzjährig S fl., halbjährig i fl. 10 fr. ohne Postverfendung. — Man abonnirt für das Zn- und Ausland bei der 
Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — Einrückungsgebühr für die zgespaltene Zeile » kr. —Briefe und Gelder 
«erden kranco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Zur Münzfrage. 
AlS im Jabre 1852 der erste Zollvertrag zwischen dem 
Fürstenthum Liechtenstein und Oesterreich zn Stande kam, ver- 
langten die Bewohner der unteren lichtenstein. Landschaft, daß 
gleichzeitig auch die österreichisch. Banknoten im Fürstenthum 
Liechtenstein eingeführt werden sollten; und zwar verlangten sie 
daS aus keinem andern Grunde, als weil sie glaubten, ihre 
Privat- und öffentlichen Schuldigkeiten mit den wohlfeilen 
österreich. Banknoten abtragen zu können. 
Begreiflicherweise konnte die damalige fürstl. Regierung 
vom Standpunkte des allgemeinen Interesses aus den egoisti 
schen Wünschen der Bewohner des EschnerbergeS nicht will 
fahren und führte daher die österreich. Silberwährung ein. 
Genau dasselbe Spiel treiben die Unterlandschäftler jetzt, 
da eS (ich um Einführung einer allgemein curSsahiqen Landes- 
münze an Stelle der entwertheten österr. Silbermünze handelt 
In der letzten Nummer dieses BlatteS: „Zur LandtagSsache 
v. 19. Oktob. d. I * sprachen sie dieses ganz unumwunden 
auS. Sie sagen: „Der Bauer kann seine Verbindlichkeit zur 
Staats- und Privat Kasse mit österr. Gulden ä 88 bis 90 fr 
decken," der Eschnerberger nimmt mit andern Worten den österr. 
Gulden zu 38 bis 90 kr. ein und gibt ihn seinem Gläubiger 
oder der Landeskasse für 100 kr. d. h. er macht auf Kosten 
eines anderen einen Gewinn von 10 bis 12 Proeent. Dieser 
„Gewinn" konnte früher zur Zeit deS vollwerlhigen Eilber- 
guldenS nicht gemacht werden. Damals war bekanntlich die 
Werthdifferenz zwischen österr. Banknoten und Silbergulden 
eine bedeutende. 
Erst durch die Silberentwerthung sind im natürlichen Zu- 
sammenhange Silbergulden und Banknote einander näher ge» 
rückt Die Banknote, die rer Liechtensteiner in Oesterreich ein- 
nahm, wurde damit auf Unkosten unserer Landes- und Privat 
Kassen ein sehr bequemes Zahlungsmittel, weil man mit. der- 
selben billig den entwertheten öst.Silbergulden kaufen konnte, und 
dieser Silbergulden in Liechtenstein für voll genommen werden 
muß.Durch Einführung einer vollwerthigen Münze wird daher 
nur wieder der Zustand, welcher bis 1873 bei uns da war, 
hergestellt, d. h. der Silberguldeu muß wieder um den Betrag 
alS die österr. Banknote durch, jdie Entwerthung des Silbers 
gewonnen hat, theurer gekauft werden um, wie früher, wieder 
als allgemein curSfahige Münze zu gellen. 
Der Gewinn, den hauptsächlich die Efchnerberger durch 
unsere Münzkalamitäten seit 1873 profitirten, ist freilich vom 
Standpunkte des Privatinteresses aus sehr angenehm und man 
trennt sich schwer von demselben; allein die LandeSangelegen- 
heiten, wozu doch gewiß die Münzreform gehört, sind vom 
Standpunkte deö allgemeinen Interesses und nicht des Privat 
interesseS zu beürtheilen. DaS sollte doch wohl jeder Land- 
tagSabgeordnete wissen, sonst verdient er diesen Namen nicht. 
Bei einer Münzreform handelt eS sich nicht bloß um das 
Interesse deS Schuldners, sondern anch um daS Interesse deS 
Gläubigers. Der Geldempfänger und der Zahler sollen ge- 
setzlich gleich gestellt sein.' Wo soll eS denn hinkommen mit 
Kredit des Landes, wenn der Schuldner >tti Gulden für 88 
bis 90 kr. einnehmen kann und der Gläubiger denselben füt 
100 kr annehmen muß. Der Kredit deS Landes müßte bald 
völlig aufhören Die ausländischen Gläubiger würden ih* 
Geld gewiß nicht allzulange mehr im Lande stehen lassen, wenn 
sie auch künftig ihre Zinsen nur in entwertheten österr. Gul- 
den bekämen. Wir reden hier nur von alten Kapitalisten, 
nicht von „jungen". Der junge Kapitalist kann einen dop- 
peltep Gewinn machen. Einmal wenn er den Gulden zu 88 
—90 kr. einnimmt, und denselben wieder für 100 kr. anlegt, 
aber er verkürzt den Geldempfänger gerade so, .wie der Esch« 
nerberger, der den zu 88—90 kr. eingenommenen Gulden sei- 
nem Gläubiger oder der LandeSkasse zu 100 kr. in Zahlung 
giebt Hat der »junge" Kapitalist den Gulden zu 100 kr. 
eingenommen und legt ihn wieder zu 100 kr. an, so gewinnt 
er im Falle der Einführung einer vollwertigen Münze gerod« 
soviel, alS der GewerbSmann und Taglöhner, der dann statt 
eineS entwerteten einen vollwertigen Gulden bekommt, ohne 
jemanden zn schädigen. Diejenigen, welche die gegenwärtigen 
Münzverhältnisse dazu benutzen, sich aus Kosten anderer Ge« 
winn zu verschaffen, kommen natürlich dabei nicht in Betracht. 
Zu denjenigen, welche durch daS gegenwärtige Münzwesen 
oder besser gesagt Münzunwesen auch vorzugsweise Schaden 
erleiden, gehören die mit fixem Einkommen Angestellten, seien 
sie nun Beamte oder Lehrer K Sie haben den österr. Gulden, 
welcher nur mehr einen Werth von 88—90 kr. hat, für 100 
kr anzunehmen. Der GewerbSmaun und Taglöhner kann un- 
ter Umständen daS DiSagio durch Erhöhung deS Preises der 
Waare resp. durch Erhöhung der Lohnforderung hereinbringen. 
DaS ist bei dem Angestellten nicht der Fall, er nimmt den 
Gulden für voll ein und bringt ihn in der That nur um 88 
—90 kr. an. 
Nach dem bisher Gesagten wird doch Jedermann einleuch- 
ten, daß die Angestellten durch die Einführung einer vollgilti- 
gen Münze keine Gehaltsaufbesserung erlangen, sondern nur 
daS waS sie rechtmäßig zu fordern haben, nämlich, daß ihnen 
ihr Gehalt wie früher in einer vollgültigen Münze ausbezahlt 
werde. 
Die sonderbare Beweisführung, daß die Lösung der Münz- 
resormsrage jetzt noch in materieller Hinsicht verfrüht sei unh 
zwar wegen deS langsamen Geschäftsganges der österreichischen 
Zollfrage im österr.-ungarifchen Reichstage und wegen der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.