Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/183/
Prag, von der gleichnamigen liquidirenden Aktiengesellschaft 
übernommen; 5) die Herrschaft Zbirow in Böhmen; 6) die 
Herrschaft Lissa in der Provinz Posen; 7) die Elbinger Wag» 
gonfabrck, von der in Konkurs gerathenen Elbinger Aktienge 
sellschaft für Eisenbahnbedarf angekauft — Hierzu treten nun 
noch alle jene Objekte, die er vor kurzer Zeit an eine neuge- 
bildete Aktiengesellschaft, die „Aktien-Gesellschaft für deutsche 
und böhmische Eilen- und Stahl-Zndustrie", übertragen hatte 
(woju auch die Zbirower Werke gehören), und die man jetzt 
nach dem Zusammenbruch StrousbergS und der nächstbetheilig- 
ten Moskauer Commerz« und Leihbank wohl wieder als zu 
derselben Masse gehörig ansehen muß, oder die »och, bei dem 
wahrscheinlich auch über diese Gesellschtch zu eröffnenden Kon- 
kurs, eine in engster Relation zu jener stehende Masse bilden 
würden. ES gehören hierzu die Eisengrube im Siegener Lande, 
die Neustädter Hütte, beide bis zum I. 1871 im Besitze Dr. 
StrouSbergS, dann an die „Deutsche Aktien - Gesellschaft für 
Eisen« und Stahl-Industrie" verkauft und aus deren Liquida- 
tionömasse wieder zurückgekauft; die Marienhütte in Danzig, 
von einer Gesellschaft 1872 gegründet und aus deren Liquida- 
tionSmasse von Dr. StrouSberg erworben;^ serner Kohlenberg- 
werke und Eisengruben in Böhmen, Coaksöfen in Frankenthal, 
die Holubkauer Waggonfabrik u. s. w. 
AuS Böhmen meldet man, daß der Sturz der Zbirower 
Werke die Eisenindustriellen aufatdmen lassen werde, da die 
Strousberg'sche Verwaltung schon seit tangerer Zeit jede Liefer- 
ung durch wahrhafte Schleuderpreise unterbot, wenn nur Baar- 
Zahlung oder größere Abschlagszahlungen erzielt wurden. 
Frankreich. Die französische National-Versammlung ist 
am 4. d. M wieder zusammengetreten und hat Hre Bureaux 
fast ausschließlich wie bisher wieder zusammengesetzt. 
Der Vice-Präfident des Ministerrates, Herr Büffet ver- 
langte im Namen der Regierung, daß der Wahlgesetzentwurf 
sofort nach der Wahl deS Vorstandes auf die Tagesordnung 
gesetzt werde. Nach ihm erhielt PaScal Duprat (Linke) daS 
Wort Er hofft, daß das Verlangen deS Ministers keine persönliche 
Berechnung verberge. Wenn die Regierung eS verlange so ge- 
schehe eS wohl nur weil die Wahlen nahe bevorstehend 
seien. Der Redner hat den nämlichen Wunsch, aber er fordert 
auch, daß im Augenblick wo dem Lande das Wort zurück ge 
geben werde, die unerträgliche Strenge deS Belagerungszustan 
des abgeschafft und der Artikel deS Gesetzes aufgehoben werde, 
welcher der Regierung das Recht verleiht die MaireS zu er- 
nennen. Redner verlang», daß die beiden von ihm in dieser 
Beziehung gestellten Anträge nach der zweiten Lesung und vor 
der dritten Lesung deS Wahlgesetzes auf die Tagesordnung ge- 
setzt werden 
Der Präsident d'Audiffret-PaSquier befragte nun die Kammer 
betreffs deS Wahlgesetzes. Dieselbe bestimmte, daß die zweite 
Verathung deS Wahlgesetzes nächsten Montag beginne. Dann 
über die beiden Anträge von Pascal Duprat befragt, beschloß 
die Versammlung, das nach der zweiten Berathung über daS 
Wahlgesetz zuerst der Antrag betreffs der MaireS und dann 
der über den Belagerungszustand zur Verhandlung komme. Die 
ganze Linke und die Bonapartisten stimmten für die Anträge 
von PaScal Duprat, die Rechte und auch der größte Theil 
deS rechten CentrumS gegen dieselben. Die Minister stimmten, 
mit Ausnahme von Büffet, der, als man daS Resultat bekannt 
machte, bleich vor Zorn wurde, und de Meaux, für PaScal 
Duprat. Die Erregung im Saal war ziemlich groß, da der 
Beschluß als eine ernste Niederlage des Ministerpräsidenten be- 
trachtet wurde. 
Schweiz. Das Resultat der Ende Oktober stattgefunde- 
nen Neuwahl des schweizerischen Nationalrathes ergibt, daß 
die seitherige Zusammensetzung dieser Behörde keine wesentliche 
Veränderung zur Folge haben wird. 
Serbien. Wie ein Pester Korrespondent der „21. A. Ztg." 
vom 3 Nov. mittheilt dringen allmählich bestimmtere Nachrich- 
ten an die Oeffentlichkeit über die Tendenz der in letzter Zeit 
häufigen geheimen Sitzungen der serbischen Skupschtin«. Dar- 
nach steht eS sicher, daß man in derselben in ganz formeller 
Weise den Krieg gegen die Türkei beschlossen hat. Die ent- 
scheidende Sitzung wird in nachstehender Weise geschildert. Ein 
Deputirter beantragte: man möge den Fürsten um Beantwor 
tung jener früheren geheimen Adresse der Skupschtina ersuchen, 
worin der Fürst direkt zum Kriege aufgefordert worden, und 
welche Adresse den unmittelbaren Sturz deS KabinetS Ristitsch 
zur Folge hatte. Hierauf stellte man an den anwesenden 
Kriegsminister Obersten Nikolitsch die direkte Frage: ob Ser- 
bien zum Kriege bereit sei. Dieser erklärte auf Soldaten-Eh- 
renwort die Frage mit einem entschiedenen „Ja" beantworten zu 
müssen. Ihm folgte der Kultusminister Stojan BoSkowitsch (ehe- 
malS Lehrer und Biblisthekar deS Fürsten) und hielt eine längere 
glänzende Rede zu Gunsten der KriegSpartei. Derselben An- 
ficht schloß sich auch der Finanzminister Milovan Zankovitsch 
an; der Ministerpräsident Kaljewitsch soll stch sehr refervirt 
verhalten haben, doch weiß man, daß er mit dem Finanzmini- 
ster eines SmneS ist. Go ging denn mit 61 gegen 49 Stim 
men der Beschluß durch, daß der Fürst um die Urgirung der 
Antwort auf jene Kriegsadresse gebeten werben solle. Als die 
Minister nach dieser Sitzung zum Fürsten kamen, empfing er sie 
sehr mißvergnügt und machte insbesondere dem KriegSminister 
harte Vorwürfe wegen seines Verhaltens in der Skupschtinq. 
Dieser erklärte: a!S Soldat und Ehrenmann müsse er der 
Wahrheit die Ehre geben. Deßgleichen äußerte stch der Knl* 
tuSminister, der zugleich sein fertiges DimissionSgesuch anbot, 
falls der Fürst seine politische Anschauung nicht billige. DaS- 
selbe thaten auch die übrigen Minister. Der Fürst schien nicht 
abgeneigt die Entlassung deS KabinetS zu genehmigen, doch 
scheint er sich bald eineS anderen bedacht zu haben. So 
wurde denn die Skupschtina vertagt, das Kabinet aber blieb noch 
vorläufig im Amte. Auf wie lange? DaS ist allerdings die 
Frage; denn der Fürst steht heut unter dem vollen Einflüsse 
deS russischen Generalkonsuls, und Rußland will um jedett 
Preis keinen Krieg Serbiens gegen die Türkei. Man nennt 
den Fürsten in Belgrad auch spottweise den „russischen Vice- 
konsul." 
Amerika. Ein düsteres Bild entrollen amerikanische Blät- 
ter von den Zuständen in den Vereinigten Staaten von Nord 
amerika : In New-Aork gibt eS Tausende von Menschen ohne 
Arbeit. In New>OrleanS ist die Krise vielleicht noH schreck 
licher. Bor 15 Iahren noch war diese Stadt einer der großen 
Lagerortc deS HanvelS zweier Welten. Der Hafen war von 
zahllosen Schiffen bedeckt, die Quais mit Waaren aller Art ge- 
füllt; alle Welt konnte Verdienst finden. Zetzt ist diese Stadt 
kaum mehr zu erkennen, sie zählt mehr als 40,000 der Un 
terstützung bedürftige Arme. Handel und Verkehr stocken voll- 
ständig und wenn Neunzehntel der Kaufleute ihre Bücher zei- 
gen müssen, könnte man daraus ein schreckliches Bild der 
HandelSstockung ersehen. Ein leerer Hafen, leere Kaufläden, 
Unglückliche, welche zum Selbstmorde ihre Zuflucht nehmen, 
keine Arbeit, kein Kredit, kein Vertrauen, keine Hoffnung auf 
Besserung. 
Verschiedenes. 
Der „Monitore delle strade ferrate" schreibt: Wir find 
jetzt in den Stand gesetzt, über den Personenverkehr auf der 
Eisenbahnstation in Mailand während der fünf Tage vom 
15.—19. Oktober (Kaiserbesuch) genaue Auskunft zu geben. 
Nach den offiziellen Berichten, die wir soeben erhalten haben, 
sind an diesen Tagen auf den verschiedenen Bahnlinien 149,000 
Personen angekommen und »om 13. bis 23. Oktober 146,000 
abgereist. Außerdem kamen und gingen während dieser Zeit 
noch 8000 Mann Truppen, so daß im ganzen über 300,000
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.