Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/174/
geleitet wurde. Wie die Angeberei getrieben wurde, zeigt fol- 
gender Vorfall: 
Hanns Eberle vsn Planken ging in Geschäften nach Feld- 
kjrch und bat seinen Nachbarn Uelin, ihm in seiner AbWesen- 
heit seine kleine Habe tu füttern. Bei seiner Ankunft fand 
er den Landammann Bürkli und zwei Geschworne in seinem 
Hause, die AlleS hin- und herwarfen und fich die Würste und 
die Schinken von zwei Schweinen, welche Eberle geschlachtet 
hatte, gar wohl schmecken ließen. Entrüstet fragte er: „Wozu 
thut Ihr dieß?" Sie antworteten: „Wir glaubten Du seiest 
geflohen und habest Deine Schwester auch geflüchtet. Du 
weißt, wie e< mit Dir steht und welche Rede über Dich geht." 
Darauf banden sie ihn und führten ihn in deS NägeliS Haus, 
schnürten ihn fest an eine Ofenbank und aßen und tranken 
tapfer von den Borräthen desselben. Eberle geräth über solche 
schnöde Behandlung in Zorn, reißt stch loS und stürzt fort um 
Hilfe zu holen. Sie eilen ihm nach und packen ihn fester. 
„Haben wir Dich, Du Hexenmeister?" riefen sie hohnlachend, 
banden ihn auf einen Schlitten, und führten Hn nach Schaan, 
wo sie stch im Wirthshause wieder gütlich thaten, während der 
arme Eberle abermals an die Ofenbank festgemacht und wohl 
bewacht zusehen mußte. AlS sie sich ersättiget, führten sie ihn 
weiter nach Vaduz. Er wäre verloren gewesen, wenn stch die 
Verwandtschaft nicht seiner angenommen und ihn der gute 
Leumund, in dem er stand, geschützt hätte. Er wurde in Frei- 
heit gesetzt, erhielt Genugtuung für Die erlittene Mißhandlung 
und ein Zeugniß, daß er kein Hexenmeister sei. Nicht Alle, ja 
die Wenigsten waren in dem günstigen Falle wie Eberle und 
die meisten Angeklagten wurden daher ein Opfer der voSheit 
und Rachsucht. 
Da daS Vermögen der Verurtheilten der Obrigkeit zufiel, 
so benützte diese den Anlaß nicht ungerne um ihren zerrütteten 
Finanzen ein wenig aufzuhelfen. Man mußte eS Meine 
Gnade ansehen, wenn eS den Erben der Hingerichteten erlaubt 
wurde, die Konfiskation deS ganzen Vermögens loszukaufen. 
Man hieß d«S „mit der Herrschaft abkommen" Ein Triesner-. 
berger kam ab um zwei „Kälbli" und ein „Geißli", die er inS 
Schlsß nach Vaduz lieferte, der Pulvermacher in Schaan nm 
ein Zentner Pulver, ein Anderer um zwei Ochsen, ein Dritter 
um eine feiste Kuh. 
Am heftigsten wütheten in unserem Lande die Hexenprozesse 
von 1648 bis 1657 und von 1666 bis 1680. Ueber. das 
Ende derselben hat stch die folgende Volkssage erhalten: Die 
Brenner, welche so viele Menschen dem Scheiterhaufen zuge- 
führt, hatten den Pfarrer von Triefen zu ihrem Opfer auSer- 
koren. Hie traten in sein Zimmer und er, die Absicht ihrer 
Ankunft errathend, faßte sich schnell, holte Wein aus dem 
Keller und forderte sie zum Trinken auf. In den Wein aber 
hatte er schnell betäubendes und schlaferregendes Gewürz ge« 
mischt. Die Brenner wurden vom Genuß deö WeineS bald 
trunken und sanken in tiefen Schlaf. Der Geistliche diesen 
Umstand benützend, entriß ihnen daß Verzeichniß der Opfer, 
daS sie bei sich führten. Er war der Erste auf der Liste. 
Alsbald ließ er die Männer kommen, die mit ihm auf dem 
Verzeichniß standen und zum Feuertod bestimmt waren, machte 
sie mit der Gefahr bekannt und forderte sie auf, Alles an Ehre 
und Leben zu wagen. Sie nahmen die Brenner fest, überlie» 
ferten sie der Obrigkeit und ihre Unthaten kamen zu Tage. 
Sie erlitten die gerechte Strafe und viele Familien, die um 
Ehre und Eigenthum gebracht worden waren, erhielten Beides 
wieder. Den Bessern und Verständigern gingen die Augen 
auf und das Hexen- und Zauberwesen verschwand allmälig 
auö den Protokollen der Gerichte. 
Die Volkssage versetzt die Brenner in ein finsteres Tobel, 
da, wo man zu» Alp Lavena geht. Dorthin seien sie ge- 
bannt und sitzen stumm und starr an steinern Tischen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Vaduz, den 26. Okt. Ueber die am 15. d MtS. abge 
haltene Ausstellung von Rindvieh und Schweinen geht uns 
heute nachstehendes Verzeichniß der Eigenthümer prämiirter 
Thiere zu. 
1. Ch. Hartmann. Förster, Vaduz, 1. Preis (15fl.) f. eineKuh. 
2. A. Amann, Vaduz, 2. „ (12fl.) » „ „ 
3. Jos. GaSner, Triesenberg, 3. „ (10fl) „ „ „ 
4. Joh. Ferd. Schlegel, Schaan, 3. „ (lOfl.) „ „ „ 
5. Joh. Hilti, Schaan, 1. „ (Hfl) „ ein Rind 
6. Jyh. G Lingg, Schaan, ^ 2. „ (10fl) „ „ „ 
7. Seger Ferd, Vaduz, 3. „ (8fl) „ „ „ 
8. Theodor Rheinberger, Vaduz, 4. „ (6fl.) „ „ „ 
9. Alois Beck, Triesenberg, 5. „ (5fl.) „ „ „ 
10. Wächter Johann, Vaduz, 6. „ (4fl) „ „ „ 
11. A. Amann, Vaduz, 6. „ (4fl) „ „ „ 
12. Theodor Rheinberger, Vaduz, 6. „ (4fl.) „ „ „ 
Wille Joh. G, ValzerS, 1. Preis (8fl) für einen Eber 
Bühler Johann, Triesenberg, 2. „ (6fl.) „ „ 
Gottlieb Frommelt, Triesenberg, 1. „ (8fl.) „ eine Mutter 
Ch. Wanger, Schaan, 2 „ (6fl.) „ „ „ 
Kaufmann Karl, Schaan, 2. „ (6fl.) „ „ . 
GaSner Jdh, Vaduz, 3. „ (5fl.) „ „ „ 
Röckle Frz. Jos., Mühleholz, 3. „ (5fl.) „ „ 
Bühler Joh., Triesenberg, 4. „ (4fl,) „ „ „ 
Politische Rundschau. 
Deutschland« Der König von Bayern hat die Adresse 
der Abgeordnetenkammer nicht entgegengenommen und im 
Weitern daS Entlassungsgesuch deS GesammtministeriumS ab- 
gelehnt. Sodann ist der bayrische Landtag vertagt worden. 
Bei seinem Wiederzusammentreten dürste im Falle die pa- 
triotische Mehrheit zur Steuerverweigerung schreiten würve, die 
Auflösung der Kammer bevorstehen und damit der Kampf der Par- 
teien in eine neue bedeutungsvolle Phase treten. 
Der Kaiser von Deutschland ist am 25. d. M. wieder nach 
Berlin zurückgekehrt. Die Depesche, welche der Kaiser, gleich 
nach seiner Ankunft in Mailand an die Kaiserin absandte, 
hatte folgenden Wortlaut: „Ich bin glücklich angekommen. ES 
war ein Triumphzug von der Grenze bis hieher; aber der 
Einzug mit dem König in Mailand spottet aller Beschreibung, 
so unaussprechlich enthusiastisch war er bei der italienischen Leb- 
haftigkeit. Ich habe in meinem ganzen Leben nie etwas ähn- 
licheS gesehen. Alle Fenster geziert, unzählige Baleone und 
Tribünen, die Straßen dicht voll Menschen Kopf an Kopf. 
Auf der einen Seite die Garnison spalierbildend. Der König 
außerordentlich liebenswürdig. Gleich nach der Tafel großar- 
tige Beleuchtung des Domes und der Piazza, auf welcher ge- 
wiß nicht unter 50,000 Menschen standen, welche in Jubel- 
rufe ausbrachen. Kurz — unbeschreiblich. DaS Wetter Herr- 
lich. Wilhelm." ^ 
Oesterreich. Der StaatSvoranschlag sür daS Jahr 1876 
ergibt 379 Millionen Einnahmen und 404 Millionen AuSga- 
den, somit ein Defizit von 25 Mill. Das Defizit ist Haupt- 
sächlich durch die außerordentlichen Erfordernisse für KriegS- 
zwecke verursacht. 
DaS neuerliche Sinken deS österreichischen Papiergeldes ist 
namentlich durch dieses finanziell ungünstige Budget bedingt. 
Frankreich. Der frühere Präsident der französischen Re- 
publik Herr Thiers hat in Arco/son eine politisch bedeutsame 
Rede gehalten, da die Wahlen bevorstehen. 
Im AuSzuge lautet die Rede ungefähr folgendermaßen: 
„Die Bevölkerung von Bordeaux, sagte er, sei für ihn eine 
alte Bekanntschaft, sie sei ihm in einer verhängnißvollen Zeit 
Zeuge gewesen vor Frankreich und vor der Geschichte. Nach- 
dem eS ihm gelungen den Frieden nach außen und die Ordnung 
wiederherzustellen, sei sein ganzes Dichten und Trachten nur 
auf die Befreiung deS Landesgebietes gerichtet gewesen. Wie
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.