Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/173/
Dritter Jahrgang. 
TT - - - — i —- : 1 — T7» 
Vaduz, Freitag Nr. 44. den 29. Oktober 1875, 
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Landtagsverhandlung en.- 
(Fortsetzung) 
Da sich nach Verlesung der in der letzten Nummer ange- 
führten Adresse an Se. Durchlaucht, keine weitere Debatte an- 
knüpfte, wurde sofort zur Abstimmung geschritten. Dieselbe 
ergab die Annahme der Adresse mit allen gegen 4 Stimmen 
(Oehri, Matt, Kaiser, Heed). 
III. Berathung und Beschlußfassung wegen 
einer Subvention von 300 fl. für die Demeinde 
Triesenberg zu Straßenbauzwecken. 
Der darauf Bezug nehmende Commisstonsbericht lautet wie 
folgt: , 
Bereits wurden vom h. Landtage mit Beschluß vom 27 
Juni v. Z. die zum Baue dieser Straße nvthwmdig werden- 
den, auf 900 fl. präliminirten BodenauSlösungSkoften aus der 
LandeSkasse bewilligt. Durch Abänderung des StraßenzugeS 
und Verlegung desselben in eine sürstl. Walvparzelle dürften 
bloße 400 fl. zur Bodeneinlösung ausreichen. 
Diesen Umstand benützt die fürstl. Regierung, an den löb- 
lichen Landtag den Antrag zu stellen: 
„der Gemeinde TrieSnerberg nebst Uebernahme der auf- 
„laufenden Bodeneinlösungskosten auch noch einen Straßen- 
„baubeitrag von 300 fl. aus der LandeSkasse zuzusichern, 
«jedoch sei dieser Betrag erst nach Vollendung der Mase- 
„scher Straße-flüssig zu machen." 
Von der Commission wird dieser Antrag einstimmig Ihnen 
zur Annahme empfohlen. 
Wird mit 7 gegen 5 Stimme« genehmigt. 
IV. Berathung und Beschlußfassungbezüglich 
Bewilligung einer Teuerungszulage für die 
Elem entar lehr er von je 50 fl. pro 1875 
Der bezügliche Commisstonsbericht läßt sich wie folgt ver- 
nehmen: 
Die Finanzcommission erachtete daS, Ihnen, meine Herren, 
bereits zur Kenntniß gebrachte Gesuch der Elementar- 
schullehrer um Aufbesserung ihrerGehaltS- 
bezüge erst einer weitern Behandlung und Berathung un- 
terziehen zu sollen, wenn die schwebende Zollerneuerungsfrage 
chre Erledigung gefunden haben wird. AuS dieser Ursache 
stellte die fürstl. Regierung mit Schreiben vom 29. September 
1875 an den löblichen Landtag daS Ersuchen, folgendem An- 
trag seine Zustimmung zu ertheilen: 
„den Gesuchstellern für daö heurige Jahr, jedoch ohne 
„Präjudiz für die Zukunft, eine TheuerungSzulage 
„von je 50 fl. aus der LandeSkasse zu bewilligen." 
In dem Gesuche der Elementarschullehrer ist eine Erhöhung 
ihrer GehaltSbezüge pro 1875 nicht in Aussicht genommen, 
dessenungeachtet k nimmt der Finanzausschuß keinen Anstand, 
dem löblichen Landtage den Regierungsantrag zur Genehmig 
ung zu empfehlen. 
Wird mit 8 gegen 4 Stimmen (Erne, Rheinberger, Dr. 
Schlegel, Dr. Schädler) verworfen. 
V. Berathung und Beschlußfassung über das 
Gesuch der Kheinbrücken-Korporationen behufs 
Einführung von Brückenzöllen. 
Die FinanzeommisKon ließ hierüber folgenden Bericht e*r 
statten: 
DaS betreffende Gesuch wurde Ihnen, Herren Abgeordnete, 
in der letzten Sitzung des Landtages bekannt gegeben. 
Der Ausschuß ist jedoch der Ansicht, dieses Gesuch ab- 
lehnen zu sollen, und zwar hauptsächlich aus nachfolgenden 
Gründen: 
1. Durch die Einführung von Brückengeldern wird, der Ber- 
kehr nur gehemmt In dem vorliegenden Falle aber inSbeson- 
dere würde diese Maßregel schwer empfunden werden, weil das 
Brückengeld auch auf Personen ausgedehnt werden müßte, 
um sich eine ausgiebigere Einnahmsquelle zu verschaffen. 
2. Der Verkehr auf allen vier Brücken findet hauptsächlich 
nur von Leuten auS den zwei einander gegenüber liegenden 
Ortschaften statt, welche die 'Brücken zur Erleichterung u. Be 
förderung deS Verkehres gebaut und hiezu Opfer gebracht ha- 
ben. Durch Einführung der Brückengelder würden also inSbe- 
sondere nur diese mit einer neuen Steuer betroffen werden. 
3. Der Finanzausschuß geht von dem Grundsatze aus, alle 
Wege im Lande dem Verkehre offen und frei zu lassen, ohne 
Erhebung von Gebühren, daher die vier benannten Eintritts- 
punkte in die Schweiz allein nicht belastet werden dürfen. 
4. DaS Land und Seine Durchlaucht haben bis anher Be- 
deutendes sowohl zur Erstellung als zur Unterhaltung (Hebung) 
beigetragen und den Gemeinden somit ihre Last erleichtert. 
Die hierauf erfolgte Abstimmung ergab Ablehnung de< Ge- 
fucheS mit 10 gegen 2 Stimmen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Vaterländisches. 
(m) Bilder ans der vaterländischen Geschichte. 
53. Die Grafen von HohenemS—Vaduz. 
Die Hexenprozesse. 
(Fortsetzung.) 
Bald war eS nicht mehr bloß Aberglaube der seine Opfer 
suchte, sondern Rache, Feindschaft und Habsucht. ES bildete 
sich eine eigene Bande, die man „Brenner" oder „Brenner- 
knechte" nannte. Sie hielten ein Verzeichniß derjenigen, die 
im Gerüche der Hexerei standen und überlieferten sie den Ge- 
richten. Die Bande war eine im Finster» schleichende, un 
heimliche Macht, welche in erster Linie von Haß und Rachsucht
        

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