Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/170/
sürstl. liechtenst. Sparkassa, den öffentlichen Fonden und den 
im Lande angelegten Kapitalien aufmerksam zu machen. An- 
gesichtS dieser offenkundigen durch die MünzkrisiS eingetretenen 
Verluste hat sich nun die Landesvertretung zu der Ansicht ent- 
schloffen, daß nur in einem totalen Uebergange zu einem Münz- 
system, welches den Schwankungen des Silbermarktes nicht 
mehr ausgesetzt ist, das einzige Beseitigungsmittel der vielfach 
genannten Münznachtheile zu finden sei. 
Gestatten Euer Durchlaucht, an dieser Stelle einen Rück- 
blick auf die Zollvertragsverhandlung vom Jahre 1863 zu 
werfen, so stellt sich nach demselben deutlich heraus, daß der 
damalige Bevollmächtigte Euerer Durchlaucht dem Wesen nach 
den gleichen Standpunkt mit dem heutigen Landtage einnahm, 
als er anläßlich der Feststellung des Artikels 12 des Vertrags 
von der kaiserlich österreichischen Regierung die Beibehaltung 
des damals noch vollwerthigen östr. SilberguldenS gegenüber der 
den Kursschwankungen unterworfenen Banknote für daS Für- 
stenthum forderte und anstandslos zugesichert erhielt. Die 
. Gründe, welche damals für die Erhaltung einer stabilen Münze 
gesprochen haben, erscheinen demnach auch heute noch gegenüber 
dem entwerteten östr. Silbergulden als stichhältig. Einen 
Schritt noch weiter gehend glaubte der Landtag ferner, daß nachdem 
die kleinen Verhältnisse unseres L«tldeS und die großen Kosten die 
* Einführung einer eigenen Münze nicht gestatten, die Accepti- 
rung der in der benachbarten Schweiz bestehenden Franken- 
Währung der für unsere Verhältnisse richtigste und natürlichste 
Uebergang sei. 
Da wir weitaus den größten Verkehr mit der Schweiz 
haben, wohin wir die meisten zum Export gelangenden Pro- 
dukte und hauptsächlich die Lebwaare zum größten Theil ab- 
setzen, so konvenirt uns sofort auch der dortige Münzfuß vor- 
zugSweise. In Folge dessen und weil er stch noch weiter durch 
Einfachheit und die bereits angebahnte leichte Ausgleichung mit 
anderen Münzsystemen empfiehlt, haben wir auch bisher schon 
ganz allgemein in Franken gerechnet, nach Franken ver- 
kauft und eingekauft und nur dann, wenn eS nothwen- 
dig war, eine Reduktion in die östr. Währung vorgenommen. 
Die allgemeine Ueberzeugung, welche immer mehr Bestättigung 
findet hat sich demnach zu diesem Münzfuße als dem offenbar 
konvenabelsten gewendet. 
Jnvem wir eS unterlassen dieser Petition einen bezüglichen 
Gesetzentwurf folgen zu lassen, beschränken wir unS darauf,' 
Euer Durchlaucht gehorsamst noch zu bemerken, daß von einer 
etwaigen SchadloShaltung der durch die eventuelle Einführung 
ejneS neuen Münzfußes in ihren Interessen bedrohten Besitzer der 
im Lande vorhandenen Baarschaft an östr. Gelde keine Rede 
sein kann. Ohne Opfer können derartige eingreifende Maßre- 
geln wohl nicht durchgeführt werden; überdies würden die un« 
bedeutenden Nachtheile, welche Einzelne hiedurch erleiden möch- 
ten, vollkommen aufgewogen durch die mit dem längeren Fort- 
bestände deS sMus quo verbundenen Jnkonvenienzen, welche in 
steigender Progression heranwachsend und stch mehrend unbe- 
rechenbare Folgen nach sich ziehen dürften. 
Um auf die oben angedeutete Eventualität einer Prolon- 
girung deS jetzt noch in Kraft stehenden Zollvertrages zurück- 
zukommen, erachtet eS endlich die gegenwärtig versammelte 
Landesvertretung für eine ernste Pflicht, die Verschleppung der 
geschilderten Nachtheile von einem Völkchen fern zu halten, 
daS seit Jahren einen steten Kampf um'S Dasein mit verschie- 
denen elementaren Feinden zu ringen hat. 
Dieses Ziel »m Auge glaubte der Landtag richtig zu gehen, 
wenn er bauend auf die erprobte landesväterliche Fürsorge u. 
Weisheit Euer Durchlaucht die Angelegenheit deS Münzwesens 
nochmals zur gnädigen Berücksichtigung empfiehlt und schließ- 
lich die unterthänigste Bitte auszudrücken wagt: 
ES wolle Euer Durchlaucht geruhen: 
1. Durch höchste Intervention bei der kaiserl. österr. Re 
gierung dahin zu wirken, daß für den Fall eine Prolongirung 
deS jetzigen Zoll- und SteuervertrageS über den 31. Dezbr. 
1875 hinaus nothwendig würde, doch jener Artikel 12 deS 
Zollvertrages vom 23. Dez. 1863, welcher daS Fürstenthum 
an daS österr. Münzsystem bindet mit 1. Jänner 1876 außer 
Kraft gesetzt werde, 
2 die sürstl. Regierung in Vaduz zu ermächtigen, dem 
gegenwärtigen Landtage eine Gesetzesvorlage, welche die Ein- 
führung der Frankenwährung vom 1 Jänner 1876 an zum 
Zweck hat, zur verfassungsmäßigen Behandlung einzubringen. 
In tiefster Ehrfurcht verharret 
Euer Durchlaucht treu ergebenste LandeSvertretung. 
Der in der Adresse erwähnte und derselben angehängte 
Nachweis lautet wie folgt: 
Nachweis 
über die durch die Entwertung des österr. SilberguldenS 
drohenden und bereits erlittenen Verluste bei der F. L. Spar- 
kasse, den öffentlichen LandeSfonden und den im Lande ange- 
legten Kapitalien. 
Die fühlbare Entwerthung der österr. Silbermünzen datirt 
vom Jahre 1873. Der vor dieser Zeit nemlich vor Ende 
1873 — vorhandene Vermögensstand der Sparkasse und der 
öffentlichen Fonde von zusammen 249,762 fi. 25 kr. hat stch 
in einer langen Reihe von Jahren in vollwerthigen Gulden 
— & 2 Fr. 50 Ct == 2 Mark oder % Thaier angesammelt. 
ES betrug daher in Franken ausgedrückt Ende 1873 daS Ver- 
mögen der genannten Fonde Fr. 609,405 50 Ct 
Die JahreSintereffen hievon betragen Fr. 12,185 — Ct; 
da aber diese anstatt in vollwerthigen Münzen in österr. 
Silbergulden entrichtet werden, so erleiden die betreffenden 
Interessenten jährlich einen ZinSverlust von 10% oder 
Fr. 1218 50 Ct. _ 
Da der österr. Silbergulden im Verlause der letzten zwei 
Jahre von Fr. 2 50 Ct. auf Fr. 2 25 Ct. gesunken ist und 
wenn sohin nach diesem Verhältnisse daS Vermögen der Spar- 
kasse und der LandeSfonde eine Reduktion erleiden müßte, fo 
hätte eS nicht mehr nach seiner ursprünglichen Anlage einen 
Werth von Fr 609,405 50 Ct. 
sondern um 10% weniger, oder „ 548,465 50 „ 
Durch den Fortbestand dieses mißlichen 
MünzverhältnisseS droht also der Spar- 
kasse und den LandeSfonden allein ein 
Kapitalverlust von Fr. 60,940 55Ct. 
u^eit beträchtlicher noch sind die im Jnlande angelegten 
meist grundbücherlich versicherten Kapitalien von Privaten, 
Korporationen. Stiftungen u. f. w., welche hier nur unvoll- 
ständig verzeichnet werden können, wie folgt: 
a) Pl ivatkap ital, welches in den i 1 Landesgemeinden 
zur Versteuerung angemeldet wurde zus. 439,719 fl 29 kr. 
b. Ausländisches Kapital im Jnlande an- 
gelegt zus. ^ 125,000 „ — „ 
c. Kirchen- und Pfründfonde, Gemeinde- 
kapitalien und sonstige unbekannte Anla- 
gen dürfen wenigstens auf 82,000 „ — „ 
geschätzt werden. Demnach belauft sich 
die ganze inländische Kapitals- 
an läge sammt der Sparkasse und den 
LandeSfonden per 242,762 „ 25 „ 
zusammen auf 900,000 fl.—kr. 
Der lOprozentige Verlust, welcher nun diesem Kapitale 
mit einem Schlage durch die Guldenentwerthung droht, beträgt 
90,000 fl. — kr.; der wirkliche Verlust an JahreS- 
inte reffen, welchen die Inhaber dieser Kapitalien gegenwärtig 
erleiden müssen belauft sich auf 4800 fl. 
Während den KapitalSanlagen der nachgewiesene Verlust 
bloß droht, ist die Entwerthung der im Lande befind- 
lichen, jetzt kursirenden und in den Kassen liegenden österr. 
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