Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/161/
Liechtensteinische 
Dritter Jahrgang 
Vaduz, Freitag 
Er. 41. 
den 8. Oktober 1875. 
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werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
55. Die Grafen von HohenemS—Vaduz. 
(Fortsetzung.) 
Wie in Graubünden im Kleinen, so hatte sich in Deutsch 
land ein Krieg im Großen entwickelt, dessen Triebfedern eben- 
falls theilS politischer theilS kirchlicher Natur waren. Zuerst 
wurde dieser Krieg von den deutschen Ständen allein geführt, 
später aber mischte sich der schwedische König Gustav Adolf 
und nach dessen Tode sein Kanzler Oxenstirna in denselben. 
Deßhalb heißt er der Schwedenkrieg. Die schwedischen Hau- 
fen drangen bis Süddeutschland vor und ihre Ankunft ver- 
breitete überall Furcht und Schrecken, da ihre Grausamkeit 
allbekannt war. Als 1633 bereits Konstanz belagert wurde, 
war man auch in Vorarlberg in Beforgniß, doch gelang eS 
dem Statthalter äe Feria die Schweden zum Abzug zu nöthi- 
gen. Die Kämpfe in Deutschland dauerten jahrelang und mit 
wechselndem KnegSglücke fort. Im Jahr 1647 erschien der 
schwedische General Wrangel vor Bregenz, nahm die Stadt 
und erbeutete die dahin geflüchteten Kostbarkeiten. Darauf 
rückten die Schweden weiter vor. In Feldkirch trafen sie nur 
drei Personen an, den Stadtschreiber Amberg, den Baumeister 
Gaßner und den Guardian der Kapuziner. Alle andern Be- 
wohner hatten sich in die Berge oder über den Rhein geflüch- 
tet. Die Schweden suchten auch unsere Landschaften heim, 
streiften bis Gutenberg und .'erpreßten 8000 Thaler Brand- 
schatzung. Endlich am 24. Oktober 1648 machte der west- 
phälische Friede diesem traurigen Kriege ein Ende und die 
Schweden zogen ab. Die kleine Mannschaft unseres Landes 
hatte sich beim Schwedenüberfalle tapfer gehalten. Darum er- 
hielt der Landeshauptmann Büchel von BalzerS vom Erzherzog 
Ferdinand Karl ein Geschenk von 300 fl. „wegen deS stand- 
basten MutheS, den er im Schwedeneinfall bewiesen." Im 
Uebrigen waren die beiden Herrschaften gänzlich verarmt. Die 
kriegerischen Zeiten und unfruchtbaren Jahre hatten bewirkt, 
daß die Meisten kaum das Leben fristen konnten, lieberall 
waren blasse, abgezehrte Gestalten, die kaum ibren Hunger 
stillen und ihre Blößen bedecken tonnten. Die Roth zwang 
die Leute zu ungewohnten und unnatürlichen Nahrungsmitteln 
und so entstanden Krankheiten und Seuchen. Diese wütheten 
auch in unseren Landschaften so stark, daß 57 Häuser ganz 
ausstarben und daher leer standen. TheilS um den Bedrük- 
kungen de< Kriegsvolkes, theis um der ansteckenden Pest zu 
entgehen, begaben sich damals Viele auf den Triesnerberg und 
auf Oberplanken. Auch in den Alpen suchte man Zuflucht, 
wo zu ValorS ein Bergwerk betrieben wurde. Die Bergleute 
besuchten das Kirchlein zu St. Peter auf Masescha, wo auch 
ein WirthShauS stand. Der damalige Bogt auf Gutenberg 
machte wegen der Pest eine Stiftung an das genannte Kirch- 
lein. Auch hinter dem Gulmen am Saminabach siedelten sich 
einige Familien an. 
Solches Elend seiner Landschaften jsah Graf KaSpar mit 
tiefer Betrübniß, war aber unvermögend Abhilfe zu schaffen. 
Er starb 1638. Von seinen 13 Kindern erbten Jakob Hani- 
bal und Franz Maria die väterlichen Herrschaften. Franz 
Maria feierte den 9. Februar 1642 auf dem Schlosse zu Va- 
duz seine Vermählung mit aller Pracht. Er verschönerte daS 
Schloß zu Vaduz, umgab ven Schloßgarten mit einer Mauer 
und legte an denjenigen Stellen, wo die Aussicht besonders 
schön ist, LusthäuSchen an. Kaum hatte er sich so eingerichtet, 
so ereilte ihn der Tod und zwar ndch im Vermählungsjahre. 
Drei Jahre nachher starb auch sein Bruder Jakob Hannibal. 
Der zweite Sohn deS Letztern Franz Wilhelm erbte nun Va- 
duz und Schellenberg und vermählte sich mit Katharina v. 
Fürstenberg. 
Vaduz, 6. Oktober. Aus Mannheim wird geschrieben: 
An Stelle der gefürchteten hohen Getreidepreise ist die Sorge 
getreten, für die im Ausland aufgekauften Massen von 
Brodfrüchten genügende Abfatz-Kanäle zu finden. Noch nie 
lagerten solche Mengen Getreide am hiesigen Platze. Alle 
Frnchtschuppen und verfügbaren Räumlichkeiten sind vollge- 
pfropft. Von den 600,000 Sack Weizen und 100,000 Sack 
Ryggen, die unser rühriger Handel mit der Bestimmung 
nach vier im Auslände gekauft hat, mag jetzt etwas über die 
Hälfte eingetroffen sein, die kleinere Hälfte wird noch erwartet. 
Die Ernte im Jnlande stellt sich besser heraus, als man er- 
wartet hat. Die Kartoffel- und Obsternte läßt sich als vorzüg- 
lich bezeichnen. Auf der ganzen Linie von Marseille bis Ro- 
manShorn find alle Getreidemagazine überfüllt. Unter diesen 
Umständen darf man fich der Hoffnung hingeben, daß die Brod- 
preise und damit wohl manche andere nach und nach eine» 
langgewünschten Abschlag erfahren werden. 
Nach Zeitungsnachrichten haben im Waadtland dieser Tage 
die Versteigerungen deS neuen WeinS begonnen. De» der 
Stadt Lausanne gehörige auf der Domäne von Pully gilt 72 
Cent, per Maß, der von Lutry 70—76 Cent., der von Mor- 
geS 5754 Cent., doch wurde an letzterem Orte schon ein Kauf 
von 60,000 Maß ä 58 Cent, abgeschlossen. Laut der „Gaz. 
d Laus." scheint fich der Preis hoch zu halten, obschon die 
vollendete Lese in mehreren Weinbergen weit mehr als die er- 
wartete Quantität geliefert hat.. UebrigenS soll eine außeror- 
deutliche Verschiedenheit unter den einzelnen Ergebnissen Herr- 
schen, so daß man noch gar nichts sicheres über Quantität 
und Qualität deS Jahrgangs sagen könne.
        

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