Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/160/
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dem Sultan Steuer u. tragen unterschiedliche schwere Lasten, er- 
halten aber keine Bildung, haben keine Schule»!, und wenn 
jemand solche wollte, gleich würde er eingesperrt und müßtr 
eS mit dem Kopf bezahlen. 10) Gibt eS irgendeine Arbeit 
auf den Straßen des Sultans, da geht die Rajah fünf, sechs 
Tage weit vom HauS weg und arbeitet 8 Tage ohne Brod, 
ohne Bezahlung, die Türken aber sind frei. 11) Braucht man 
Pferde zur Beförderung deS Proviants für die türkischen 
Truppen, gleich sind die ZaptijeS (türkische Gendarmen) im 
Dorfe, die sich von den Bauern aushalten lassen, und am an- 
dem Tag Pferde und Menschen auf fünfzehn dis 20 Tag- 
Märsche mitnehmen, ohne Nahrung, ohne Zahlung. 12) Wie 
können wir Gerechtigkeit erlangen von den türkischen Gerichten, 
wenn sie zusammengesetzt sind aus einer Anzahl wilder Türken 
und nur 2 Christen, welche auS Zwang selbst den Tod eines 
ehrlichen Christen unterschreiben müssen? 13) Wird irgend 
ein arkker Christ zu einer Arbeitsleistung oder sonstigen 
Schuldigkeit mit dem Pferde aufgefordert und entschuldigt er 
sich, daß er verhindert ist durch Arbeit, oder weil jemand krank 
im Hause ist, gleich ist der Zaptije da, der in schlägt, häufig 
halbtodt schlägt und oft bis zu Tode hetzt. 14) Legt irgend 
ein Türke eine Klage dem Gerichte vor, so ist sie alsbald ent- 
schieden; legt sie aber ein Christ vor, so kann er bis ans 
Ende der Welt warten, oder er muß eine Bestechung geben, 
die zehnmal größer ist, als ihm sein Recht Werth ist. 15) 
Sicherheit kann man beim Türken nicht haben. 16) Kommt 
der Aga, so ist eS sein erstes das Kreuz, die Heiligen, den 
Altar, die Kirche u. s. w. zu schmähen. 17) In der Gewalt- 
thätigkeit kennt der Türke kein Maß. Semail Aga Scharicz, 
der im Gerichtshof von Stolac sitzt, nöthigte mit Gewalt die un- 
glückliche Rajah ihm den Sumpf von Kuzat auszutrocknen, u. rich- 
tete die Sache so ein als ob das Volk an den Straßen des Sultans 
arbeiten würde u. daö alles ohne einen Heller für die Arbeit. 
DaS thut aber nicht er allein, sondern so handelt jeder Türke 
16) Redlichkeit gibt es bei der türkischen Regierung keine, 
denn die Beamten haben nur einen kleinen Gehalt und sind 
genöthigt allerlei Ungesetzlichkeit^ und Gewaltthätigkeiten zu 
begehen. 19) Kann eS doch den Türken kaum noch leichter 
sein die Rajah ungesetzlich zu verurtheilen; der Prozeß wird 
in türkischer Sprache geführt, welche die Rajah nicht versteht, 
und sie thun was ihnen beliebt und gefällt. 20) Ein Sumpf 
bei Varda Glavica und Glavica Kozarica gehörte den dorti- 
gen Bauern. Diesen Sumpf haben die dortigen Bewohner 
trockengelegt und bebaut. Aber die Türken Muj Aga Mehe- 
medbasic, Mula Alia Mehemedbasic, Achmed Aga Mehemed« 
basic, Derviö Äga Grebo, Agi Beg Basanic, MemiS Aga 
Eiber und Mehemed USkovic kamen und eigneten sich diesen 
Sumpf im Ausmaße von 1000 Joch an Hohe und geehrte 
Herren! Europa hat sich bis zum heutigen Tage verändert, 
und hat von seinen Thronen viele edle und vom Christenthum 
erfüllte Kaiser, Könige und Fürsten gestoßen, und Heute, im 
Zeitalter der Bildung, haltet ihr noch immer so viel auf den 
türkischen Barbaren? Hohe und geehrte Herren! Unter der 
türkischen Peitsche können und wollen wir nicht leben. Wir 
sind Menschen und kein Vieh. Wenn ihr uns nicht helfen 
wollt, so könnt ihr unS auch nicht zwingen in die Sklaverei 
zurückzukehren. Den türkischen Versprechungen schenken wir 
keinen' Glauben mehr, und was eure Verwendung betrifft, die 
ihr unS anbietet, so haben wir uns überzeugt, daß sie bei den 
-Türken nicht so viel gilt als eine Bohnenschote. Wir wollen 
Freiheit, wahre und volle Freiheit. Lebend werden wir in die 
türkischen Hände nicht fallen. Metkovic, 12. Sept. 1875." 
Serbien. Die von der Skupschtina angenommene Adresse 
enthält folgende auf den Aufstand bezügliche Stelle: „Die Na- 
tion ist tief betrübt über das Blutvergießen, welches durch das 
fortgesetzte Leiden der Brüder hervorgerufen wurde. Die Na- 
tion ist dem Fürsten dankbar für die Erklärung: daß er mit 
wirken werde um Bosnien und der Herzegowina den Frieden' 
und die Ruhe wiederzugeben. Die Nation stellt zu diesein 
Zweck dem Fürsten alle nöthigen Mittel zur Verfügung und 
wird vor keinem Opfer zurückscheuen. Die Nation hofft: der 
Fürst werde in seiner Weisheit diese hohe Aufgabe würdig er- 
füllen." 
Verschiedenes. 
* Steinkohlentheer als Mittel zur Vertreib 
bung von Ungeziefer. Gin Gärtner hatte zum Anstrich 
von Spalieren in Treibhäusern au< Sparsamkeit statt gewöhn- 
licher Farbe Steinkohlentheer benutzt. ES war daS während 
deS Winters geschehen. Zm folgenden Frühjahr fal) nun der 
Gärtner zu seinem nicht geringen Erstaunen, daß alle Spin- 
nen und andere Insekten, die sich gewöhnlich im Treibhaus 
einfanden, verschwunden waren, und daß eine schon seit zwei 
Iahren kränkelnde und bereits zur Entfernung bestimmte Wein- 
rede sich so erholt hatte, daß sie den besten Ertrag an Trau- 
ben hoffen ließ. DieS veranlaßt? ihn, alle Stützen der Obst- 
bäume mit Steinkohlentheer zu bestreichen, und damit waren 
alle Raupen und Insekten verbannt. In Frankreich soll man 
ähnliche Versuche mit dem besten Erfolge in Weinbergen ge- 
macht haben. 
* Blutvergiftung durch Alizarintinte. Der Mitinhaber der 
geachteten Firma AbelSdorf und Meyer in Berlin, Herr Meyer, 
schnitt sich vor wenigen Tagen ein Hühnerauge auS, wobei 
er sich mit dem Messer ein wenig verletzte. Bald empfand er 
jevoch heftige Schmerzen, der Fuß, das Bein schwoll und der 
herbeigerufene Geh.-Rath Wilma konftatirte eine bereits so 
weit vorgeschrittene Blutvergiftung, daß eine Amputation deS 
BeineS unthunlich und zwecklos war. Dienstag Vormittag 
starb Herr Meyer. Wie festgestellt ist, befand sich an dem 
Federmesser, mit welchem er die Hühneraugen-Operation un- 
ternommen hatte, etwas Alizarintinte, die durch ihr Eindringen 
inS Blut daS Unglück verursacht hatte. 
Verantwortlicher Redakteur u. Herausgeber: vr. Rudolf Schädler. 
Kornpreise vom Fruchtmarkt in Bregenz vom 24. Sept. 
Der halbe Metzen 
beste 
mittlere 
geringe 
fl. 
fr. 
fl. 
kr. 
i fl- 
kr. 
Korn 
I 3 
40 
I 3 
15 
3 
05 
Roggen .... 
1 2 
80 
I 2 
60 
2 
50 
Gerste . . . . . 
1 2 
70 
1 2 
50 
2 
30 
Türken .... 
2 
80 
2 
50 
2 
20 
Hafer . . . . . 
| 1 
70 
1 1 
60 
1 
50 
Thermometerstand nach Reanmnr in Vaduz. 
Monat 
Morgens 
7 Uhr 
Mittags 
12 Uhr 
Abends 
6 Uhr 
Witterung. 
Sept. 22 
+11 1 /* 
+15 
+13 
trüb; Reg. 
u 23. 
+13 
+ 14 
+ 13 
n » 
„ 24. 
+10 
+10% 
+11 
trüb 
„ 25 
+ 7% 
+14 
+ 12 
halbhell; Abd.Rg. 
„ 26. 
+ 11% 
+ 14y 4 
+ 12 
trüb; etw.Reg. 
„ 27. 
+ U% 
+16 
+14 
halbhell; Abd.Rg. 
» 28. 
+10% 
+ 14 
+ 12 

Telegrafischer Kursbericht von Wien. 
29. Sept. Silber 101.85 
20-Frankenstücke 8.92 % 
Druck von Heinrich Graff in Feldkirch.
        

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