Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/157/
Liechtensteinische 
Dritter Jahrgang 
Vaduz, Freitag 
Nr. 40. 
den 1. Oktober 1875. 
Die liechtensteinische Wochenzeitung erscheint jeden Freitag. Sie kostet für daS Inland ganzjährig 2 fl., halbjährig Ist. fammt 
Postversendung und Zustellung in'S HauS. Mit Postversendung für Oesterreich ganzjährig 2 fl. 50 kr., halbjährig l fl. 2S kr.; für das 
übrige Ausland ganzjährig 2 fl., halbjährig 1 fl. 10 fr. ohne Postversendung. — Man abonnirt für das Zn- und Ausland bei der 
Redaktion in Vaduz oder bei den betreffenden Postämtern. — Einrückungsgebühr für die 2gespaltene Zeile s kr. — Briefe und Gelder 
werden franco erbeten an die Redaktion in Vaduz. 
Avis* 
Diejenigen inländischen Abonnenten der liechtensteinischen 
Wochenzeitung, welche mit den AbonnementSgeldern noch im 
Rückstände sind, werden ersucht, dieselben ap die betreffenden 
Briefboten zu entrichten. Den ausländischen Abonnenten diene 
zur Nachricht, daß wir nächstens die bezüglichen Beträge per 
Nachnahme erheben werden, r 
Vaduz, September 1875 
Die Redaktion. 
Vaterländisches. 
(m) Bilder aus der vaterländischen Geschichte. 
54. Die Grafen von HohenemS—Vaduz. 
(Fortsetzung.) 
Die Prätigäuer empörten ftch bald wieder gegen die Oester- 
reicher, vertrieben dieselben auS ihrem Thale und tövteten den 
zu ihnen gesandten Missionär den hl. Fidelis von Sigmarin- 
gen. Darauf drangen sie bis an die Luziensteig vor, Maien- 
feld jedoch blieb noch von österr. Truppen besetzt. Hauptmann 
v. Raitnau. welcher den Bündnern bis Fläsch entgegenzog, 
wurde ein Opfer seiner Unvorsichtigkeit, er verlor 300 Mann 
und kam selbst kaum mit dem Leben davon. Die Leute von 
BalzerS und KleinmelS trugen die Leichen der gefallenen Oe- 
sterreicher nach ihrem Kirchhof und begruben sie in geweihter 
Erde. Sie hatten denselben auch $£3*3 und Steg über den 
Fläscherberg gezeigt und dabei war besonders Anton Spam 
von KleinmelS thätig gewesen, der auch mit den Vorarlber- 
gern seinen Tod fand. Solches nahmen die Bündner zum 
Vorwand, mehrere Raubzüge in die Grafschaft Vaduz zu 
thun. 
Da der österr. Besatzung in Maienfeld die Lebensmittel 
zu mangeln begannen, sandte Graf KaSpar v. HohenemS den 
Landvogt von Vaduz an die Prätigäuer, um über freien Ab- 
zug für die Besatzung von Maienfeld zu unterhandeln. Diese 
Verwendung wirkte so viel, daß die Besatzung mit fliegenden 
Fahnen, Gewehr und Gepäck abziehen durfte. ES waren 850 
Mann. Sie schworen nicht mehr gegen die Bünde zu 
kämpfen und zogen über die Steig nach Feldkirch. Baldiran 
mit der Hauptabtheilung der österr. Truppen lag noch bei 
Chur und war von den Seinigen abgeschnitten. Er kapitu- 
lirte nun und zog ab, begann aber den Krieg von Neuem und 
schon im August 1622 hatte er Maienfeld, Prätigau und alles 
Uebrige erobert, was die Oesterreicher vor 2 Monaten verlo 
ren hatten. Durch Vermittlung der Eidgenossen kam eS zum 
Frieden von Lindau den 30. September 1622, .durch welchen 
die politischen Verhältnisse BündenS zu Gunsten Oesterreichs 
und die kirchlichen zu Gunsten der Katholiken geregelt wurden. 
Obwohl Vaduz und Schellenberg in diesem Kriege strenge 
Neutralität hielten, hatte daS Land durch denselben doch viel 
zu leiden. Die beständigen Hin- und Herzüge der österreich. 
Truppen fielen dem Lande sehr zur Last, besonders da sie wie 
im Feindeslands hauSten. Man mußte beständige Wachen 
und eine Besatzung auf dem Schlosse Vaduz unterhalten. Am 
5. Juli 1622 unternahmen die Bündner einen PlünderungS- 
zug in die Herrschaft Vaduz. Die österr. Besatzung in Gu- 
tenberg konnte ste nicht daran hindern. Sie plünderten daher 
BalzerS, zogen nach Triefen und Triesenberg, nahmen daselbst 
Butter und Käse und trieben daS Vieh weg. Als sich Graf 
KaSpar darüber beklagte, antworteten sie, es sei dieß geschehen^ 
weil die Bevölkerung der Herrschaft sich feindselig gezeigt habe. 
Sie wiederholten sogar am 9 und 25. August die Raubzüge 
nochmals und fügten den Gemeinden im Ganzen einen Scha- 
den von 11,000 fl. zu. Beim Friedensschlüsse in Lindau 
reklamirte Graf KaSpar vergebens Schadloshaltung. Da be- 
legte er im 3. 1632 die bündnerifchen Kapitalien und Güter 
in seinen Herrschaften mit Sequester, was dann von erwünsch- 
tem Erfolge gewesen zu sein scheint. — Durch den Vertrag 
von Lindau erhielt auch das Kloster St. Luzi seine Güter in 
Graubünden wieder. Abt Simon Maurer begab sich nach 
Chur und nabm Besitz von den verödeten, alten Klosterge- 
bäulichkeiten. Bald nach seiner Rückkehr nach Bendern starb 
er daselbst. Seine beiden nächsten Nachfolger lebten ebenfalls 
noch in Bendern, hatten aber Administratoren in Chur. Erst 
Abt Johann Kopp nahm 1636 definitiv seinen Aufenthalt 
in St. Luzi. 
R. Badnz, den 29. Sept. (Ein Wort zur Weinlese.) 
Nach drei schwer empfundenen Wein-Mißjahren sehen wir 
Heuer endlich — wenigstens in Vavuz — einer überaus ge- 
segneten Weinernte entgegen. Ein sehr zufriedenstellen- 
des Quantum ist bereits gesichert, so daß nicht nur die 
längst leer stehenden Fässer in Wirtschaften und Privathäu 
sern gefüllt werden können, sondern eS wird davon noch ein 
ansehnliches Maß übrig bleiben, um eS an ausländische Freunde 
unseres gut renommirten Rebensaftes ablassen zu können. 
WaS nun den Exvort betrifft, dürfte eS angezeigt erschei- 
nen, hier zu wiederholen, daß nur ganz gute inländische 
Weine — wenigstens nach der Schweiz — Abgang finden; 
mittlere und geringere Sorten sind dort zu niedrigen Preisen 
leicht ohne Verzollung zu beschaffen. Gewiß liegt eS im In 
teresse der Weinproduzenten, so weit eS in ihrer Macht steht, 
auf die Erzeugung möglichst guter Weine zu halten und zwar 
auS naheliegenden bekannten Gründen. Wie wir alle auch 
recht wohl wissen, wird aber nur dann eine gute bis vorzüg- 
liche Qualität erzielt, wenn die Traube ihre volle Reife u.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.