Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/143/
Die Berichte der beiden, politisch weitauseinandergehenden 
Blätter stimmen merkwürdig zusammen, und haben die schwar 
zen Tauben recht, dann thun unsere Leser gut, sich bald eine 
Karte deS türkischen Reiches anzuschaffen. Wozu, weiß zeder 
selbst. 
Gehaltet sich aber die Situation auch freundlicher und 
verschwinden die Wolken-, so wird doch in den revolutionären 
Provinzen eine Veränderung vor sich gehen, sie sollen nach 
einem Artikel der „Times" in tributäre Vasallenstaaten um- 
gewandelt werden. Die beste. Lösung, meint das Blatt, sei, 
daß eine Provinz nach der andern von der todten Hand in 
Konstantinopel sich loSlöse. AlS Beispiel und Beleg wird 
Egypten angeführt. 
Nach einer neueren Mittheilung scheint die Vermittlung 
der Großmächte wenig Aufsichten zu haben , indem die In- 
surgenten Niederlegnng der Waffen ablehnen und erst nach 
errungener Selbständigkeit deS Landes in Unterhandlungen ein- 
treten werden 
Frankreich. Die Eröffnung ver ersten katholischen Uni- 
versttät in Paris wird im November er^slgen 
Aus Spanien kommt die Nachricht, daß die karlistische 
Festung La Sso de Urgel kapitulirt habe. 
England. Oer Opiumhandel von Indien nach China 
hat das- englische Unterhaus abermals beschäftigt. ES besaß 
ein Interpellant Naivität genua, zu beantragen, daß die Opi- 
umkultur, welche der indischen Regierung jährlich sechs bis 
sieben Millionen Pfund Sterling einträgt, allmälig abgestellt 
werden solle. Nur wenige Redner betonten die Sünde und 
die Unwürdigkeit, die in diesem Handel liege. Manche Red- 
ner erklärten das Gift sogar für nicht schädlicher alS Tabak. 
DaS Unterhaus machte sich denn auch kein Gewissen daraus, 
den Antrag mit großer Majou'tät zu verwerfen. Man hat 
den Chinesen vaS Opium durch einen Krieg aufgezwungen 
und will sich die daraus entspringenden Bortheile nicht ent> 
gehen lassen. Missionäre, (Götzenbilder und Opium werden 
nach wie vor auf Bedarf geliefert! 
Amerika» In Nordamerika ist ein sehr strenges Gesetz 
gegen den Unfug mit Obscönitäten zu Stande gekommen. 
Dasselbe bestimmt: Jede Person, welche obscöne Schriften oder 
Bilder oder Medizinen zc. verfertigt oder verfertigen laßt, im 
Besitz hat, oder verschenkt, oder andere veranlaßt, solche anzu- 
fertigen oder zu verkaufen oder wer Anzeigen publizirt, welche 
apf solche Artikel Bezug haben, soll, wenn über 21 Jahre alt, 
nzit Haft bei harter Arbeit von drei Monaten bis 2 Jahren 
Wd einer Geldbuße von. Dollars 100 bis Dollars 5000, und 
tyeny unter 2t Jahren alt, mit 3 Monaten Gefängnißu einer 
Geldstrafe von nicht über Dollars 500 bestrast werden. Die 
Strafgelder sollen in der Stadt New Jork der Frauenschutz 
Gesellschaft und der Gefängniß-Association zu gleichen Theilen 
zufallen CSiti besonders vielsagender Punkt veS Gesetzes ver 
fügt, daß alle Maschinerien, Rohprodukte tt, welche zur Fa 
brikation obscöner Artikel verwendet werden, der Konfiskation 
verfallen sollen. Wäre in Europa auch sehr nachahmungSwerth ! 
Egypten. Der Khedive ist in die Lage gekommen, zur 
Gicherung der Grenzen seines Landes das Schwert zu ziehen. 
Hon Abyssimen aus, wo ein Prätendent sich mit Erfolg der 
Herrschaft zu bemächtigen verstand, und zum ersten Wale wie- 
dtr seit dem Abzüge der Engländer eine Art von einheitlicher 
Gewalt zu sunktioniren scheint, soll wohl ein Versuch gemacht 
tyerden, sich der Länderstriche wieder zu bemächtigen, die Egyp 
ten in der Zeit der Anarchie i« Habesch an stch gezogen hat, 
und zur Abwehr dessen sind, wie aus Kairo gemeldet wird, 
größere Truppenabtheilungen nach dem Sudan entsendet wor 
den. Für Huroya ist der Hergang ^yspfern von einiger Wich- 
tifiWlj, als der Khedive am Ende dadurch verhindert sein 
könnte, der Pforte zur Bewältigung ihrer Verlegenheiten seine 
materielle Hilfe zu sichern. 
Japan. Die „Gazzetta di Venezia" enthält eine längere 
Correspondenz aus Tokai (Iedo) über die Eröffnung deS japa- 
nischen Parlaments-, welche am 20. Juni dort vor sich gegan- 
gen ist. Dieser Correspondenz entnehmen wir, Daß;. vaS zapa- 
Nische Parlament im Ganzen aus 60 Mitgliedern besteht , die 
sich zu dessen Eröffnung inSgesammt w schwarzen Frack und mit 
dem Hut unter dem Arm eingefunden hatten. Die Eröffnung 
fand Punkt 11 Uhr Vormittags, und zwar durch den Mikado 
selbst statt, welcher dabei folgende Miniaturrede hielt: „Herren 
Mitglieder der Provineialversammlung! Ich begebe mich heut 
in eure Mitte, um euch daS Interesse zu zeigen, daS ich dem 
Werke, welches zu vollenden ihr berufen seid, entgegen trage. 
Ich hoffe, daß jeder von euch seine Pflicht bei den Verhand 
lungen der Pyqvincial-Angelegenh^iten begreifen wird. Ehe 
große Schwierigkeit bietet sich euch darin dar, daß jeder von 
euch nur die Interessen seiner Provinz, welche er vertritt, zu 
vertheidigen hat. Vergesset jedoch nicht in der Hitze der DiS- 
kussion deS GesammtvateriandeS. Seid einig und verständigt 
euch gehörig, damit die Provinzen und das Vaterland von euq 
ren Perhandlungen Nutzen ziehen uns man sagen könne, daß 
die Eröffnung dieser Versammlung für Japan eine neue Aera 
deS Wohlstandes eröffnet hat. Respektiret meine Worte!" — 
Schon am andern Tage begannen dann die öffentlichen Ver- 
Handlungen detz Parlaments und zwar zuerst über Polizei und 
Straßenbau, und ihnen wohnte auch der Mikado bei. 
Verschiedenes. 
Italien. Einen neuen schrecklichen Fall von Lebendig- 
begrabenwerden theilt daS „Diritto" aus Campobasso in Unter- 
italien mit. Im genannten Städtchen wurde am 5. d. die 
Frau eines Arbeiters, welche der Entbindung entgegen sah, von 
einer Ohnmacht befallen, die sehr lange andauerte, so daß der 
herbeigerufene Arzt sie für todt erklärte. Die Zivilbehörde 
stellte bald darauf den üblichen Todtenschein auö und Man 
begann sogleich mit den Vorbereitungen zum Leichenbegäng- 
nisse, wobei nach Landessitte der vermeintlich Todten H&id'e 
und Füße gebunden wurden. 24 Stunden nachher trug man 
sie auch schon zur ewigen Ruhestätte und ihre irdische Hülle 
ward in einem gemeinsamen Grabe beigesetzt. Zwei Tag« 
nachher fand daselbst abermals ein Begräbniß statt und dem 
Todtengräber, ver das gemeinsame Grab zu öffnen hatte, bot 
sich nun ein gräßlicher Anblick dar. Die Todtgeglaubte hielt 
ein srischgeborneS, jedoch schon todteS Knäblein in den Hän- 
den, die samt den Füßen durch Gewalt von ihren Banden 
befreit worden waren. Dieselbe hatte also im Grabe geboren. 
Leute, welche in der Nacht vor dem Friedhofe vorbeigingen, 
sagten dann auS, sie hatten wohl Hilferufe vernommen, die- 
selben aber für Gespenstergeschrei gehalten. Es ist eine strenge 
Untersuchung dieses Falles angeordnet. 
Butter. In den letzten 25 Jahren ist nach statistischen 
Erhebungen die Butterproduktion Dänemarks auf daS 7- bis 
ß-fache gestiegen, in den letzten 6 Iahren hat sie sich verdrei- 
facht und man hat jetzt eine Ausfuhr von mehr als 100,009 
Tonnen, (2 Millionen Zentner) jährlich erreicht. Aber bedeu- 
tender alS das Steigen der Quantität ist das der Qualität. 
Es gab eine Zeit, da dänische Butter im Auslände unter dem 
Namen „Theerbutter" bekannt war und mm sie nur als zu 
Schmiere brauchbar ajnsM HmzelW Partiten besserer Waare, 
namentlich Sommerbutter, konnte nur in England unter dem 
falschen Namen „Kieler Butter" abgesetzt werden. Nach und 
nach aber hat sich daS dänische Produtt vom schlechtesten zum 
testen emporgearbeitet, und jetzt wird dänische Butter in Wg- 
ja«d 6—8 Sh. per Ztr. höher notixt als deutsche Butter. 
Allerdings gibt es im Ausland viele Molkereien, die feinere 
Waare erzeugen, auch gibt eS einzelne Buttersorten, die höher 
bezahit werden, alS die besten dänischen, aber als Ganzes be 
trachte^, gibt es kein Land, dessen Produkt so gut bezahlt wkd,
        

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