Herausgeber:
Liechtensteinische Wochenzeitung 1873-1877
Bandzählung:
1875
Erscheinungsjahr:
1875
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000259759_1875/138/
barer froher Brust hier erschallen lasten, wem anders alS un 
serem tbeuren, großen unter Kaiser Wilhelm ruhm»eich wieder- 
vereinigten deutschen Vaterlande? Darum ihr alle, die ihr von 
nah und fern auS Deutschlands Gauen heute bier um dytseS 
Denkmal festlich euch geschaart habt, ihr alle stimmt freudig 
und begeistert in den Ruf: Hoch Deutschland, Kaiser 
und Reich, sie leben hoch! 
Vaterländisches. 
Vaduz, den 24. August Ueber den Stand der 
Reben und der ReblauS in der Gironde in Frankreich 
wird dem „Journ. deS DebatS" aus Bordeaux geschrieben: 
„Nach zahlreichen Witterungswechseln, welche manche 
WeinbergSbesitzer bewogen hatten die Hoffnungen aufzugeben 
zu denen sie sich in Bezug auf Quantität und Qualstat der 
bevorstehenden Ernte durch eine günstige Blüthezeit berechtigt 
glaubten, ist die Blüthezeit wieder in alle Rechte eingetreten, 
die der Monat August ihr verleiht. Die Reife kündigt sich 
durch untrügliche Zeichen an. Man beschäftigt sich allgemein 
mit der wahrscheinlichen Epoche der Weinlese in -der Gironde, 
und scheint sich dahin zu einigen, daß der M6voc, der gewöhn- 
»ich acht oder vierzehn Tage vor den benachbarten Regionen 
voraus hat, gegen den i0. September eingeheimst werden soll. 
Die Weinernte von 4875 wird eine reichliche sein. Ueder 
die Qualität streitet man sich, wie immer in dieser Jahreszeit, 
hin und her. Einige Weinbergbesitzer beharren darauf, daß 
die Resultate sehr erfreulich, denjenigen der Jahre gleich fem 
werden, da eine spät eingetretene Hitze prächtige gesunde Trau- 
ben zur Reife gebracht und in allen Stücken günstige Wein- 
lese herbeigeführt hat. Andere hingegen wollen an dieser im 
rechten Augenblick eintretenden gleichmäßigen Reife, von der 
allein ein guter Wein zu erwarten ist, zweifeln. Wenn aber 
auch, sagen die Pessimisten, die Weinlese wirklich gut, rechlich 
und lohnend ausfiele, so dürste man sich zum letztenmale da« 
rüber freuen Die ReblauS, diese räthselhafte und unüber? 
windliche Plage, scheint jeden Tag an Gebiet zu gewinnen. 
Fast möchte man glauben, daß der Rebstock sich, deS langen 
Joches müde, welches die pflegende Hand des Menschen seiner 
üppigen und wilden Natur auferlegt hat, endlich empört und 
dahinsiecht und stirbt, wie jene kräftigen Barbarenstämme denen 
die (Zivilisation nur Erschlaffung und Tod bringt. Kein Mit- 
tel ist dagegen ^gefunden. Die Ursache der Krankheit sowohl 
alS ihr Fortgang scheinen sich allen Beobachtungen zu ent- 
ziehen und bleiben unbestimmt. Jetzt hat der schlimmste der 
Empirismen, derjenige, welcher an Stelle der sehlenden ^Theorie 
nicht einmal die Ergebnisse einer bewährten Erfahrung setzt 
unter unS Platz gegriffen und ein neues Hebel eingeführt — 
die Anpreisung von Heilmitteln deren Erfolg sich noch nicht 
bewährt hat. Jede eitle Hoffnung, die im Laufe einer KrisiS, 
wie die unsnge. welche eine der lebendigen Quellen unseres 
Nationalreichthums so schrecklich bedroht, eingeflößt wird, ist 
mehr alS eine Unvorsichtigkeit, mehr als ein Fehler. Der 
Enttäuschung folgt die Entmutigung auf dem Fuß. Die 
ernsten und methodischen Forschungen so vieler Männer der 
Wissenschaft, die einzeln öder vereint, aber stetS mit der groß- 
ten Hingebung, ihre Arbeiten fortsetzen und jederzeit bereit sind 
auf daS erste Zeichen, überall wo die Krankheit einen neuen 
Charakter zu bieten scheint, herbeizueilen, können mißlingen oder 
auf Abwege gerathen, wenn die Forscher an jedem Kreuzweg 
andere Auskünfte erhalten. Alle Mittel können versucht wer- 
den, aber man sollte dabei nicht vergessen, daß eS nicht damit 
gethan ist einen vollständigen chemischen und physikalischen Ap- 
parat aufmarschiren zu lassen, um einen winzigen Neuangekom- 
menen in der Welt deS unendlich Kleinen zu vernichten. ES 
fragt sich überhaupt noch ob daS Hauptaugenmerk auf die 
Verfolgung eines JnsektS gerichtet werden muß, daS sich mit 
rasender Schnelligkeit fortpflanzt und seine Wanderungen zu 
Hunderten von Milliarden vollzieht. Man darf sogar, ohne 
verwegen zu sein, in dem Dunkel, daö über manche Punkte 
herrscht, glauben, daß das Insekt ein Erzeugniß der Krankheit 
ist und an der Wurzel deS kranken Weinstocks entsteht, wie 
das Ungeziefer auf dem Körper siecher, ausgemergelter Men- 
fchen. Die Erfahrung kann deck bescheidensten Weinbauer, die 
Wissenschaft dem gelehrtesten Akademiker daS richtige Mittel in 
die Hand geben; aber indessen hat weder der eine noch der 
andere daS Recht aus einem Erfolge viel Aufhebens zu ma 
chen oder machen zu lassen, der sich noch nicht durch verbürgte, 
allgemein zu erlangende Ergebnisse bewährt hat. An dem einen 
Orte hat sich die Unterwassersetzung als durchaus wirksam er- 
wiesen, an einem andern Ort gar nicht, und in manchen Ge 
genden, wo der Boden sich nur für den Weinbau eignet, ist 
sie unausführbar. Der eine räth französische Reiser auf ame 
rikanische Rebstöcke zu pfropfen, ein anderer behauptet, daß ge- 
rade die amerlkanifchen Rebstöcke die Krankheit bei uns einge 
führt haben. Hier will man beobachtet haben, daß die Reben 
nach und nach verderben und die Phylloxera sich erst auf ihnen ein- 
nistete als sie schon ganz abgestorben waren, dort d.iß vas Insekt 
mit den ersten Symptomen »er Krankheit an den Wurzeln er- 
schien. Ein Weinbauer reißt aus Vorsicht die ersten angesteck- 
ten Weinstöcke auS; eitle Mühe, die Rostflecken treten am ent- 
gegengesetzten Ende seines RebbergS an bisher ganz gesunden 
Pflanzen hervor. Man hat alleS versucht: Ersetzung der alten 
Reben durch neue Lockerung peS Erdbodens ringS um 
die Wurzel, ungewöhnlich starke Düngung, aber was an der 
einen Stelle zu gelingen schien, mißlang an einer anderen; die 
Plage ist stetS im Wachsen begriffen, und wir sehen nur 
Trümmer und vaS Unbekannte vor uns. Die Krankheit, die 
sich vor fünf over sechs Jahren zuerst am Fuß der von der 
Garonne aussteigenden Anhöhen, oberhalb der Brücke von 
Bordeaux und in unmittelbarer Nähe der Stadt, zeigte, hat 
sich seitdem über Die ganze zwischen den beiden Flüssen liegen- 
de Gegend ausgedehnt ; die niedrigen Mödoe-Reben sind diesen 
Sommer von ihr ergriffen worden, und jetzt bedroht sie auch 
die hohen Gewächse dieser Region, jedoch ohne daß sie bis zur 
Stunde damit Ernst gemacht hätte. Wer mag unter solchen 
Umständen wissen , was für schreckliche Überraschungen oder 
neue Hoffnungen die Zukunft für uns in ihrem Schooße 
birgt? Die Stadt Bordeaux, welche durch die Macht der 
Verhältnisse und die in der Handelsmarine eingetretenen Ver 
änderungen die hervorragende Stellung eingebüßt hat, die sie 
ehedem als AuSrüstungS, und KonstruktionS-Hafen einnahm, 
verdankt ihren gegenwärtigen Wohlstand hauptsächlich dem 
Weinhandel. Ihre Straßen und ihr Hafen würden aber öde 
daliegen, wenn eS dazu käme, daß die Weinernte von 200.000 
Hektaren (ca. 540,000,000 LUKlftr. Rebland, welche vas Gi- 
ronde-Departement umfaßt, nicht mehr in ihren »Veiten Ge 
wölben untergebracht werden müßte." 
Baduz, den 24. Augnst. Wie die pFelvk. Zeitg." mit- 
theilt soll demnächst in Feldkirch eine chemisch-landwirthschast- 
liche Versuchsstation errichtet werden. Herr v. Tschavoll, des- 
sen gemeinnütziger Sinn hekannt ist, hat ein ihm gehöriges 
Haus in Tisis zur Verfügung gestellt, in welchem daö Labo- 
ratorium, sowie die Wohnung sür den Leiter der Anstalt er- 
richtet wird. Vorarlberg erhält somit in Oesterreich die erste 
Anstalt dieser Art; auch die Schweiz soll dermalen noch keine 
besitzen. Unser landwirthschaftliche Verein, dessen todesähnlicher 
Schlaf nun schon viele Jahre dauert und zu dessen Wiederbelebung 
leider Niemand eine Hand regt, würde im lebenskräftigen Zu- 
stände die Nähe einer solchen Anstalt zu würdigen wissen. 
Baduz, den 24, August. Die außergewöhnlich große 
Hitze, .die wohl jeder zur Genüge fühlen konnte, scheint eine 
große Verbreitung zu haben. In Paris war der 15. August 
der heißeste Tag des JahreS, denn man konstatirte 34 Grad 
deS hundertgradigen Thermometers (= 27° R.). Mit Hin-
        

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